Die Werse

Die Pleistermühle an der Werse kenne ich seit meiner Jugend. Die Mühle war damals noch eine Wassermühle, in der Mehl gemahlen wurde. Gut kann ich mich noch an die riesigen Mühlräder im Inneren der Mühle und die Transmissionsriemen erinnern. Der Betrieb vom Müller Meinert muß etwa Ende der 1960er Jahre eingestellt worden sein und das Gebäude verfiel. Die Werse wird seit dem Mittelalter an der Mühle aufgestaut und ist somit ein sehr langsam fließendes Flüßchen durch das nördliche Westfalen. Weiter nördlich existieren noch die Sudmühle und die Havichhorster Mühle. Etwas nördlich davon mündet die Werse in die Ems.

Alte Pleistermühle. Die Fuhrwerke fuhren unter den Vorbau und luden Getreide ab und fertig gemahlenes Mehl auf. Links neben der Mühle befand sich das alte Mühlenwehr. Ganz links zu sehen ist der einzig davon übriggebliebene Wasserdurchlaß. Im Hintergrund, oberhalb des Jägerzaunes, ist die zusammen mit dem neuem Wehr etwa 1970 erbaute Bootsanlegestelle zu erkennen. Davor befand sich eine Sandbank. Photo von 1976 (ext. link)

Die alte Pleistermühle. Ende der 1970er Jahre wurde das Gebäude verkauft und stark umgebaut. Vor allem wurde die alte Durchfahrt geschlossen und ein nicht aus der Region stammendes Tor (hessisch?) eingebaut. Photo vom Juni 2002

Photo vom Juni 2002

Vor der Pleistermühle. Photo vom Juni 2002
Blick über den Mühlenkolk auf die alte Mühle. Im Vordergrund die ehemalige Sandbank, die mittlerweile hoch aus dem Wasser ragt und mit Bäumen bestanden ist. Photo vom Juni 2002

Blick vom Steg des Landgasthofes auf den Wersekolk. Im Hintergrund sieht man, wie sich das Ufer am Gleithang des Strömungsflusses immer weiter in den Kolk schiebt. Vergleiche den Uferverlauf vor allem mit dem Bild von 1976. Photo vom Juni 2002

Im Spätsommer 2015 wurde der Wasserspiegel der Werse wegen eines Schadens an der Sudmühle um ca. 1 m abgesenkt. Photo vom Oktober 2015

Der Mühlenkolk hat sich in den letzten Jahrzehnten komplett verändert. Bis in die 1950er Jahre existierten zwei Inseln im Kolk: jeweils eine nördlich und südlich des Flusses. In den 1950er Jahren war die nördliche Insel durch manuelle Anschüttung von Erdreich mit dem Ufer verbunden worden. Ca. 1970 wurde das alte Wehr direkt neben der alten Pleistermühle - bis auf einen kleinen Durchlaß - stillgelegt. Ein neues Wehr wurde südöstlich der Mühle errichtet und die südliche Insel durch Aufschüttungen mit dem Ufer verbunden. Durch das neue Wehr wurde der Hauptwasserfluß völlig verändert. In der Folge vergrößerte sich die südliche Sandbank ständig, bis sie spätestens 1985 fest mit dem Ufer verbunden war. Eine dort befindliche Bootsübersetztreppe war somit nicht mehr nutzbar und wurde etwa 100 m nach Osten verlegt. Weil es sich um den Gleithang des Ufers handelte, spülte immer mehr Sand auf das Gelände und bald wuchsen die ersten Bäume. Nunmehr drohte auch die neue Bootsanlegestelle zu versanden und die Stadt legte etwa 2001 neben der Anlegestelle eine Flußumgehung an, die nun den Sand wegspülte.

Auf dem Bild vom September 2016 sind die beiden Inseln gut zu erkennen, die seit 2011 aus dem Wasser ragen. Das Wasser dazwischen wird immer seichter.

Mindestens seit den 1970er Jahren leben zahlreiche Rot- und Gelbwangen-Schmuckschildkröten in der Werse und vermehren sich prächtig. Die Population entstand aus einigen wenigen ausgesetzten Tieren, die sich bei warmen Wetter gern auf Baumstümpfen sonnen, wie hier im September 2016 bei 27 Grad.

Auch an einem warmen Oktobertag kann man die Schildkröten sehen. Photo vom Oktober 2017

Die Natur hat den Uferbereich bis zum abgesenkten Wasserspiegel zurückerobert. Photo vom Oktober 2017

Photo vom Oktober 2017