Eine Reise nach Fidschi im Juni 1994

Anfang Juni 1994 brachen wir von Deutschland aus zu einer Reise in den Südpazifik auf. Ziel waren die direkt an der Datumsgrenze gelegenen Fidschi-Inseln auf der südlichen Erdhalbkugel.

Von Frankfurt flogen wir mit einer Boeing 747 der ausgezeichneten Air New Zealand in 11 Stunden nach Los Angeles. Nach einem Zwischenstop ging es weiter nach Honolulu auf Hawaii, wo wir nach 6 weiteren Flugstunden genau um Mitternacht ankamen, die Zeitverschiebung betrug dort schon exakt 12 Stunden. Leider mußten wir in Honolulu in eine erheblich kleinere, zweistrahlige Maschine der Air New Zealand umsteigen und hatten weitere 6 Stunden Flug vor uns. Morgens um 4 Uhr, nachdem wir zwischen Samoa und Fidschi die Datumsgrenze überschritten hatten, kamen wir dann endlich auf dem Flughafen von Nadi (gesprochen: Nändi) auf der Hauptinsel Viti Levu des fidschianischen Archipels an. Nach den Zollformalitäten und der Suche nach unserem vorab gebuchten Taxi ging es dann Richtung Süden zu unserem Hotel, dem Shangri La Fijian Resort.

Während unseres Transfers ging die Sonne auf und wir erhielten, obwohl todmüde von der enorm langen Reise, einen ersten Eindruck von der Insel. Endlich, nach 45 km Fahrt, erreichten wir unser Hotel und konnten das Zimmer beziehen. Das Fijian liegt auf der der Küste vorgelagerten Halbinsel Yanuca Island, hat überall nur maximal 2 Stockwerke und ist der landestypischen Bauweise glücklicherweise angepaßt. Von unserem sehr großzügig geschnittenen Zimmer im Lagoon Wing hatten wir einen direkten Blick über den breiten, weißen Strand auf die Lagune.

Einen ersten Eindruck von der Kultur der Einheimischen bekamen wir bereits am ersten Abend im Hotel bei einer Vorführung des traditionellen Feuerlaufens. Hierbei laufen Männer barfuß über glühend heiße Steine, begleitet durch anfeuernde Musik. Das Ritual war von den durch die englischen Kolonialherren als billige Arbeitskräfte nach Fidschi importierten Indern auf den Inseln eingeführt und später auch von den einheimischen Fidschianern adaptiert worden.

Einen noch höheren tionellen Stellenwert als das Feuerlaufen hat das Kavatrinken auf Fidschi. Kava ist ein aus den Wurzeln des Kavastrauches gewonnener Trank, den man sicher mit Fug und Recht als Nationalgetränk bezeichnen kann. Überall wurden wir damit konfrontiert. Kava wird zwar auf vielen melanesischen und polynesischen Inseln getrunken, nirgends ist das Kavatrinken aber so sehr Teil des Alltagslebens geworden wie auf Fidschi.

Die Herstellung und das Trinken unterliegen genauen Regeln. Die getrockneten Wurzeln werden in Handarbeit entweder mit dem Mörser oder mit altertümlichen Maschinen zerstampft. Das grobe beigefarbene Pulver, welches man unter dem Namen "grog" überall kaufen kann, wird in ein Tuch gegeben welches dann in einer mit Wasser gefüllten Holzschale so lange ausgewrungen wird, bis sich eine graubraune, stark an Spülwasser erinnernde Flüssigkeit bildet. Reihum wird dieses Getränk nun mit Hilfe von Kokosnußschalen getrunken. Der Geschmack ist für Europäer äußerst gewöhnungsbedürftig und schnell setzt auf der Zunge eine leicht betäubende Wirkung ein. In größeren Mengen getrunken wirkt Kava als leichtes Rausch- und Beruhigungsmittel. Zur Trinkzeremonie gehört, daß vor der Annahme der Trinkschale einmal hohl in die Hände geklatscht wird, die Schalen dann (in einem Zug!) ausgetrunken werden und anschließend dreimal in die Hände geklatscht wird.

Die Nachmittage verbrachten wir mehr oder wenig mit Wassersport, wobei das Angebot des Hotels sehr gut war. Man konnte Kajaks, Segelboote und Tauchausrüstungen ausleihen oder Wasserski laufen. Weiterhin wurde Parasailing angeboten. Da das Hotel an einer großen Lagune lag, war das Wasser sehr ruhig und alle Aktivitäten ungefährlich.

Eines Tages hatten wir das Glück, von einem Einheimischen, der für den Bootsverleih zuständig war, nach sich Zuhause eingeladen zu werden. Er wohnte im nahegelegenen Dorfe Cuvu, dessen Einwohnern auch die Yanuca Halbinsel gehörte, die nur an den Hotelkonzern verpachtet war. Das Dorf bestand aus einer Ansammlung von einfachen gemauerten Häuschen mit Wellblechdächern. Auf einem Hügel im Dorf stand auch die unvermeidliche Methodistenkirche. Das Haus unseres Gastgebers umfaßte nur 4 Räume: ein großes Wohnzimmer, dann noch 2 Schlafzimmer und eine Küche. Das Plumpsklo war außerhalb. Im Wohnzimmer standen große Polstermöbel und ein Fernseher. Auf dem Holzboden lag ein geflochtener Teppich, die Wände waren mit Bildern von Familienmitgliedern und fidschianischem Kunsthandwerk geschmückt. Stolz wurde uns seine Frau und die 3 Kinder der Familie vorgestellt, die alle auf der Schule Englisch als Fremdsprache lernten. Haus und Dorf machten einen sehr gepflegten Eindruck und wir wurden extrem gastfreundlich empfangen. Traditionelle Häuser - Bures - waren leider fast nur noch in Freilichtmuseen zu sehen.

Am nächsten Tag unternahmen wir eine Tour zur Hauptstadt Fidschis, Suva, an der Südküste Viti Levus gelegen. Die Fahrt dorthin über die Queens Road führte entlang zahlreicher malerischer Dörfer, deren Bewohner uns freundlich zuwinkten. Östlich von Sigatoka (gesprochen: Singatoka) beginnt die malerische Coral Coast, deren üppige Vegetation sich grundlegend von der der kargen der Westküste unterscheidet.

In Suva, mit ca. 200.000 Einwohnern eine der größten Städte der Südsee, fielen uns sofort die zahlreichen indischstämmigen Menschen auf, die sich in der Physiognomie völlig von den Fidschianern unterschieden. Entsprechend auffällig waren auch die vielen Geschäfte in rein indischer Hand. Interessant war der Markt, auf dem zahlreiche Waren angeboten wurden und das monumentale Government Building. Sehr sehenswert präsentierte sich auch das Fiji Museum. Ein Führer erläuterte uns dort, daß die Fidschianer ihre heutige "Friedfertigkeit" ausschließlich den Missionaren zu verdanken hätten, immerhin hätte es 1867 den letzten Fall von Kannibalismus gegeben (dem ausgerechnet ein Missionar zum Opfer fiel!). Auch hier, wie schon auf anderen Inseln in der Südsee, waren die Ansichten der Missionare bis in die heutige Zeit fast kritiklos übernommen worden. Das Museum war umgeben von den Thurston Gardens, einem sehr schönen botanischen Garten. In der Nähe des Museums befand sich auch das Government House, Sitz des Staatsoberhauptes, vor dem eine Wache in der traditionellen, englisch beeinflußten Uniform stand.

Da uns die Tour nach Suva so gut gefallen hatten, sprachen wir uns mit einem der Hoteltaxifahrer ab, uns an einem Tag die gesamte Insel zu zeigen. Er kam dann morgens auch und hatte noch einen Bekannten mitgebracht, der ihn beim Fahren abwechseln sollte. Ab ging es entlang er Südküste auf der Queens Rood nach Sigatoko, dort bogen wir auf einer Schotterpiste links ab in die Berge, entlang des Sigatoka River. Dies war eine ganz andere Landschaft als entlang der Küste! Das Sigatoka Valley besteht aus äußerst fruchtbarem Schwemmlandboden und wird wegen der dort sehr intensiv betriebenen Landwirtschaft auch "Salatschüssel" Fidschis genannt. Dort kamen uns auch Bauern mit ihrem Ochsengespann auf dem Weg zum Feld entgegen, die extra für uns anhielten, damit wir ein Photo machen konnten. Schulkinder winkten uns freundlich zu.

Diese landschaftlich wunderschöne Straße schlängelte sich über Bergrücken und durch Täler und gab immer wieder den Blick auf den Fluß und das Hochland frei. Hier gab es auch noch Dörfer im traditionellen Baustil, d.h. palmbedeckte Bures statt Wellblech zu sehen. Bei einem Dorf konnten wir von der erhöhten Straße aus eine wegen der enormen Hitze unter Wellblechdächern stattfindende Dorfversammlung beobachten.