Eine Reise in den Nordwesten der USA im Juni 1998

Wyoming

Mitte Juni 1998 starteten wir zu einer 14tägigen Rundreise, die uns durch die fünf nordwestlichsten Staaten der USA führen sollte. Los ging es von Düsseldorf mit der SAS nach Kopenhagen, nach einem zweieinhalbstündigen langweiligen Stop erreichten wir nach weiteren 9,5 Stunden Salt Lake City, Hauptstadt des Mormonenstaates Utah. Hervorragend konnte man den Großen Salzsee vom Flugzeug aus erkennen. Nach einem weiteren Aufenthalt von einer Stunde mußten wir in eine beängstigend kleine Maschine umsteigen, die uns in 60 Minuten nach Jackson, dem eigentlichen Ausgangspunkt unserer Reise brachte. Zum Glück war der letzte Teil des Fluges recht ruhig, bei Seitenwind wollte ich doch nicht gerne in einem so kleinen Flugzeug sitzen!

Bereits beim Anflug auf den doch sehr rustikalen Flughafen von Jackson bekamen wir einen Eindruck vom imposanten Panorama der Rocky Mountains. Jackson selbst befindet sich auf einem Hochplateau und ist von enorm hohen Bergen umgeben. Nach Entgegennahme unseres Leihwagens waren wir froh, endlich in unserer (vorab gebuchten) Unterkunft anzukommen. Der Hotel war in Form eines Blockhauses gebaut und diente, wie wohl alle Unterkünfte in der Umgebung, im Winter vor allem als Skifahrer-Resort. Schon auf dem Weg zum Hotel sahen wir an den Berghängen zahlreiche Skilifte.

Am nächsten Tag machten wir uns auf den Weg nach Norden, in den Teton Nationalpark, der vom Bekanntheitsgrad immer im Schatten des "großen Bruders", Yellowstone steht. Dies allerdings völlig zu Unrecht, wie wir schnell feststellten.

Auf der westlichen Seite des Parks zieht sich eine ausgesprochen imposante Bergkette mit Höhen von über 4000 Metern hin, an deren Füßen sich wiesenbestandene Ebenen mit zahlreichen Tieren sowie eine Reihe äußerst pittoresker Seen befinden. Natürlich sind alle Sehenswürdigkeiten, wie in allen amerikanischen Nationalparks, bestens erschlossen. Wir machten einen Stop am wunderschönen Jenny Lake und fuhren entlang des größten Sees, des Jackson Lake, weiter nach Norden zum Yellowstone Park.

Bald erreichten wir den südlichen Eingang des Parks, der immerhin schon 1872 gegründet wurde und damit der älteste Nationalpark der USA und der Welt ist. Allerdings war die erste Wegstrecke innerhalb des Parks für uns sehr desillusionierend - wir durchfuhren den Bereich, der bei den verheerenden Waldbränden von 1988 komplett abgebrannt war. Weit und breit abgebrannte, tote Bäume, darunter allerdings nachwachsende Vegetation. Stellte sich uns die Landschaft erst als erschreckend öde dar, fanden wir bald heraus, daß die lichte Vegetation für uns von Vorteil war: in den vorher dichten Wäldern hatten die Tiere eine hervorragende Deckung, man hätte sie niemals von der Straße aus sehen können. Nunmehr hatte man aber freien Blick und entsprechend viel Wild konnten wir problemlos entdecken.

Unser Ziel war der wohl berühmteste und pünktlichste Geysir der Welt, der Old Faithful. Wir hatten enormes Glück und kamen eine Viertelstunde vor der zu erwartenden Eruption an, die immer auf die Minute pünktlich alle 75 Minuten erfolgt. Auf den Holzbänken hatte sich schon eine ganze Zahl an Besuchern eingefunden, als das Spektakel startete. Zuerst spie der Geysir ein wenig Wasserdampf aus bis sich der Dampf zu einer riesigen Fontäne entwickelte und zig Meter hoch geschleudert wurde. Nach etwa 10 Minuten ließ der Wasserdruck nach und die Fontäne verebbte allmählich. Ein unglaubliches Erlebnis!

Nunmehr schauten wir uns in der Umgebung des Geysirs um: bestimmendes Gebäude war die Old Faithful Lodge, ein großer rustikaler Blockhüttenbau von der Jahrhundertwende mit Essensmöglichkeiten und dem unvermeidlichen Souvenirgeschäft. Informativ ist ein Besuch im daneben gelegenen Visitor Center. Zu Fuß gelangt man auch zu weiteren, kleineren Geysiren wie dem Castle Geysir. Hier ist in der Regel auch weniger Tourismusandrang als am Old Faithful.

Nachdem wir nach Besichtigung dieses unvergleichlichen Spektakels noch reichlich Zeit bis zum Erreichen unseres Tagesziel, dem Ort West Yellowstone hatten, entschlossen wir uns, die Straße vom Old Faithful bis zum Yellowstone Lake wieder zurückzufahren.

In Grant Village erreichten wir das Ufer des riesigen Yellowstone Lake, dessen Ufer wir Richtung Norden folgten. Auf einmal die Riesenüberraschung: die ersten Bison! Wir konnten es nicht glauben, mehrere Tiere grasten in aller Seelenruhe in unmittelbarer Nähe der Straße. Vor Aufregung waren wir versucht, uns den Tieren zu nähern, so friedlich boten sie sich uns dar. Schließlich mußten wir uns doch zusammenreißen. Beim Eintritt in den Park hatte man uns eindringlich gewarnt uns jeglichen Tieren, insbesondere aber den Bison zu nähern. Schließlich handelte es sich nicht um Zootiere, sondern um wildlebende Exemplare in freier Wildbahn, die auch schon mal aufdringliche Besucher auf die Hörner nehmen. Nichtsdestotrotz, wir waren "hin und weg" von diesen majestätischen Tieren.

Weiter fuhren wir entlang des Yellowstone River, der enorme Wassermassen mit sich führte.


Bald erreichten wir den Mud Vulcano, einem kleinen Geysir, der heißen Schlamm auswirft. Gegenüber befindet sich die Sulphur Caldron, ein Schwefel-Kessel, im dem sich die aus dem Erdinneren hochgekochten Mineralien abgelagert haben. Eine empfindliche Nase sollte man bei der Besichtigung nicht haben!

Die Straße führte weiter parallel zum Yellowstone River. In unmittelbarer Nähe konnten wir Mule Deer, eine Hirschart sowie eine Elchkuh mit Kalb beobachten, die sich von uns nicht beim Grasen stören ließen. Offenbar tolerierten die Tiere die staunenden Besucher, solange ihnen diese nicht zu sehr auf den Pelz rückten.

Ein Stück weiter verrieten zahlreiche am Straßenrand stehende Autos und aufgeregt hin und her laufenden Leute eine Sehenswürdigkeit. Auf unsere Nachfrage sagte man uns, oben am Berg sei ein Schwarzbär gesichtet worden, und richtig, nun konnten wir ihn auch sehen! Ein mächtiges Exemplar trollte durch den Wald auf der Suche nach Nahrung. Welch ein Anblick!

Nur wenige Kilometer weiter erreichten wir bei Canyon Village die spektakuläre Upper und Lower Falls des Yellowstone River, wo sich Unmengen Wassers in die Tiefe stürzten.

Gleichzeitig eröffnete sich ein phantastischer Blick auf den Grand Canyon of the Yellowstone.