Eine Kurzreise nach Wismar und Schwerin

Über den Monatswechsel Oktober / November 2023 waren wir für einen Kurztrip in Wismar und schauten uns dort und der Umgebung die Sehenswürdigkeiten an. Auf der Heimfahrt legten wir einen kurzen Stop in Schwerin ein und besichtigten das Schloß.

Das Gebiet um das heutige Wismar wurde bereits im 10. Jahrhundert von den Slawen besiedelt. Aus einer Kaufmanns- und Handwerkssiedlung (Alt Wismar) um die Nikolaikirche aus der Zeit um 1167 soll die spätere Stadt hervorgegangen sein. Ein zweiter Stadtteil entstand um die Marienkirche, danach ein dritter ab 1250 um die Georgenkirche. Gegründet hat die Stadt wahrscheinlich Fürst Heinrich Borwin I. um 1226. Erstmals urkundlich erwähnt wurde sie 1229 und erhielt wenig später lübisches Stadtrecht. Kurz nach der Stadtgründung wurde Wismar Mitglied der Hanse, was die wirtschaftliche und politische Macht der Stadt förderte. Allerdings endete auch die Blütezeit Wismars mit dem im 16. Jahrhundert einsetzenden Niedergang der Hanse.

1257 bis 1358 war die Stadt Residenz der mecklenburgischen Fürsten. Der Bau einer Stadtmauer wurde 1276 begonnen, aber erst im 15. Jahrhundert vollendet. Das an der alten, von Lübeck über Rostock zu den baltischen Küstenorten führenden, Handelsstraße gelegene Wismar entwickelte sich zu einem wichtigen Handelsplatz für Produkte aus dem osteuropäischen und dem westeuropäischen Raum, die hier verschifft wurden. Während des Dreißigjährigen Krieges wurde die Stadt schwer verwüstet und geplündert und fiel nach dem Westfälischen Frieden zusammen mit der Insel Poel an Schweden. Die Stadt wurde zu einer mächtigen Festung inmitten des Herzogtums Mecklenburg-Schwerin ausgebaut. 1803 schließlich verpfändeten die Schweden die Stadt an Mecklenburg, dem es durch den Verzicht Schwedens auf eine Einlösung ab 1903 wieder zugehörte.

Die wirtschaftliche Lage in Wismar erholte sich ab 1825 wieder. Der Seehandel gewann wieder an Bedeutung. Bis 1895 entstand ein neuer Hafen und Wismar entwickelte sich durch die prosperierende Werftindustrie um die Jahrhundertwende zu einer wichtigen Industriestadt (Werftindustrie). Während des Zweiten Weltkrieges wurden zahlreiche Baudenkmäler und große Teile der Stadt durch Bombenangriffe zerstört. Zu DDR-Zeiten war Wismar ein bedeutender Umschlagsplatz für Massengüter und mit der Mathias-Thesen-Werft ein wichtiger Schiffbaustandort, der auch nach der politischen Wende erhalten blieb.

Heute steht der gesamte Altstadtkern unter Denkmalschutz. Er ist nicht sehr groß und problemlos in einigen Stunden fußläufig zu besichtigen. Der Besuch lohnt sich außerordentlich. Wer noch Zeit mitbringt sollte auch den Bereich des alten Hafens mitbesichtigen. Dort am Wasser dominiert die Silhouette des riesigen Trockendocks der in wirtschaftlichen Schwierigkeiten befindlichen MV Werften. Ebenfalls lohnenswert ist der Besuch des Technischen Landesmuseum phanTechnikum in einer ehemaligen Wehrmachtskaserne am Stadtrand.

Der Markplatz von Wismar mit dem Giebelhaus "Alter Schwede" von 1380 und "Wasserkunst" von 1861.

St. Nikolai in Wismar, imponierendes Gebäude der Backsteingotik mit Baubeginn 1270. Das Mittelschiff mißt 37 Meter Höhne!

Teil der ehemaligen Stadtmauer und Wasserturm. Davor die Persiluhr aus den 1920er Jahren.

Prächtige Holzdecke von 1699 in der ehemaligen Spitalkirche Heiligen-Geist.

25 Kilometer nordwestlich von Wismar liegt Klütz mit dem bekannten Schloß Bothmer. Das Schloß wurde nach englischen und niederländischen Vorbildern für den in Diensten des englischen Königshauses stehenden Reichsgrafen Hans Caspar von Bothmer von 1726 bis 1732 als Stammsitz seiner Familie erbaut. Seit einigen Jahren befindet sich im restaurierten Gebäude ein Museum.

Die Geschichte des Schweriner Schlosses reicht weit zurück. Eine slawische Burg gab es an diesem Standort bereits im 9. Jahrhundert. 1160, nach der Christianisierung der ansässigen Slawen, kommt es zur Gründung der Stadt Schwerin, in der Renaissance entsteht auf der Burginsel ein prächtiges Schloß. Dieses wird aber durch den Großherzog von Mecklenburg-Schwerin grundlegend zwischen 1844 und 1857 im Stile des romantischen Historismus umgebaut (vergleiche Neuschwanstein).

"Alter Garten", Platz zwischen Schloß, Siegessäule (1870/71), Theater (1836) und Staatlichem Museum (1882)