Eine Reise nach Moorea (Franz. Polynesien) Dez. 2001/Jan. 2002

Nachdem unser New York-Urlaub kurz nach Rückkehr im September 2001 nach Deutschland von den fürchterlichen Terrorereignissen überschattet worden war, planten wir diesmal unseren Weihnachtsurlaub in einer unverfänglicheren Weltregion.

Unsere Vorstellungen gingen in Richtung eines Bade- und Erholungsurlaubes und schnell fiel unsere Wahl auf die Insel Moorea, in unmittelbarer Nachbarschaft von Tahiti, Franz. Polynesien, gelegen.

Mitte Dezember ging es über Düsseldorf nach Paris. Von dort mit einer Boeing 747-400 der Air France mit Zwischenstop in Los Angeles nach Papeete/Tahiti. Der Transfer-Aufenthalt in Los Angeles gestaltete sich aufgrund der weltpolitischen Lage schon recht chaotisch, da es offensichtlich die Anweisung gegeben hatte, auch Transferpassagiere durch die Immigrationschalter zu schleusen.

So mußten wir erst in die Transferlounge, von dort (Schlange stehen!) durch die Immigration (wo es unverständlicherweise keinen Stempel in den Paß gab) und wieder in die Transferlounge. Nach gut 2 Stunden ging es dann glücklicherweise mit dem gleichen Flugzeug weiter.

Der Anflug auf Polynesien gestaltete sich leider wegen der dichten Wolkendecke sehr unspektakulär. Endlich landeten wir auf dem doch relativ kleinen Flughafen von Papeete. Kaum hatte sich die Flugzeugtür geöffnet, schlug uns 30° warme und unheimlich schwüle Luft entgegen. Offensichtlich hatte es gerade geregnet. Die Zollkontrolle durch den französischen Beamten war eine reine Formalie. Nachdem wir unser Gepäck abgeholt hatten, suchten wir den Schalter von Air Tahiti, mit der es weiter nach Moorea gehen sollte. Eine nette Dame teilte uns nach ewiger Wartezeit in mittlerweile völlig durchgeschwitzter Kleidung mit, man habe uns auf Air Moorea umgebucht. Die Airline hätte allerdings einen eigenen Terminal außerhalb des Hauptgebäudes. Uns blieb nichts anderes übrig, als unsere Sachen zu nehmen und den anderen Terminal zu suchen - bei der Luftfeuchtigkeit keine reine Freude! Der Terminal von Air Moorea erinnerte stark an einen Buschflughafen, aber freundlich teilte man uns mit, wir könnten gleich mit dem nächsten Flieger in 10 Minuten fliegen, das Flugzeug stünde schon bereit.

In der Tat, das Flugzeug stand dort schon. Allerdings trauten wir unseren Augen nicht. Es handelte sich um eine augenscheinlich altersschwache, 10sitzige Twin Otter, in der nach sorgfältigem Wiegen unsere Koffer verstaut wurden. Schließlich mußten wir einsteigen und mir wurde extrem mulmig. Man konnte die Maschine nur in stark gebückter Haltung betreten und die Sitze waren winzig. Die Schiebetür zum Piloten stand offen, so daß man alle seine Manöver life miterleben durfte. Da die Maschinen im viertelstündigen Pendelverkehr zum nur 20 km entfernten Moorea verkehren, war der Flug für den Piloten natürlich unspektakulär. Ich hingegen glaubte, mein letztes Stündchen habe geschlagen, als er rasant abhob, recht niedrig über die Meeresenge flog und dann zu einer ebenso spritzigen Landung ansetzte. Schlagartig fiel mir wieder ein, daß der Luftdruck der Reifen meiner Ansicht nicht besonders hoch gewesen war. Ich war heilfroh, nach 10 Minuten wieder festen Boden unter den Boden zu haben! Glücklicherweise stand unser vorab gebuchtes Taxi bereit und brachte uns in 45minütiger Fahrt zu unserem Hotel, dem Moorea Beachcomber Intercontinental an der Nordküste der Insel gelegen..

Nach über 30stündiger Reise und mehr als 16.000 zurückgelegten Kilometern hatten wir damit das Ziel endlich erreicht! Das Hotel war phantastisch. Wir hatten einen Overwaterbungalow gebucht und von der Hoteldirektion wegen unseres langen Aufenthaltes von 3 Wochen tatsächlich den schönsten der Hotelanlage erhalten. Er war - politisch natürlich nicht korrekt - mitten in ein Korallenriff gebaut und nur über einen Steg zu erreichen. Der Baustil war landestypisch, Holzkonstruktion mit weit überhängendem Dach aus Pandanusblätter. Als besonders sinnvoll erwies sich die große Terrasse, von der eine Leiter direkt ins Wasser führte. Zudem konnte man von der Terrasse aus phantastisch die bunten Fische im Riff ungestört beobachten.

Leider hatte ich bei der Auswahl des Reiseziels nicht bedacht, daß dort z.Zt. des deutschen Winters Regenzeit ist. Somit kam es in der ersten Woche zu häufigen, z.T. sehr heftigen und langanhaltenden Regenfällen, die von Perioden eines vollständig bedeckten Himmels unterbrochen wurden. Unglücklicherweise wurde ich durch die komplette Wolkendecke leichtsinnig und unternahm - ohne Sonnenschutz - eine Bootstour. Das Resultat war ein enormer Sonnenbrand! Die UV-Einstrahlung ist dort auch durch die Wolken so intensiv (Im Dezember steht die Sonne dort im Zenit), daß man tückischerweise verbrennt, ohne es zu merken.

Unser erster Erkundungsgang auf der Insel führte uns zum von der Concierge als nächstgelegenes Dorf beschriebenes "Le petit Village", ca. 2,5 km entfernt. Einen Eindruck von den exorbitanten Preisen auf Moorea erhielten wir, als der Taxifahrer für die kurze Stecke 1000 CFP (polynesische Franc), also umgerechnet über 16 DM verlangte!! Das "Dorf" an sich machte uns sprachlos, denn es bestand aus einer Tankstelle, einer Bank, einem Supermarkt, einem Zeitschriftengeschäft, immerhin 2 Kneipen/Restaurants, einem Perlengeschäft und 2-3 Souvenirläden. Der Platz, um den die Geschäfte gesäumt waren, war eine nach den heftigen Regenfällen unter Wasser stehende Schlaglochpiste. Das sollte nun das Highlight von Moorea sein? Oh je.

Am interessantesten war es, im Village die Leute zu beobachten. Das Leben ging seinen französisch-polynesischen gemächlichen Gang. Pickups kamen und gingen, die Ladefläche beladen mit Kindern und Haustieren. Da alle barfuß gingen oder nur Badeschlappen trugen, waren die Pfützen auch kein Problem. Vormittags konnte man die Hausfrauen, beladen mir Armen voller Baguettes, den Supermarkt verlassen sehen. Auffällig auch die vielen, mit traditionellen Motiven tätowierten Männer. Umgangssprache untereinander war tahitianisch, oft vermischt mit französischen Brocken, die ich heraushören konnte. Zweitsprache ist französisch und überraschend viele Leute sprechen auch noch sehr gut Englisch. Dies ist wohl darauf zurückzuführen, daß ca. 50% der Gäste aus den USA kommen. Eines Tages warteten wir von der Bank, deren Öffnungszeiten mit 13.30-16.00 Uhr im Schaufenster angeben waren. Wir warteten und warteten, nichts tat sich. Nach 14 Uhr erschien dann die einzige Angestellte und zog die Jalousien hoch: dahinter verbarg sich ein Schild, auf dem die Kunden darauf hingewiesen wurden, daß die Bank nun erst immer um 14 Uhr öffnen werde! C'est la vie en Polynesie...

Im Supermarkt konnte man alle grundlegend wichtigen Dinge kaufen. Auffällig war, daß quasi alles - bis hin zur Milch! - aus Frankreich importiert war. Fleisch und frisches Gemüse gab es fast gar nicht. Vor dem Supermarkt befand sich ein kleiner Kleiderständer, an dem ich eine nette Bluse entdeckte. Schnell hängte ich sie wieder zurück: umgerechnet sollte sie 150 DM kosten!
Auffällig gut sortiert war das Zeitschriftengeschäft. Es gab alle gängigen französischen Zeitschriften und Magazine sowie auch mehr oder weniger regelmäßig ausländische Zeitungen und Zeitschriften. Weiterhin fand man eine größere Auswahl an Büchern und Kalendern sowie CDs mit polynesischer Musik.

Die Tage im Hotel liefen im gemütlichen Rahmen dahin. Das Wetter wurde immer besser, d.h. immer weniger Regen und verstärkt Sonne. Hatte uns das schöne Vordach über der Terrasse erst vor dem Regen geschützt, spendete es nun Schatten von der gleißenden Sonne. Bedingt durch die exponierte Lage direkt im Meer wehte bei uns auch immer eine kleine Brise, und wir hatten keine Probleme mit Mücken, wie die Leute in den Garden-Bungalows.
3mal wöchentlich veranstaltete das Hotel eine Dinnershow, bei schönen Wetter am Strand, mit sehr sehenswerten polynesischen Tänzen und Gesängen. Auffällig waren für uns die verschiedenen tahitianischen Tänze. Interessant auch die vielen Tanzvorführungen von Männern. Auf Hawaii hat man den ursprünglich von Männern getanzten Hula in einen Frauentanz nach dem Geschmack der Weißen umgemünzt, die tahitianischen Tänze hingegen waren viel ursprünglicher.

Kostenlos konnte man hoteleigene Auslegerkanus ausleihen, wie ich bald herausfand. Als ich zum Mann an der Leihstelle ging, wollte er mir kein Kanu ausleihen. Alleine könne ich das nicht paddeln, es gäbe starke Strömungen etc. Schließlich ließ er sich durch meine Hartnäckigkeit doch überzeugen, bestand aber auf dem Anlegen einer Schwimmweste. Ich hingegen, aufgewachsen an einem Fluß und Kanufahrerin seit Kindesbeinen, war davon überzeugt, daß die Paddeltechnik von einem kanadischen Kanu und einen Auslegerkanu nicht so unterschiedlich sein konnten und sollte recht behalten. Als ich zielstrebig - auf einer Seite paddelnd und nicht immer hin- und herwechselnd - loslegte, konnte ich sein Erstaunen förmlich spüren. Angefeuert wurde ich auch von Arbeitern, die einige der Bungalows wieder mit frischen Pandanusblättern eindeckten. Eine weiße Frau, die so souverän gegen die - in der Tat starke - Strömung anpaddelte, hatten die wohl auch noch nicht gesehen! Gegen Ende des Urlaubes war ich dann so mit den schwierigen Wasserverhältnissen in der Lagune vertraut, daß ich alleine mit dem Kanu zur weit entfernten Opunohu Bay gepaddelt bin - nach Aussagen des Bootsverleihers hatte das noch niemand geschafft. Begeisterung auf dieser Tour rief ich auch bei einigen in der Lagune badenden Kindern hervor, die sich sofort auf mein Boot stürzten und mich in einem Gemisch von Französisch und Tahitianisch interviewten. Sie genossen gerade ihre 4wöchigen Weihnachtsferien und verbrachten offenbar die meiste Zeit badend im Meer. Eine Frau aus Europa, die sich die Mühe machte, so weit mit einem Auslegerkanu zu paddeln anstatt ein Motorboot zu nehmen, hätten sie noch nie erlebt, berichteten sie erstaunt.

Nachdem wir uns endlich akklimatisiert und die Zeitverschiebung von immerhin 11 Stunden verkraftet hatten, entschlossen wir uns, ein Auto zu leihen und eine Insel-Rundtour zu machen.
Morgens ging es, bewaffnet mit Kamera und Reiseführer, über die einzige asphaltierte Straße los. Nach einigen Kilometern eine große Enttäuschung: ein im Reiseführer als spektakulär beschriebener Marae, d.h. altpolynesischer Ritusort, war inzwischen eingezäunt und nicht mehr zu erreichen.

Nächster Stop war Tiki Village, so ein Art Hawaiianisches Polynesian Cultural Center im Miniformat. Nach einem Eintritt von sage und schreibe 2000 CFP (ca. 33 DM) pro Person wurde uns die Vorführung "authentischer" tahitianischer Lebensart versprochen. Es handelte sich um ein Gebäudeanlage mit einer Reihe auf hohen Stelzen stehenden Holzhäusern. In dem unter den Häusern befindlichen Arealen hatte man mehr oder minder lieblos Holzschnitzereien, Steinskulpturen und Früchte ausgestellt. Highlight des Dorfes war eine Austernzucht, in der man die für Tahiti typischen schwarzen Perlen gewann. Kurz wurde uns über Zucht und Gewinnung der Perlen berichtet. Weiter ging es mit einer völlig desinteressierten "Führerin", die sich scheinbar durch unsere Anwesenheit irgendwie gestört fühlte, obwohl sie nach eigenen Aussage nichts anderes zu tun hätte. Mehr oder weniger interessiert führte sie uns in ein Gebäude, in dem einige schöne, sehr farbenfrohe tahitianische Federkopfschmucke ausgestellt waren. Auf meine Frage, woher sie denn die schönen Federn hätten, antwortete sie: "Wir war es leid, hinter den Hühnern herzulaufen und kaufen die Sachen nun in den USA, das ist einfacher." Leider kennzeichnet diese Aussage die Stimmung in dem Dorf, in dem nach eigener Aussage ca. 70 Personen leben. Man hat die dummen Touristen als Melkesel für den eigenen faulen Lebensstil entdeckt...