Eine Reise durch British Columbia und Alberta in Kanada im Mai 2004

Schon seit langem hatten wir vorgehabt, einmal eine Reise in den Westen Kanadas zu machen. Zwei Mal hatten wir bereits bei sehr langen stop-overs die Gelegenheit, Vancouver zu besichtigen, nun wollten wir auch das Hinterland dieser Metropole kennenlernen.
In der 3. Maiwoche ging es wieder los von unserem Heitmatflughafen nach Frankfurt. Dort bestiegen wir einen brandneuen Airbus 340-600 der Lufthansa mit aufgerüsteter Business Class, d.h. die Sitze ließen sich richtig in eine horizontale Liegeposition bringen. So ließ sich die gut 10stündige Flugzeit nach Vancouver hervorragend aushalten!

Vancouver (B.C.)

Da wir die ersten vier Nächte in Vancouver verbringen wollten, hatten wir unseren Mietwagen erst für später bestellt und fuhren mit dem Bus nach Downtown Vancouver in unser vorab gebuchtes Four Seasons in Sichtweite der Einkaufsmeile Robson Street. Wegen der Länge des Aufenthaltes gab man uns ein extra großes Eckzimmer mit hervorragendem Ausblick.

Da wir schon zwei Mal in Downtown Vancouver gewesen waren, war der Stadtkern nunmehr nicht neu für uns. Somit verbrachten wir die Tage mit einem Bummel über die Haupteinkaufsstraße Robson Street und wegen des nicht so schönen Wetters mit einer Busstadtrundfahrt, die uns durch Chinatown, das "Altstadtviertel" Gastown, den riesigen Stanley Park mit den berühmten Totempfählen, Queen Elisabeth Park, in dem ein Hochzeitspaar nach dem anderen Photos von sich schießen ließ, dem Nobelviertel Shaughnessy Heights und dem anläßlich der Expo 1986 erbauten Harbour Centre und schließlich zum Granville Island Public Market mit Geschäften und Galerien führte. Letzteren besuchten wir später bei nunmehr strahlendem Sonnenschein auch individuell an einem Sonntag. Es herrschte ein fast mediterranes Treiben mit Musikern und Künstlern, die die zahlreichen Besucher unterhielten. Mit dem "Aqua Bus", kleinen Fähren, die die langgestreckte Bucht False Creek überqueren, fuhren wir auch zum Varnier Park und besuchten das nette Vancouver Museum.

Vancouver ist "die" Metropole Kanadas an der pazifischen Westküste mit knapp 2 Millionen Einwohnern, davon alleine 100.000 chinesischstämmigen. Asiatische Gesichtszüge bestimmen das Straßenbild, nicht immer zur Freude der übrigen Bewohner Vancouvers. Vor allem nach der Rückgabe Hongkongs an China hatten sich viele Chinesen eine Rückzugsmöglichkeit nach Kanada offengehalten und auch kräftig Gelder ins Land gebracht.
Vancouver ist nicht nur wegen seiner schönen Lage, sondern auch wegen des für kanadische Verhältnisse sehr milden Klimas außerordentlich beliebt. Im Gegensatz zum Hinterland, wo die Wintertemperaturen locker unter 40 Grad minus und die Sommertemperaturen auf über 30 Grad steigen, friert es in Vancouver kaum und im Sommer ist es immer angenehm. Einziger Nachteil: ein Großteil der Jahresniederschläge fällt in den Wintermonaten.

Victoria (Vancouver Island) (B.C.)

An einem unserer Tage in Vancouver hatten wir einen Ausflug nach Victoria auf Vancouver Island geplant. Neben einer Stadtbesichtigung stand vor allem ein Treffen mit einem guten amerikanischen Freund aus San Francisco auf dem Programm, der extra anreisen würde.

Wir nahmen den Linienbus der Pacific Coach Lines, der uns direkt am Hotel abholte und zum Fährterminal nach dem südlich von Vancouver gelegenen Tsawwassen brachte. Von dort brauchte die vollbesetzte Fähre ca. 1,5 Stunden bis nach Swartz Bay auf Vancouver Island. Von dort waren es noch mal 50 Minuten bis zum Busbahnhof von Victoria. Im Gegensatz zu den einheimischen Reiseprofis, die an dem Samstag zahlreich offenbar nach Hause nach Victoria fuhren, waren wir zu langsam. Die Quintessenz: das Innere der Fähre war bis auf den letzten Platz besetzt. Uns blieben nur die Alternativen: innen 90 Minuten stehen oder draußen in sehr kaltem Wind auf Kisten mit Rettungswesten sitzen. Leider entschieden wir uns für die letzte Variante und holten uns beide die Erkältungen unseres Lebens, die uns fast den ganzen Urlaub über plagten...

Das erste Stück der Überfahrt war extrem kalt und langweilig, dann schlängelte sich die Fähre durch die Vancouver Island vorgelagerten Inseln und Inselchen, was etwas interessanter war. Kurz nach Mittag erreichten wir dann Victoria direkt hinter dem weltbekannten Empress Hotel. Mein amerikanischer Freund war mit einem kleinen Wasserflugzeug von Seattle angereist und hatte etwas Verspätung. Leider war auch das Wetter in Victoria sehr ungemütlich. Trotzdem bummelten wir, so gut es ging, durch die kleine Innenstadt.
Für Amerikaner ist Victoria unheimlich britisch. Irgendwie erinnerte mich das Empress Hotel und das Parlamentsgebäude sowie einige Häuser im Tudor Stil auch an England, aber richtig britisch? Nun ja, vielleicht war ich ja zu oft in meinem Leben in Großbritannien gewesen, um den Charme Victorias würdigen zu können. Auf alle Fälle handelte es sich um ein nettes, sehr gepflegtes Städtchen, dessen Haupteinnahmequelle offenbar der Tourismus ist. Die Innenstadt war mehr als überschaubar und nach kurzer Zeit hatten wir alle "wichtigen" Straßen erlaufen. Sicher spielte das Wetter bei meinem nicht so richtig aufkommenden Feeling auch eine Rolle.
Da wir noch mit unserem Freund essen gehen wollten und gleichzeitig noch die letzte Fähre zurück nach Vancouver erwischen mußten, war leider keine Zeit zur Besichtigung der beiden Highlights von Victoria, dem Royal British Columbia Museum und den ca. 20 Km entfernten Butchart Gardens.

Penticton (Okanagan) (B.C.)

Am kanadischen Feiertag "Victoria Day" hatten wir wegen des geringen Verkehrsaufkommens keinerlei Probleme, den Weg aus Vancouver heraus zu finden. Über den Highway 1 und dann den State Highway 3 ging es auf einer bestens ausgebauten vierspurigen Straße nach Osten. Interessant wurde die Gegend erst, als wir den Manning Provincial Park erreichten, der uns einen ersten Eindruck von der Schönheit des Landes gab. Berge, Seen und Wälder wechselten sich ab. Das Highlight des Durchquerens war die Sichtung eines Schwarzbären, der sich in unmittelbarer Nähe des Highways auf der Wiese trollte! Beim Anblick dieses so putzig aussehenden Tieres mußte ich mir immer wieder die Warnungen der Ranger in den US-amerikanischen Nationalparks vor Augen halten, daß es sich bei den Bären in den Parks nicht um Teddybären, sondern um höchst gefährliche wilde Tiere handelt, die völlig unberechenbar sind!

Leider wurden wir dann auf der weiteren Strecke Zeuge eines sehr häßlichen Unfalls mit offenbar Todesopfern, wodurch die Straße vollständig gesperrt und wir lange aufgehalten wurden...
Ab Keremeos veränderte sich das Landschaftsbild. Die Gegend war überwiegend agrarisch geprägt denn es verfügt über die längste Vegetationsperiode des ganzen Landes. Entsprechend mild ist das Klima und man nennt den Ort auch "Obsthauptstadt Kanadas". Zahlreiche Hinweisschilder auf Obststände unterstrichen schon zur jetzigen Jahreszeit diesen Eindruck.

Von Keremeos hätten wir eine Abkürzung zu unserem Tagesziel Penticton nehmen können, wir entschlossen uns aber, doch noch bis zur kanadisch-amerikanischen Grenze nach Osoyoos zu fahren, wo wir durch einen riesigen Grenzübergang mit entsprechenden Gebäuden überrascht wurden, obwohl die schmale Zufahrtsstraße das hätte nicht vermuten lassen. Osoyoos liegt in einer Gegend mit wahrhaftigem Wüstenklima und die Vegetation ist entsprechend karg. Auch am Tag unseres Besuches war es mit 25 Grad sehr warm und auch hier wurden (durch Einsatz von Bewässerungsanlagen) vielerlei Früchte angebaut. Im Sommer lockt augenscheinlich der Osoyoos Lake zu Wassersport.

Auf dem Highway 97 ging es dann nach Norden zur südlichsten der großen Städte im Okanagan Valley, "dem" Weinanbaugebiet Kanadas. Wir fanden eine Unterkunft im direkt am riesigen, langgestreckten Okanagan Lake gelegenen Penticton Lakesite Resort.
Als wir abends zu Fuß die Innenstadt erkunden wollen, mußten wir feststellen, daß leider wegen des Feiertages buchstäblich "die Bürgersteige hochgeklappt" worden waren, es war nichts, aber auch gar nichts los. An sich machte die Stadt aber einen sehr gepflegten Eindruck und lebte wohl in erster Linie während der kurzen Sommersaison vom Tourismus. Ausgehend von unserem Hotel gab es sogar am See eine Art Strandpromende, die liebevoll angelegt worden war und gerade weiter ausgebaut wurde. Unter Gasstrahlern ließen wir bei lokalem und gar nicht mal schlechten Wein aus dem Okanagan Valley den Abend auf der Terrasse mit Seeblick ausklingen...

Revelstoke, Glacier und Yoho National Park (B.C.)

Am nächsten Tag ging es entlang des schmalen, langgestreckten Okanagan Lake weiter Richtung Norden nach Kelowna. Diese ist die mit fast 100.000 Einwohnern weit und breit größte Stadt, die wir aber nicht weiter besichtigten. Auch Vernon durchquerten wir, um uns dann von Salmon Arm den Shushwap Lake (gesprochen: Schu-schwap) anzuschauen. In das Wasser war ein langer Pier gebaut worden, von wo man im Sommer Boote mieten konnte. Unmittelbar daneben befand sich ein Pfad von dem man aus die Fauna des Seeufers beobachten konnte. Im Oktober soll man von hier aus riesige Mengen Lachs sehen können, die sich auf dem Weg zu ihren Laichplätzen befinden.
Da Salmon Arm an einem Seitenarm des Shushwap Lakes liegt, entschlossen wir uns, auf dem Highway 1 noch eine halbe Stunde nach Norden bis nach Blind Bay zu fahren, welches direkt am Shushwap Lake liegt. Diese Häuseransammlung am Seeufer, die man erst nach steiler Herunterfahrt vom Highway zum Ufer erreichte, ist sicher im Sommer sehr romantisch. Bei Kälte und Regen, wie z.Zt. unseres Besuches, fand ich den Ort eher ungemütlich...
Der Name Shushwap leitet sich, wie so viele in der Region, aus dem Indianischen ab. Die Shushwap sind der größte einzelne Stamm in Bristish Columbia und leben verteilt in zahlreichen Reservationen und den Städten. Dazu aber später.

Zurück ging es auf dem Highway 1, vorbei an riesigen Trucks und immer weiter in die Berge, bis wir endlich Revelstoke erreichten, wo wir im neuen und sehr hübschen Hillcrest Hotel oberhalb der Stadt abstiegen.
Am nächsten Tag hatten wir Gelegenheit, uns die sehr nette Innenstadt Revelstokes anzuschauen. In den 80er Jahren hatte wohl jemand die Idee gehabt, die noch vorhandenen Häuser aus der Pionierzeit herzurichten, und diese Häuser verstärken heute noch den Charakter einer ursprünglichen Stadt an der Siedlungsgrenze. Unverständlicherweise macht die Stadt nicht damit, sondern mit den angeblich weltgrößten Grizzlybär-Skulpturen Reklame.
Nicht fehlen beim Besuch Revelstokes darf eine Besichtigung des Revelstoke Damms, der erst 1984 fertiggestellt wurde und den Columbia River immerhin 500 Km von seiner Mündung entfernt aufstaut. Ich muß allerdings gestehen, daß ich mir ein monumentaleres Bauwerk vorgestellt hatte. Vor Jahren hatten wir den ebenfalls den Columbia stauenden Bonneville Damm in Oregon angeschaut - und der hatte ganz andere Dimensionen!
Wegen des immer noch kalten und feuchten Wetter verzichteten wir auf einen Besuch des Mount Revelstoke National Parks mit seinem bekannten "Meadows in the Sky" Trail. Dieser lag mitten im wolkenverhangenen Himmel!