Eine Reise an den Neusiedler See und nach Wien im Mai 1997

Mitte Mai 1997 machten wir einen zweiwöchigen Urlaub, dessen erste Hälfte wir in Ungarn in der Nähe des Plattensees (ungarisch: Balaton) verbrachten. Dieser Aufenthalt in Hévíz und der Ausflug nach Budapest hatte uns sehr gut gefallen und nunmehr stand für die letzte Urlaubswoche ein Aufenthalt am Neusiedler See in Österreich an.

Nach dem Grenzübertritt von Ungarn nach Österreich bei Pamhagen erreichten wir dann abends unsere vorab gebuchte Pension in Neusiedl am See. Leider entsprach diese in Realität so gar nicht den Bildern im Prospekt und wir waren sehr enttäuscht. Hier sollten wir also unsere letzte Urlaubswoche verbringen?

Leider hatte sich das Wetter in den letzten Tagen enorm verschlechtert, es regnete oft und war zudem für Ende Mai recht kalt. Neusiedl sollte laut Reiseführer der beliebteste Urlaubsort am Neusiedler See sein, wir hingegen merkten nichts davon, vielleicht lag es an unserer Reisezeit, vielleicht auch am schlechten Wetter. Außer der Stadtmitte gibt es in dem Städtchen nicht viele Sehenswürdigkeiten. Den Mittelpunkt bildet der Hauptplatz, sehenswert ist sonst nur noch die Tabor-Ruine auf einer Anhöhe über der Stadt.

Ganz anderes, als wir es uns vorgestellt hatten, war auch der Neusiedler See. Dieser Steppensee mitten in Europa ist etwa 36 km lang und meist nur 1,70 m tief und von einem bis zu 5 km breiten Schilfgürtel umgeben. Dies hat zur Folge, daß man nur an wenigen Stellen überhaupt an das Wasser kann. In Neusiedl hat man sich mit einem Damm beholfen, der den Schilfgürtel durchquert und in einem "Seebad" endet, in dem aber wegen des schlechten Wetter z.Zt. unseres Aufenthaltes nichts los war. Lohnenswert war allerdings der Besuch im nahegelegenen Seemuseum, in dem die einzigartige Tierwelt des Sees vorgestellt wird.

Besser als Neusiedl gefiel mir eigentlich das Örtchen Illmitz, mit 118 m über dem Meeresspiegel der am tiefsten gelegene Ort Österreichs. Er liegt direkt am Naturschutzgebiet Neusiedler See, hat einen schönen Ortskern und am Ortsrand die Rekonstruktion eines alten Ziehbrunnens und von Schilfhütten. Auch hier gibt es ein dem Schilfgürtel vorgelagertes Strandbad, welches noch mehr in den See hinein reicht, als bei Neusiedl. Illmitz, aber auch die nördlicheren Orte Podersdorf und Gols liegen mitten in "dem" Weinanbaugebiet des Burgenlandes.

An einem Tag, als das Wetter sich wieder verbessert hatte, machten wir uns auf den Weg an die Westseite des Sees. Wir besichtigten Eisenstadt, die "Hauptstadt des Burgenlandes" und mit ca. 11.000 Einwohnern die größte Stadt weit und breit. Der Besuch war lohnenswert! Besonders interessant war der Besuch im Schloß Esterházy, der bedeutendsten Sehenswürdigkeit der Stadt und eine der schönsten Barockanlagen Österreichs. Nach unserem enttäuschenden Besuch im ungarischen Gegenstück Schloß Esterházy in Fertöd konnten wir hier bestaunen, wie so eine Anlage im komplett renovierten Zustand aussieht! Das Schloß, welches nun auf österreichischer Seite liegt, wurde 1764 begonnen, d.h. ein Jahr später als die Anlage in Fertöd. Nicht nur das Interieur war absolut sehenswert, auch der riesige Schloßpark war den Besuch wert!

Neben Schloß Esterházy ist in Eisenstadt auch die Altstadt sehenswert. Typisch für die Region ist die auf dem Hauptplatz stehende Pestsäule, an der Hauptstraße befindet sich auch das barocke Rathaus.

Ganz in der Nähe von Eisenstadt liegt auch das unscheinbare Örtchen Schützen, das allerdings überregional bekannt war durch das hier befindliche Gourmetrestaurant "Der Taubenkobel". Da wir mit dem Essen in Neusiedl nun nicht unbedingt zufrieden waren, konnten wir uns im Taubenkobel mehrmals von der überragenden Qualität der Speisen überzeugen. Auch den Abend meines Geburtstages Ende Mai verbrachten wir in den wunderschönen Restaurant.

Einen Tag nutzten wir zu einem Abstecher über die Grenze nach Sopron in Ungarn. Sopron liegt am südlichen Ende des Neusiedler Sees und ist sicher mit eine der sehenswertesten Städte Ungarns. Die Altstadt wurde weitgehend saniert und bildet ein nahezu vollständig mittelalterliches und barockes Ensemble. Zudem ist sie für den Autoverkehr gesperrt, so daß man sich ungehindert umschauen kann. Offenbar war man hier vor allem auf österreichische Kundschaft eingestellt. Viele Beschriftungen war in Deutsch und an jeder Ecke warb ein ungarischer Zahnarzt mit günstigem Zahnersatz um österreichische und vielleicht auch deutsche Kundschaft.

Besonders sehenswert in Sopron ist der noch aus römischer Zeit stammende Feuerturm. Zentrum der Innenstadt ist der Fö tér mit Pestsäule und anliegenden schönen historischen Häusern und der Ziegenkirche.

Da Wien vom Neusiedler See nur ca. 50 km entfernt liegt, entschlossen wir uns zu einem Besuch der Hauptstadt Österreichs. Auf dem Suche nach einem Parkhaus bekamen wir einen ersten Eindruck der Sehenswürdigkeiten der Stadt, wir fuhren nämlich direkt am Prater mit seinem berühmten Riesenrad vorbei.

Zu Fuß hatten wir dann schnell das Zentrum der Altstadt mit dem Wahrzeichen Stephansdom erreicht, der uns mit seinem bunten Dach und dem monumentalen Südturm beeindruckte. In der Fußgängerzone rund um den Dom herrschte bei strahlendem Sonnenschein Hochbetrieb, alle Straßencafés waren vollzählig besetzt. Um einen "standesgemäßen" Eindruck von Wien zu bekommen, mieteten wir uns einen Fiaker und ließen uns vom Fahrer herum kutschieren.

Nach der halbstündigen Fahrt ging es dann zu Fuß weiter. Wir schauten uns die Hofburg an, einen riesigen Gebäudekomplex, der aus zig Trakten besteht und u.a. die Spanische Hofreitschule, die Nationalbibliothek und die Schatzkammer beherbergt. Auch der österreichische Bundespräsident hat hier seinen Sitz. Weiter ging es über den Heldenplatz zur Fußgängerzone Kärtner Straße. Auf dem Graben, ebenfalls Fußgängerzone, erreichten wir dann die bekannte Pestsäule, die vielen anderen Säulen in Österreich und der ehemaligen K&K Monarchie als Vorbild diente. Nachdem wir uns auch in einem der Straßencaés erholt hatten, beschlossen wir, uns noch das am Stadtrand gelegene Schloß Schönbrunn anzuschauen.

Leider war es für eine Besichtigung der Innenräume des 1695 erbauten Schlosses schon zu spät. So begnügten wir uns mit einem ausgiebigen Spaziergang durch den riesigen, im französischen Stil angelegten Schloßpark. Von hier aus hatten wir auch freien Blick auf das monumentale Schloß. Schloß Schönbrunn zählt nicht umsonst zu den absoluten Top-Highlights Wiens und Europas! Z.Zt. unseres Besuches strahlte das im Habsburger Gelb gestrichene Schloß in der Abendsonne - eine absolute Sehenswürdigkeit!

Leider schritt die Zeit schnell voran. Nach einem sehr mittelmäßigen Abendessen in einem in unmittelbarer Schloßnähe gelegenen Restaurant machten wir uns wieder auf den Weg nach Neusiedl.

Einen weiteren Urlaubstag benutzten wir zu einem Tagesausflug ins ebenfalls vom Neusiedler See nicht sehr weit entfernte Bratislava (früher Preßburg), heute in der Slowakei gelegen.

Fazit unseres Österreichurlaubes: Leider hat uns der Aufenthalt am Neusiedler See insgesamt enttäuscht. Vielleicht spielten das schlechte Wetter und die schlechte Unterkunft auch eine Rolle, aber irgendwie hatten wir uns die Gegend anders vorgestellt. Besonders schade ist, daß man fast nirgends direkt an den See kommt, der mit Schilf immer mehr zuwuchert. "Gerettet" haben uns bei diesem Aufenthalt die wunderschönen Ausflüge nach Wien und Bratislava, die ich jederzeit wiederholen würde.


Literaturempfehlung:

- Lewandowski, Norbert: Burgenland. Neusiedler See. Ostfildern 1994 (= Marco Polo)
- Treffer, Günder, Lotte: Wien. München, 5. Aufl. 1996 (= Merian Live)