Die 306. Infanterie-Divsion

Gründung der 306. Rheinisch - Westfälischen Infanterie-Division 1940

Nach dem Ende des Frankreichfeldzuges 1940 wurde die Aufstellung der 306. ID befohlen und im April 1941 die Soldaten aus den Aufstellungsräumen nach Belgien transportiert, wo die Division im Küstenschutz zwischen Bresken in der Provinz Seeland (NL) bis zur belgisch - französischen Grenze bei de Panne eingesetzt war.

Anfang 1942 wurde aus der 306. ID eine weitere Division gebildet, ausgegliedert und im Frühsommer in den Mittelabschnitt der Ostfront verlegt. Somit bestand im Sommer die Notwendigkeit einer erneuten Auffüllung - dem Zeitpunkt, an dem mein Großvater auch der Division zugeteilt wurde. Schon zu Aufstellungszeiten hatte man Männer der Jahrgänge 1905 eingezogen, nun war mein Großvater, immerhin Jahrgang 1901 "dran". Im Sommer 1942 betrieb die Division vermehrt Gefechtsausbildung, der Küstenschutz trat zurück. Mitte Oktober stand dann fest, daß die Division an die Ostfront verlegt werden würde.

Rußland - Donfront, November 1942 - Januar 1943

Seit dem 21. November 1942 verdichteten sich Berichte, daß in Stalingrad große Truppenteile eingeschlossen waren und auch außerhalb des Kessels weiter gekämpft wurde. Nordwestlich von Stalingrad entlang des Dons bis Woronesch standen die 3. rumänische, die 8. italienische und die 2. ungarische Armee (Photos von der Donfront). Erst bei Woronesch schlossen sich deutsche Verbände an. Diese Front war ca. 600 km lang und relativ ungeschützt, weil sich hinter diesen Verbänden fast keine Reserven befanden. So bot sich den russischen Truppen die Möglichkeit, Stalingrad abzuschnüren. Am 19. November setzten sie zum Vorstoß gegen die rumänischen Truppen bei Kalatsch an und sperrten die von Süden nach Stalingrad führende Bahnlinie. Das am Tschir in Reserve liegende XXXXVIII. Panzer Korps und die neu gebildete Armeeabteilung Hollidt konnten am Tschir nur mit Mühe eine neue Widerstandslinie bilden. Auch sollte die Abteilung Hollidt später zum Entsatz von Stalingrad vorstoßen. Dies zerschlug sich Anfang Dezember, weil die Russen ihren Druck auf die Tschirfront so stark erhöhten, daß die Abteilung Hollidt große Mühe hatte, den Vorstoß abzuwehren. Die russischen Verbände versuchten, die Front zu durchbrechen und in Richtung Rostow vorzustoßen.

Seit dem 16. Dezember überschritt die 1. sowjetische Gardearmee den gefrorenen Don an der Nahtstelle zwischen Heeresgruppe B und Armeegruppe Don und griff die dort stehenden italienischen Truppen südlich von Kalitwa an, die heillos die Flucht ergriffen, so daß bald in der Front eine Lücke von 100 Kilometern klaffte. Die russischen Truppen bewegten sich auf die Basen Tazinskaja und Morosowskaja im Donbogen zu, die über die Flugplätze die eingeschlossenen Truppen in Stalingrad versorgten. Der russische Angriff wurde von Kotelnikowo bis Kalitwa in einer Breite von 400 Kilometern vorgetragen und sollte auch durch neuherangeführte Verbände zum Stehen gebracht werden.

Die Abteilung Hollidt benötigte dringend Verstärkung, und dafür war die 306. Infanterie-Division vorgesehen. Die Einheiten wurden mit Zügen an verschiedenen Tagen in Belgien verladen und zwischen dem 16. und 20.12. 1943 an unterschiedlichen Bahnhöfen ausgeladen. F. J. Schruff schildert, wie sein Pionier Bataillon 306 an die Front verlegt wurde. Demnach wurden die Einheiten, die in Belgien zur Besatzung, und im Falle meines Großvaters zur Ausbildung waren, nochmals instruiert, durchgeimpft und auf Kriegsstärke ausgerüstet. In der ersten Novemberhälfte 1942 wurden die Truppen verladen und auf der Fahrt wurde den Soldaten dann klar, daß ihr Ziel nicht Stalino, sondern Stalingrad sein sollte. Schruff schildert, wie sie in Brest-Litowsk an jedem Mast einen Erhängten sahen und der Transport häufiger von Partisanen angegriffen wurde. Ihnen kamen vor Stalingrad dann schon Transporte mit Verwundeten entgegen, die ihnen von den schrecklichen Kämpfen dort berichteten und auch davon, daß die rumänischen Truppen größtenteils zu den Russen übergelaufen waren.

Die Pioniere wurden am 16. Dezember in Morosowskaja ausgeladen. Dort befand sich auch einer der Flugplätze, von denen aus der Kessel von Stalingrad versorgt wurde. Als die Pioniere dort ausgeladen wurden, fanden jede Nacht russische Fliegerangriffe statt. Vom 16.-20.12. rückte die Einheit über Rollbahnen durch armselige Ortschaften vor und machte in verlassenen Kolchosen Quartier.

Das Grendadier Regiment 580 wurde am 26.11.1942 in de Haan, Belgien, verladen und erreichte am 20.12.1942 Mitternacht Morosowskaja. Von dort aus wurde zum einige Kilometer entfernten Dorf Grusinow marschiert, wo den übermüdeten Truppen der Befehl überbracht wurde, daß sie um 8 Uhr mit Frontbussen an die 90 km entfernte Hauptkampflinie gebracht werden sollten. Der Troß sollte die Strecke in drei Tagesmärschen bewältigen.

Das Grenadier Regiment 581 war am 27.11.1942 in Lichterfelde, Belgien, verladen worden. Am 10.12.1942 erfolgte in Schachty das Ausladen. Von dort wurden die Truppen nach Morosowskaja gefahren, resp. mußten marschieren. Zu Fuß ging es weiter nach Norden an die Front bei Popoff. In der Nähe von Nishnij Gruski hatten sich augenscheinlich die Veterinäre einquartiert.

Das Grenadier Regiment 579 war am 30.11. 42 in Kortyk, Belgien, verladen worden und erreichte am 14.12. den Ort Schachty. Von dort wurde an die Front marschiert und am 20.12. ereichte das Regiment Kamyschenskij in der Nähe des Don. Das Grenadier Regiment 581 und die Schnelle Abteilung 306 waren bereits dabei, die bei Bokowskaja durchgebrochenen russischen Truppen aufzuhalten und eine Umfassung zu verhindern.

Am 20.12. war das Pionier Regiment 306 an die vorderste Kampflinie vorgedrungen, deren Stellungen sie ausbauen sollte. Am Horizont sah sie schon die vorrückenden russischen Panzer. Diese näherten sich einen Tag später dem Dorf, welches nun von zurückflutenden Einheiten belegt wurde. Deutsche Verbände lösten sich laut Schruff auf und flüchteten "in wilder Panik über die Rollstraße". Am Morgen des 22.12. erreichten russische Truppen den Ort und überrollten ihn nach heftigsten Gefechten im Laufe des Tages.

Um die Gefahr der Einschließung zu entgehen, nahm die Armeeabteilung Hollidt die Front nach Südwesten zurück. Am 22.12. standen die Gruppe Pfeiffer (294. Infanterie-Divsion) beiderseits von Skassyrskaja und die Armeeabteilung Hollidt am Gnilajaabschitt Miljutinskaja - Orloff. Nördlich davon bei Ponamarew und Nischnij-Astachoff kam es zu starken Kämpfen (vor allem GR 580), bei denen weit über 1000 Angehörige der 306. ID den Tod fanden (1999 unternahm der Sohn eines dort vermißten Soldaten eine Expedition nach Nischnij-Astachow). In der Nacht darauf wurden zahlreiche Angehörige der 306. Infanterie-Division und anderer Einheiten von russischen Truppen gefangenengenommen. Anderen gelang der Rückzug Richtung Morosowskaja, wo es bei Werchne Swetschnikow zu weiteren heftigen Gefechten kam.

Bei Popoff und Panomarowka kam es am 22.12. zu schweren Kämpfen mit dem Grenadier Regiment 581 und das Regiment zog sich über Tschigoff zur Reorganisation nach Morosowskaja (28.12.) zurück.

Am Abend des 21.12. war Millerowo bereits von russischen Truppen überrannt worden und wurde von einigen eingeschlossenen deutschen Kräften noch gehalten. Zwischen Morosowskaja und dem Donezfluß bestand keine geschlossenen Abwehrfront mehr und russische Truppen hatten den wichtigen Flußübergang über den Donez bei Kamensk erreicht. Am unteren und mittleren Tschir kämpfte die Armeeabteilung Hollidt und Reste der 3. rumänischen Armee. Die linke Flanke war völlig ungeschützt. Einen Tag später, am 22., stand die Luftwaffenbasis zur Versorgung Stalingrads, Tatzinskja, vor dem Fall (fiel dann endgültig am 24.12.).

Am 28.12. wurden alle Einheiten der 306. Infanterie-Division erfaßt. Die Veterinär-Kompanie 306 meldete insgesamt 3 Offiziere, 26 Unteroffiziere und 195 Mannschaften. Diese waren überwiegend in Bolschoj-Chlopkowskij untergebracht. 1 Offizier, 5 Unteroffiziere und 42 Mann befanden sich davon in Schiroko-Atamanskij. Beide Ort lagen wenig südlich von Morosowsjkaja. Die gesamte Kompanie verfügte über 217 Gewehre, 20 Pistolen und 3 Maschinengewehre. Oberveterinär und Kompaniechef war (Dr.?) Scholz. In der Auflistung befinden sich auch die Namen von 11 Soldaten von anderen Regimentern, die sich bei der Veterinär-Kompanie auf Urlaub befanden.

Die Armeegruppe Hollidt verließ den oberen Tschir und bog nach Westen zurück; sowohl die gesamten italienischen als auch rumänischen Truppen hatten die Kampfschauplätze verlassen.

Fatal wurde die Lage am 25.12., als den russischen Truppen die Überquerung des Don bei Potemkinskaja und Zymljanskaja gelang, wodurch sie im Rücken der am Tschir kämpfenden Truppen (u.a. Abteilung Hollidt) standen. Millerowo wurde dabei am 28.12. aber nach heftigsten Kämpfen vom Grenadier Regiement 579 temporär bis zum 9.1.1943 zurückerobert. Das Regiment verlegte dann seinen Stützpunkt in den Bereich zwischen Tazinskaja und Skassyskaja an den Fluß Bistraja. Tazinskaja mit seinem wichtigen Flugplatz wurde mit Mühe von der 11. Panzer Division und verschiedenen Regimentern der 306. Infanterie-Division bis Ende Dezember gehalten. Morosowskaja wurde am 2.1.1943 geräumt.

Anfang Januar gelang es dem Grenadier Regiment 579 zusammen mit dem 11. Panzer Regiment, dem es temporär angehörte, über den Bistraja vorgedrungene russische Einheiten bei Nadeshewka aufzuhalten.

Am 8.1.1943 verlief die Front 5 km südlich von Skassyskaja, in einem Halbbogen um Tazinskaja mit Radius 20 km bis auf den Kagalnik. Sie folgte dem Fluß bis zur Mündung des Dons. Wegen der immer mehr sinkenden Gefechtsstärken (die Bataillone hatten nur noch Kompagniestärke) und dem eisigen Wetter nahme die Heeresgruppe Don in folgenden die Armeeabteilung Hollidt auf den Donez nach Bogurajewzurück.

Am Donez tobten heftige Kämpfe. Weiter südlich wurden aber die Abteilungen Hollidt und Fretter-Pico bis zum 18.1. hinter den Donez von Woroschilograd bis Nowotscherkask zurückgedrängt. Die 306. ID hatte einen Tag vorher erstmals als geschlossener Verband eine geschlossene Verteidigungsstellung südlich von Forchstadt am Westufer des Donez bezogen. Hauptkampflinie war der Ort Bogurajew. Die Bataillone hatten mittlerweile nur noch Kompagniestärke und an eine Rettung der in Stalingrad eingeschlossenen Truppen war nicht mehr zu denken.

Quellen: Armeeabteilung Hollidt; R. Cartier: Der Zweite Weltkrieg, Bd. 2, Köln [1976], urspr. 1965. 306. Infanterie-Division (Wehrmacht); F. J. Schruff: In russischer Kriegsgefangenschaft; H. Scheibert: Nach Stalingrad - Noch 48 Kilometer. Der Entsatzvorstoß der 6. Panzerdivision Dezember 1942, Heidelberg 1956; K. v. Tippelskirch: Geschichte des 2. Weltkriegs, Bonn 1959; K.-H. van Gerven: Reise in die Vergangenheit; C. M. F. von Bönninghausen: Kampf und Ende rheinisch-westfälischer Infanteriedivisionen an der Ostfront 1941-1945, Coesfeld 1980; H. Busse: Aus der Chronik der 306. ID, 306. Infanterie-Division 1940-1944, Rückblick auf den Einsatz der 306. Division im Südabschnitt der Ostfront, Heft 1, 1987 F. Duntze, Ich erinnere mich, Vom Don-Bogen bis zum Mius, Winter 1942/43, 306. ID, Heft 1, 1987; E. Hartmann: Pers. Tagebuch 30.11.1942-28.2.1943 im GR 579, 306. ID, Heft 1, 1987; Offiziersstellenbesetzung GR 579 November 1942, 306. ID, Heft 2, 1988; Erinnerungen eines Gefreiten des A.R. 306, Dez. 1942-Juli 1945, 306. ID, Heft 2, 1988; H. Busse: In 5 Jahren vom Spieß zum Regimentswkommandeur, 306. ID, Heft 3, 1989; H. Lansch: Tagebuch Pionier Btl. 306, Sep. 1940-Okt. 1943, 306. ID, Heft 3, 1989; Fünf Gefechtsberichte des Pionier Btl. 06, 13.3.-8.4.1944, H. Lansch: Tagebuch Pionier Btl. 306, Sep. 1940-Okt. 1943, 306. ID, Heft 3, 1989; K. Rupp: Kriegsgeschehen Ende 1942, Anf. 1943, GR 579, 306. ID, Heft 3, 1989; Frhr. v. Boenninghausen: Kampf und Untergang rhein.-westf. Infanteriedivisionen an der Ostfront, 306. ID, Heft 4, 1990; E. Gröning: Erinnerungen GR 581 Jahreswechsel 1942/43, 306. ID, Heft 5, 1991;


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