Eine Kurzreise nach Zürich und Augst im Juli 2016

Im Juli 2016 verbrachten wir einige Tage in Zürich. Anschließend fuhren wir über Augst mit der römischen Grabungsstätte Augusta Raurica erneut ins Elsaß, um dort für meine genealogischen Forschungen einen Zeitzeugen zu treffen.

Zürich

Die Anreise nach Zürich stand leider unter keinem gutem Stern. Das Wetter in Zürich war am Tag unserer Ankunft genauso miserabel wie Zuhause: es war kalt und regnete in Strömen. Leider hatten die Freunde, mit denen wir verabredet waren verabsäumt, uns darüber aufzuklären, daß am entsprechenden Wochenende das "Züri Fäscht" stattfinden würde. Dieses Fest wird alle drei Jahre veranstaltet und ist eine Mischung aus Volksfest, Partyhighlight und Jahrmarktspaß. Kurzum: die ganze Stadt steht Kopf - und die gesamte Innenstadt inklusive der Brücken über den Fluß sind gesperrt. Zu dumm, wenn man vom Navi dann aber immer wieder direkt an diese Brücken geführt wird, weil das Ziel auf der anderen Flußseite liegt. Die Freunde erreichten wir erst mit reichlich Verspätung, wurden aber am Abend durch den Blick vom Zürichberg auf das wunderschöne Feuerwerk des Volksfestes entschädigt. Der Regen hatte zum Glück zwischenzeitlich aufgehört.

Obwohl Zürich nur knapp 400.000 Einwohner hat, ist die Stadt das wichtigste wirtschaftliche, wissenschaftliche und gesellschaftliche Zentrum der Schweiz.

Im Unterschied zu den meisten anderen schweizerischen Großstädten stieg Zürich im Frühmittelalter in den Rang einer Stadt auf. In Turicum gab es zwar bereits zur Römerzeit eine Zollstation und ein Kastell, die zugehörige Siedlung kann noch nicht als Stadt bezeichnet werden. Das frühmittelalterliche, alemannische Zürich war eng verbunden mit dem Herzogtum Schwaben und zwei bedeutenden geistlichen Stiftungen der deutschen Könige, dem Großmünster und dem Fraumünster, die dem Kult um die Stadtpatrone Felix und Regula geweiht waren. Nach dem Zerfall der zentralen Gewalt im Herzogtum Schwaben und dem Aussterben der Zähringer 1218 konnte sich Zürich 1262 den Status der Reichsunmittelbarkeit sichern. Der Titel einer Reichsstadt bedeutete de facto die Unabhängigkeit der Stadt. De jure löste sich Zürich jedoch erst 1648 von der Oberhoheit des Kaisers des Heiligen Römischen Reiches. 1351 wurde Zürich Mitglied der Eidgenossenschaft. Die Stadt des Reformators Huldrych Zwingli erlebte im Industriezeitalter ihren Aufstieg zur heutigen Wirtschaftsmetropole der Schweiz.

Am zweiten Tag unseres Aufenthaltes war das miese Wetter vom Vortag vergessen und wir wurden morgens durch Bilderbuchwetter begrüßt: also beste Voraussetzungen zu einer Stadtbesichtigung. Schnell wurde uns klar, daß seit Jahren Zürich neben Genf als eine der Städte mit der weltweit höchsten Lebensqualität und zugleich den höchsten Lebenshaltungskosten weltweit gelistet wird. Uns empfing eine blitzsaubere Stadt in der das Parken pro Stunde im Parkhaus 4,40 CHF (ca. 4 €) und ein Toilettengang 2 CHF (ca. 1,80 €) kostet. Wenig tröstlich war, daß man, wie überall in der Stadt, auch in Euro bezahlen konnte....

Trotzdem, wir stürzten uns ins Gewühl und Zürich präsentierte sich von der besten Seite. Die Altstadt bietet sich für eine fußläufige Erkundung geradezu an und imponiert durch zahlreiche Sehenswürdigkeiten, von denen wir bei unserer begrenzten Zeit längst nicht alle besichtigen konnten.

Blick über die Limmat auf das rechte Flußufer und die Innenstadt Zürichs. Die Limmat ist der Abfluß des Zürichsees. Im Hintergrund ist das Großmünster zu erkennen, welches eine evangelisch-reformierte Kirche ist . Die heute noch bestehende romanische Kirche wurde um 1100 begonnen und 1220 vollendet und ihre charakteristischen Doppeltürme sind das eigentliche Wahrzeichen Zürichs.

Grabstein des Lucius Aelius Urbicus um 200 n. Chr. auf dem erstmals der römische Name Zürichs Turicum genannt wird. Der Stein steht in der Pfalzgasse am Lindenhof.

Blick auf die Kirche St. Peter, die mit 8,70 m das größte Turmzifferblatt Europas besitzt. Das heutige, 1706 eingeweihte barocke Kirchenschiff war die erste Kirche, die in Zürich als reformierte Kirche gebaut wurde.

Die Augustinergasse beeindruckt mit vielen bunten Erkern. Die Gasse ist eine der schönsten historischen Gassen der Stadt. Die Erker dienten neben der besseren Belichtung der Räume vor allem als Türspione. Sie wurden nie direkt über der Eingangstür, sondern immer leicht versetzt gebaut. So konnte man ungebetene Gäste schon von Weitem erspähen und ihnen – wenn nötig – elegant aus dem Weg gehen. Anläßlich des Züri Fäschtes war groß geflaggt.

Beyer Uhren & Juwelen an der Bahnhofstraße ist das älteste Uhrengeschäft der Schweiz. Es ist seit 1760 in Familienbesitz. Die Bahnhofstraße ist etwa 1,4 Kilometer lang und als international sehr teure Einkaufsstraße bekannt. An ihr befinden sich zahlreiche Warenhäuser, Boutiquen großer Modedesigner, Schmuck- und Uhrenläden sowie Luxushotels.

Das Züricher Rathaus (im Bild ganz links) wurde zwischen 1694 und 1698 im Barockstil an repräsentativer Lage freistehend in der Limmat in der Mitte der Altstadt erbaut. Es war bis 1798 der Regierungs- und Verwaltungssitz der Stadtrepublik Zürich. Seit 1803 ist das Rathaus im Besitz des Kantons Zürich und dient als Sitz des Kantonsrats.

Das Frauenbad am Stadthausquai, meist kurz Frauenbadi genannt, ist eine tagsüber nur Frauen zugängliche schwimmende Badeanstalt. 1888 wurde das 1837 eröffnete Bad in der bis heute bestehenden Form im Jugendstil erneuert. Es handelt sich seitdem um einen kastenförmigen hölzernen Gebäudekomplex, der auf der Limmat schwimmt und am Ufer festgemacht ist. Abends findet ein auch Männern zugänglicher Barbetrieb statt.

Blick von der Quaibrücke über den Zürichsee auf den Sechsläutenplatz, die Oper und das Hotel Europe.

Denkmal von Alfred Escher vor dem Hauptbahnhof. Escher (1819-1882) war Politiker, Wirtschaftsführer und Eisenbahnunternehmer und nahm wie kein anderer Einfluß auf die politische und wirtschaftliche Entwicklung der Schweiz im 19. Jahrhundert.

Pittoreske Flaniermeile Münstergasse auf der rechten Limmatseite.

Nach Antwerpen, Paris und London beheimatet Zürich Europas größte strenggläubige jüdische Gemeinde. Im Wiedikon-Viertel gehören Personen in traditioneller orthodoxer Bekleidung zum Straßenbild.

Blick vom Zürichberg auf Stadt und See.

Augst / Augusta Raurica

Auf dem Weg ins Elsaß passierten wir kurz vor Basel die direkt am Rhein gelegene Stadt Augst. Der Rhein bildet hier die Grenze zwischen der Schweiz und Deutschland. Die römische Ausgrabungsstätte Augusta Raurica liegt buchstäblich zwischen den Gebäuden der Siedlungen Augst und Kaiseraugst und ist bis auf das angegliederte Museum kostenfrei zu besichtigen. Das Areal liegt in unmittelbarer Nähe der Autobahn und ist unbedingt einen Besuch wert. Die Ausgrabungen und Rekonstruktionen alter Gebäude sind noch in vollem Gange.

Als der römische Feldherr Munatius Plancus unter Caesar um 44 v. Chr. im Gebiet der keltischen Rauriker die Kolonie Raurica gründete, war die Stadt Rom seit ihren Anfängen im 8. Jahrhundert v. Chr. zu einem mächtigen Imperium rund um das Mittelmeer angewachsen. Um 15 v. Chr. begann der Bau von Augusta Raurica als Koloniehauptort. Die Stadt entwickelte sich in 200 Jahren zu einer regionalen Metropole und einem blühenden Handelsplatz mit rund 15.000 Einwohnerinnen und Einwohnern. Dies lag nicht zuletzt an ihrer Lage: hier trafen die Nord-Süd-Verbindungen von Italien ins Rheinland und die West-Ost-Verbindung von Gallien an die Donau und nach Rätien auf den Rhein.

Nach kriegerischen Ereignissen und Epidemien sowie einer Klimaverschlechterung mit Mißernten wurden weite Teile der Stadt verlassen. Um 300 n. Chr. verlagerte sich die Siedlung in den Schutz eines großen Kastells am Rhein. Auch nach Abzug von Teilen des römischen Militärs um 400 n. Chr. blieb der Ort ein Verwaltungszentrum und wichtiger Markt.

Mit dem Aufschwung der Stadt Basel im 7. Jahrhundert n. Chr. verlor der Ort an Bedeutung und wurde zu einem kleinen Fischerdorf.

Modell der römischen Siedlung

Theater

Tempel auf dem Schönbühl

Basilica und Curia

Forum und Forumtempel