Ein Tagesausflug nach Bratislava (Preßburg) im Mai 1997

Mitte Mai 1997 machten wir einen zweiwöchigen Urlaub, dessen erste Hälfte wir in Ungarn in der Nähe des Plattensees (ungarisch: Balaton) und dessen zweite Hälfte wir am Neusiedler See in Österreich verbrachten. Da es vom Neusiedler See bis Bratislava nur ca. 40 km sind, entschlossen wir uns zu einem Tagesausflug in die Hauptstadt der 1993 gegründeten Slowakischen Republik.
Eingestimmt auf die Reise in ein ehemaliges sozialistisches Land wurden wir nach dem Grenzübertritt bei der Durchquerung des auf der südlichen Seite der Donau gelegenen Stadtteils von Bratislava, Petrzalka. Dieses riesige Stadtviertel ist nicht nur der größte Stadtteil von Bratislava, sondern auch die größte geplante Siedlung in der Slowakei. Die Ende der 1960er Jahre errichteten Plattenbauten erschienen uns völlig surreal und erschreckend.

Wir waren froh, als wir endlich die "Neue Brücke" Nový most über die Donau erblickten, dessen spektakuläres Wahrzeichen das auf dem 85 m hohen Pylon befestigte, UFO-förmige Restaurant ist, welches von weit her sichtbar ist.

Gleichzeitig sahen wir auf der linken Seite auch ein weiteres Wahrzeichen Bratislavas, die Burg. Die Geschichte der Burg geht immerhin schon auf die Römerzeit zurück, als der Berg Teil des römischen Limes war. Die 4flügelige Form, die heute noch zu sehen ist, stammt aus dem 15. Jahrhundert. Ab dem 18. Jahrhundert wurde die Burg zu einem repräsentativen Sitz umgebaut.

Wir bogen nunmehr von der Hauptstraße nach rechts zur Altstadt ab, um einen bewachten Parkplatz für unser Auto zu suchen. Den Wagen unbewacht stehen zu lassen, wollten wir nun doch nicht riskieren! Relativ schnell hatten wir auch einen Platz mit Wachmann gefunden und konnten nun beruhigt die Stadtbesichtigung beginnen.

Auffällig war, daß fast die ganze Altstadt eine riesige Baustelle war. An allen Ecken und Enden wurde renoviert und restauriert. Viele der unzähligen historischen Gebäude waren schon wieder hergestellt worden und strahlten in neuem Glanze. Besonders ins Auge fiel das schon fast mediterrane Flair auf der Hauptfußgängerzone Ventúrska Michalská, wo es sogar schon einige Straßencafés gab, die recht gut besucht waren. Sie ist eine der ältesten Straßen der Stadt und hat ihren Ursprung im alten Handelsweg, der einst von der Nordsee zur Furt über die Donau führte und in deren Nähe sich Menschen noch vor der Stadtgründung niederließen. Die Michaelergasse führt zum einzigen Tor der mittelalterlichen Befestigung - dem Michaeler Turm (Michalská brana).

In der Nähe des Endes der Michaelergasse befindet sich der St. Martins Dom. In dem Dom wurden im 16. Jahrhundert die ungarischen Könige gekrönt und heute befindet sich im Dom eine Kopie der königlichen ungarischen Krone.

Vom Dom aus gingen wir entlang einer hübschen Grünanlage zum Slowakischen Nationaltheater, 1886 im Neo-Renaissance Stil erbaut und heute frisch renoviert. Auch der Ganymedes Brunnen vor dem Theater wurde spendengestützt wieder hergestellt und strahlte in neuem Glanze.

Vom Nationaltheater waren nur einige Meter zum Alten Rathaus, welches am Hlavné nam, dem Hauptplatz liegt. Vor dem aus dem 15. Jahrhundert stammenden Rathaus steht der Maximilians Brunnen.

In unmittelbarer Nähe des Rathauses befindet sich der Primatial Palast, heute Sitz des Bürgermeisters von Bratislava. Der Palast war früher Sitz des Erzbischofes und ist ein klassizistisches Kleinod.

Fazit dieses Tagesausfluges: Bratislava ist unbedingt eine Reise wert! Die Altstadt strahlt noch das Flair der K&K Monarchie aus, viele Bereiche sind bereits liebevoll renoviert. Sind diese Renovierungsarbeiten im gesamten Altstadtgebiet abgeschlossen, wird man ein geschlossenes historisches Ensemble vorfinden.
Leider muß ich neben diesem Lob auch Kritik üben. Während unseres mehrstündigen Aufenthaltes hatte ich nicht das Gefühl, als Tourist besonders willkommen zu sein. Auffällig waren vor allem die völlig fehlenden Fremdsprachenkenntnisse der Slowaken und deren Unwilligkeit, sich auch nur um ein Verstehen zu Bemühen. Beschriftungen, auch in touristisch wichtigen Bereichen (Parkplatz etc.) waren grundsätzlich nur in slowakisch. Bedenkt man, daß Bratislava in unmittelbarer Grenznähe zu Österreich liegt und früher auch zur Österreichisch-Ungarischen Monarchie gehörte, ist dieses wirklich merkwürdig. Vor allem stand die Unfreundlichkeit beispielsweise der Angestellten eines sehr großen Kaufhauses in der Innenstadt oder eines Tankstellenbesitzers im krassen Gegensatz zum Verhalten der Ungarn. Diese hatten sich voll auf die Klientel aus Österreich eingestellt. Im Bezug auf Tourismusorientierung muß hier leider noch dazugelernt werden!