Reisen in den Südwesten der USA 1996 und 1997

1996 und 1997 führten uns uns unsere Urlaube beide Male Ende Mai/ Anfang Juni in den Südwesten der USA. Das erste Mal flogen wir mit der hervorragenden Air New Zealand von Frankfurt nach Los Angeles und von dort weiter mit America West nach Las Vegas, das zweite Mal mit Condor von Köln direkt nach Las Vegas, weil der America West Flug das Jahr zuvor schrecklich gewesen war.

Immerhin hatte der Flug von Frankfurt nach LA schon 11 Stunden 40 Min. gedauert und erst nach zwei Stunden layover ging es spätabends weiter. Die Maschine war recht klein und voll besetzt. Sie hatte sich noch gar nicht ganz vom Los Angeles International Airport entfernt, begann die Schaukelei. Obwohl der Flug nur etwa eine Stunde dauerte, dachte ich, mein letztes Stündchen habe geschlagen. Zudem saßen wir auch noch ganz hinten, wo es besonders schaukelt. Ein Luftloch folgte dem anderen, die Maschine wippte rauf und runter und nach rechts und links. Es war das pure Grauen! Als wir dann endlich in Las Vegas landeten, konnte ich auch sehen, wie windig es war. Aus dem Flugzeugfenster hatte ich einen Blick auf die zahlreichen angepflanzten Palmen, die sich unter dem Wind bis fast zum Boden drückten. Auf meine Frage, ob die Flüge von Los Angeles immer so turbulent seien, meinten die Flugbegleiter lachend: Ja, natürlich. Nachts fände ein Druckausgleich von der extrem heißen Luft tagsüber und der kühlen Luft abends statt. Dies führe zu Verwirbelungen. Ich war bedient!

Nevada

Auf dem Flughafen von Las Vegas wurden wir standesgemäß empfangen: die ganze Lobby war schon mit Slot Machines, einarmigen Banditen, vollgestellt. Wir nahmen ein Taxi und fuhren zu unserem Hotel, dem Treasure Island, und bekamen auf dem Weg dorthin schon einen Eindruck vom Nightlife in Vegas: alles glitzerte und blinkte, Menschenmassen wälzten sich über den "Strip", die Hauptstraße der Stadt. Diesen unglaublichen Anblick hatten wir schon beim Anflug gesehen: ein Lichtermeer inmitten einer dunklen Halbwüste. Das zweite Mal wohnten wir dann im direkt angrenzenden Mirage, das noch um einiges größer war, als das Treasure Island.

Einen besseren Eindruck der Stadt erhielten wir am nächsten Tag, den wir zu einem Gang in brütender Hitze von 30 Grad den Strip entlang in südlicher Richtung nutzten: gigantische Themenhotels wie das Excalibur, das Luxor in Pyramidenform, das ganz in grün gehaltene MGM-Grand - 1996 mit 5005 Betten das größte Hotel der Welt - und auch Caesar's Palace. In allen Hotels empfing uns eine unglaubliche Geräuschkulisse durch die Slot Machines, an denen - wie um das Vorurteil zu bestätigen - ältere Amerikanerinnen in Pink mit riesigen Plastikbechern saßen, aus denen sie Runde um Runde Münzen entnahmen und in die Automaten stopften. Leichtgeschürzte Frauen im Bunny Look sorgten mit fahrbaren Wägelchen für unentwegten Nachschub an Coins. Die Hotels waren riesig, die untere Etage grundsätzlich als Spielhalle ausgebaut, am Rande dieses bunten und klackernden Wahnsinns dann die Hotelrezeption. Das Ambiente war unbeschreiblich, Photographieren wurde freundlich aber mehr als bestimmt durch das überall anwesende Sicherheitspersonal unterbunden.

Wir waren aber nicht zum Spielen nach Las Vegas gekommen, sondern um uns die berühmten und weniger berühmten Shows anzuschauen. Vor Ort buchten wir ein Mammutprogramm von zwei Shows pro Abend. Dies ist allerdings auch das Pensum, welches die Stars der großen Shows absolvieren: eine Show um 19 Uhr, die andere um 23 Uhr, am Wochenende manchmal sogar drei pro Tag. Las Vegas hat eben andere Dimensionen, auch was die Größe der Bühnen anbelangt!! Was haben wir in den beiden Jahren nicht alles gesehen: Mystère vom Cirque du Soleil, Splash im Riviera, Riverdance, Shows im MGM, New York - New York, Monte Carlo, Tropicana und - natürlich - Siegfried und Roy mit ihren weißen Tigern im Mirage. Diese beiden deutschstämmigen Superstars sorgten in den 1970er und 80er Jahren für einen Imagewechsel Las Vegas' von "Sin City" hin zu einer Familiendestination. Die mit 1500 Zuschauern wieder voll ausgebuchte Show der beiden war schon die zweite von ihnen an diesem Abend und trotzdem kam nicht der Eindruck von Routine auf! Siegfried erkundigte sich zu Anfang der Show dann noch auf deutsch, wer wohl aus Deutschland im Publikum anwesend sei und es meldeten sich eine erstaunliche Anzahl von Zuschauern. Dann ging es auf Englisch weiter, ein Englisch mit einem hammerharten deutschen Akzent, den ich so von ihm nicht erwartet hatte!

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Ergänzung Januar 2004

Wer hätte gedacht als ich diesen Bericht schrieb, daß Siegfrieds Partner Roy am 3.10.2003, seinem 59. Geburtstag, mitten in der Show von einem seiner Tiger schwer verletzt werden würde! 44 Jahre sind die beiden Entertainer mit ihren Tieren ohne Probleme aufgetreten und niemand hatte mit einem solchen Zwischenfall gerechnet.

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Natürlich besichtigten wir auch den höchsten Turm Las Vegas', das Stratosphere. Oben in dem Turm befindet sich ein Restaurant und darauf wurde eine Achterbahn außen montiert. Jedes Mal, wenn die Wagen der Achterbahn losdonnerten, erbebte der ganze Turm - sehr gewöhnungsbedürftig. Uns bediente im Restaurant ein netter Ober als Linz, der sich freute, mal wieder deutsch sprechen zu können.

Kalifornien

Ich fand Las Vegas sehr anstrengend und suchte einen Ausweg aus dieser Kunstwelt. Meine Idee war, zum allerdings sehr weit entfernten Death Valley zu fahren. Gesagt, getan. Je weiter man aus der Stadt fuhr, desto mehr konnte man sehen, wie sie stetig wuchs. Je weiter man an den Stadtrand kam, desto neuer waren die Wohnanlagen. Dann ging es in Richtung des Red Rock Canyon, einer wunderschönen, pittoresken Gegend, in der vor wilden Eseln "burros" auf Schildern gewarnt wurde. Von den Bergen hatte man einen phantastischen Blick auf das auf einer Hochebene liegende Las Vegas, spanisch für "die Wiesen". Z.Zt. meiner Anwesenheit war aber alles Gelände, welches nicht bewässert wurde, knochentrocken.

Durch halbwüstenartiges Gelände ging es Stunde um Stunde weiter, bis ich nach drei Stunden schließlich ein Schild sah: "Zabrisky Point". Oh no. Anstelle am südlichen Ende in den Park hinein und am nördlichen wieder herauszufahren, mußte ich irgendwo in der Einsamkeit einen Abzweig verpaßt haben und befand mich nun an dem berühmten Aussichtspunkt im Norden, von dem aus ich in das Tal schauen konnte. Die Hitze beim Verlassen des Autos war unbeschreiblich, sicher über 40 Grad, der Asphalt brannte durch meine Schuhsohlen.

Da ich zur nächsten gebuchten Show wieder im Hotel sein mußte, entschloß ich mich für den langen Rückweg zum Befahren des Highway 95, der direkt nach Las Vegas führt. Auf der Straße war keinerlei Verkehr, nur ein Mal kam mir eine Highway Patrol entgegen, die ich nicht beachtete. Sie mußte gedreht und hinter mir hergefahren sein, irgendwann sah ich den Wagen im Rückspiegel. Oh je, diese Episode hätte ich mir gerne erspart. Der Officer schlich sich, standesgemäß mit Cowboyhut und verspiegelter Sonnenbrille ausgestattet, von hinten an mein Auto und blieb so hinter der Fahrertür stehen, daß er mich nur durch den Außenspiegel anschaute. Wie zum Teufel ich so schnell (alles relativ mitten in der Wüste auf einem ausgebauten, menschenleeren Highway!) fahren könne? Wo ich herkäme? Ich solle gefälligst mit 2 Fingern meinen Führerschein hervorziehen. Dann wurde ich mindestens 5 Mal gefragt: "Wie ist das Speed Limit in Nevada?" und mußte mit lauter, kräftiger Stimme "65" sagen. Dann durfte ich mir noch einen Vortrag über die Fahrgewohnheiten in Deutschland und den USA anhören, bekam aber trotzdem ein Ticket über sage und schreibe 195 $ aufgebrummt. Zum Glück kassierte er nicht vor Ort - ich hätte auch gar nicht die Summe dabei gehabt - und es ging es am nächsten Tag nach Arizona weiter. So hatte sich die Bezahlung erledigt! Welch eine Begebenheit...

Arizona

Nach diesem Erlebnis verließen wir am nächsten Tag dann Las Vegas Richtung Süden nach Phoenix auf dem Highway 93. Unweit von Las Vegas befindet sich der zum Lake Mead aufgestaute Colorado River. Der Highway führt über die Staumauer des unglaublichen Hoover Dams. Wahnsinn, welche Wassermassen hier zurückgehalten und auch zur Energiegewinnung genutzt werden. Ohne Lake Mead könnte Las Vegas auch nicht existieren, die Stadt hängt vollständig vom Columbia River ab.

Der Highway 93 führt auf den gut 300 Meilen von Las Vegas nach Phoenix durch absolut menschenleeres Gebiet. Hier bekommt man einen Eindruck von der Weite des Landes, der noch verstärkt wird durch die Trockenheit. Mit kleinen Pausen brauchten wir fast 7 Stunden bis zu unseren jeweiligen Hotels. Irgendwann nördlich von Phoenix tauchten dann auch die ersten Saguaro Kakteen am Straßenrand auf. Riesige, bizarre Gebilde, wie man sie aus unzähligen Westernfilmen kennt! Aufgrund der Jahreszeit hatten wir Glück, alle Kakteen blühten in wunderschönen Farben.

Bei unserem ersten Aufenthalt hatten wir uns im Scottsdale Princess Hotel, beim zweiten Besuch im Phoenican, einem der besten Hotels der USA einquartiert. Beide liegen im besten Stadtteil von Phoenix, Scottsdale. Das Princess liegt ganz im Norden am Fuße der Berge an der Scottsdale Road, das Phoenician zentraler beim Paradise Valley mit Blick auf den Camelback Mountain.

Im Scottsdale gab es eine Menge zu sehen. Downtown Scottsdale verbreitete für amerikanische Verhältnisse mit seiner spanisch/mexikanischen Architektur und den vielen kleinen Geschäften eine fast schon heimelige Atmosphäre! Neben den zahlreichen Einkaufsmöglichkeiten, die sich an die in Scottsdale ansässige gehobene Bevölkerungsschicht (auch preislich!!) angepaßt hatte, gab es auch zahlreiche Besichtigungsmöglichkeiten.

Sehr informativ war das Buffalo Museum of America an der Scottsdale Road, wo die Geschichte der amerikanischen Ureinwohner und des Bison eingängig dargestellt wurde. Einen Einblick in die natürliche Vegetation erhielt man im Desert Botanical Garden am Papago Park. In meinem Leben hatte ich noch nicht eine solche Vielzahl an Kakteen, die zu der Jahreszeit auch noch blühten, gesehen! US-weite Reputation genießt auch das zentral in Phoenix gelegene Heard Museum, das sich der Kultur und Kunst der im Südwesten der USA lebenden Ureinwohner widmet. Das bereits 1929 gegründete Museum zeigt mehr als 35.000 Objekte und beherbergt zudem ein Geschäft, in dem Kustgegenstände erworben werden können, die garantiert von Indianern hergestellt und nicht aus China importiert wurden! Interessant ist auch der Heritage Square, das "Altstadtviertel" Phoenix' mit dem ältesten Haus von 1895.

Direkt daneben ist das informative Phoenix Museum of History. Wer sich für den "Wilden Westen" interessiert, ist in der Westernstadt Rawhide gut aufgehoben, die nördlich des Princess an der Scottsdale Road liegt. Höchst informativ fand ich auch einen Besuch in den Ruinen des Pueblo Grande (mit Informationszentrum). Die Gegend von Phoenix wurde seit dem 4. Jahrhundert von der Ethnie der Hohokam besiedelt, die über eine hochgestellte Kultur sowie raffinierte Bewässerungstechnik verfügte und zahlreiche Ruinen hinterließ.

Etwas nördlicher als Rawhide gab es auch eine Ranch, auf der man Pferde für einem Ausritt entleihen konnte. Das mußte ich unbedingt ausprobieren, aber auch spätnachmittags waren es noch 42 Grad im Schatten. Für einen Ausritt nicht die beste Temperatur. Trotzdem machte es Spaß, wir bekamen sogar einen Coyoten zu sehen.