Eine Reise nach Irland im Juli 2002

Nachdem ich im Sommer des Jahres 1979 eine sechswöchige Rundreise durch die Republik Irland gemacht hatte, stand diesmal nach so langer Zeit wieder ein Trip auf die Grüne Insel auf dem Programm. Leider hatten wir nur 9 Tage Zeit und beschlossen somit, uns stationär an der Südküste, ca. 50 km westlich von Cork in Clonakilty, einzumieten.

Los ging es ab Düsseldorf mit Aer Lingus nach Dublin, ein kurzer Hüpfer von nur knapp 2 Stunden. Da wir für den Weiterflug nur extrem wenig Zeit hatten, mußten wir uns in kürzester Zeit auf dem recht chaotischen Dubliner Flughafen zurechtfinden. Sozusagen in letzter Minute erreichten wir unseren Anschlußflug nach Cork, der ebenfalls mit einer Aer Lingus Maschine nur 30 Minuten dauerte. Am kleinen Flughafen von Cork, an der Südküste Irlands gelegen, nahmen wir dann bei strahlendem Sonnenschein auch unseren Leihwagen in Empfang. Dieser hatte zwar im Gegensatz zu unserem Wagen im Mai in Zypern Gangschaltung, dafür lagen aber wenigstens Blinker und Scheibenwischer auf der gleichen Seite wie bei unseren heimischen Autos mit Linkssteuerung, denn ab nun hieß es wieder "Keep left!". Damit diese Devise auch nicht in Vergessenheit gerate, erinnerten große Schilder an der Hauptstraße mehrsprachig daran.

Nach etwa einer Stunde und ca. 50 km auf gewöhnungsbedürftigen huckeligen Straßen erreichten wir erst Clonakilty und nach weiteren 5 km unser Hotel, das auf der Halbinsel Inchydoney gelegene Inchydoney Lodge and Spa. Das Hotel entpuppte sich als ganz ausgezeichnetes, gerade mal 3 Jahre altes 4-Sterne Hotel, direkt am Strand gelegen. Unser wunderschönes Zimmer hatte Meerblick und wir konnten das Treiben am Strand beobachten. Zwar war strahlender Sonnenschein, aber trotzdem erreichten die Temperaturen im Schatten sicher höchsten 19° C, das Wasser des Atlantik war eiskalt. Dies hielt die Iren aber nicht davon ab, in Scharen baden zu gehen. Man gab uns zu verstehen, daß das Wetter bislang schrecklich gewesen sei und man nun jede Minute Sonnenschein nutzen wolle.

Unseren ersten Tag nutzten wir zur Erkundung Clonakiltys, eines wunderschönen kleinen Städtchens, welches sich durch die in frischester Farbe glänzenden hölzernen Geschäftsfassaden und üppige Blumendekoration hervortat. Die Hauptgeschäftsstraße war zur Einbahnstraße umfunktioniert worden und der starke Verkehr der N 71 Hauptstraße führte am Ort vorbei, welches die Attraktivität der Stadt erheblich steigerte. An der Hauptstraße lag Geschäft neben Pub und das wiederum neben Restaurants. Eine erhebliche Anzahl von Einheimischen und wohl auch einigen (irischen?) Touristen bevölkerte die Straße. Wie in fast allen größeren irischen Orten fand man auch 3 Kirchen: eine römisch-katholische, eine methodistische und eine der Church of Ireland. Daneben gab es noch neben einer liebevoll restaurierten Bibliothek einen herausgeputzten Platz ("Emmet Square") sowie eine Touristeninformation. Größere Bekannheit erlangte Clonakilty als Geburtsort des Urgroßvaters von John F. Kennedy.

Die Halbinsel Inchydoney ist über eine teilweise sehr schmale Straße, die streckenweise auch noch über einen Damm verläuft, mit Clonakilty verbunden. Rechts und links der Straße sind weite Bereiche, die bei Ebbe komplett trockenfallen, bei Flut aber seicht überflutet werden. Überhaupt waren die Gezeiten am Hotel recht stark. Bei Ebbe zog sich das Wasser auf dem seichten Sanduntergrund sicher 200 m zurück, aber auch bei Flut war der Strand noch sehr breit.

Unser erster Ausflug führte uns über die N 71 Richtung Westen bis zum Örtchen Ross Carbery, wo ein extrem schmales Sträßchen links abzweigte, welches landschaftlich wunderschön mit Fuchsienhecken an beiden Seiten war. Nach einigen Kilometern erreichten wir den aus den von 150 v. Chr. stammenden Drombeg Stone Circle, einem aus 17 bestehenden Monolithen bestehendem Steinkreis sowie eine steinzeitliche Kochmulde. Bei Glandore erreichten wir wieder die Hauptstraße. In dem kleinen Ort, direkt an einem pittoresken Hafen gelegen, war bei strahlendem Sonnenschein an dem Sonntag der Teufel los. Einheimische und irische Touristen saßen draußen vor dem einzigen Pub und tranken mittags um 12 schon die ersten Pints Guinness.

Weiter ging es nach Skibbereen, einer für irische Verhältnisse etwas größere Stadt, die genau wie Clonakilty bestens herausgeputzt war. Absolut sehenswert ist das Skibbereen Heritage Center, welches sich der Vermittlung der Hintergründe der "Great Famine" und der Flora und Fauna von Lough Hyne widmet. Die als große Hungersnot in die irische Geschichte eingegangene Katastrophe fand von 1845-49 statt und war auf die komplette Vernichtung der Kartoffelernte über mehrere Jahre durch Pilze zurückzuführen. Die bitterarme irische Bevölkerung war vor allen Dingen in den Countys Connemara und Cork vollständig von Kartoffeln als Nahrungsmittel abhängig und die Vernichtung der Ernten führten zu einer unvorstellbaren Hungersnot und Massensterben über Jahre. Die erste irische Massenauswanderung nach Amerika begann auch in dieser Zeit. Der Haß der Iren auf die (zu der Zeit dort herrschenden) Engländer gründet sich in erster Linie auf die Vorkommnisse während dieser extremen Jahre (mangelndes humanitäres Eingreifen, Vertreibung von Tagelöhnern aus ihren Behausungen wegen nicht erfolgter Mietzahlungen, Export von Getreide nach England trotz der Hungersnot...). Extrem betroffen vom Leiden der Bevölkerung war Skibbereen.

Von Skibbereen fuhren wir über eine landschaftlich sehr schöne, allerdings auch ziemlich schmale Straße weiter Richtung Küste nach Baltimore. Der Fischerort verfügt über einen malerischen Hafen, von dem aus Fähren zum benachbarten Sherkin Island fahren. Die Insel ist für ihr schönes Kunsthandwerk bekannt, welches in einem kleinen Geschäft im Hafen vertrieben wird. Ich nutzte die Gelegenheit zum Kauf eines handgestrickten Wollpullovers. Aufgrund des Traumwetters am Sonntag war das einzige am Hafen gelegene Pub samt der außen aufgestellten Stühle brechend voll mit durstigen und hungrigen Touristen.

Durchquert man Baltimore, erreicht man ein kleines Sträßchen, welches zum Wahrzeichen Baltimores führt, einem weißen, massiv gemauerten Turm, der sich in exponierter Lage an einer Steilküste an der Einfahrt zur natürlichen Bucht von Baltimore befindet. Wir hatten einen Traumblick über den Ort auf der einen Seite und den offenen Atlantik auf der anderen Seite!

Auf dem Rückweg verließen wir hinter Baltimore die "Hauptstraße" und fuhren über eine extrem enge, von beiden Seiten mit Fuchsienwällen bewachsene Straße zum Lough Hyne, einem Inlandsee, der über eine schmale Passage mit dem Meer verbunden ist. Aufgrund seiner Lage und der besonderen Tiefenverhältnisse im See beherbergt er eine Vielzahl von Pflanzen und Tieren. Auch wer sich nicht für Flora und Fauna interessiert, wird von der romantischen Lage des Sees begeistert sein!

Für den nächsten Tag hatte ich eine lange Tour geplant und zwar sollte es an die Westküste nach Bantry gehen. Los ging es über die schon bekannte N 71, die - obwohl Hauptstraße - nach Westen immer schmaler und unübersichtlicher wurde. Für die etwa 70 km brauchte ich sage und schreibe 2 Stunden! Auf dem Besichtigungsprogramm stand der 1720 erbaute Herrensitz Bantry House, dessen Eintritt stolze 10 € kostete. Das Haus selbst liegt in sehr schön gepflegten Gartenanlagen im französischen und italienischen Stil, die teilweise direkt an die Bantry Bay grenzen. Die Gartenterrassen hinter dem Haus sind noch nicht wieder fertiggestellt, benutzen kann man nur eine extrem steile Treppe, von deren obersten Ende man einen phantastischen Blick über Bantry House und Bucht hat.
Im Haus selbst befinden sich Unmengen an Kunstgegenständen und Möbeln, an den Wänden hängen Ölgemälde und Gobelins. Alles machte aber einen recht ungepflegten Eindruck, obwohl sich die Verwalter sichtlich bemühten, alles nett darzustellen. So waren die Sitzflächen der sicher noch aus dem 18. Jht. stammenden Stühle komplett durchgesessen, die Fußböden und das Treppenhaus abgelaufen, Teppiche hochgerollt etc.. Photos nach zu schließen, war das Haus noch bis in die 1970er Jahr von Nachkommen der Familie bewohnt worden. Es ist fast anzunehmen, daß das Haus bis dahin über Jahrzehnte (aus finanziellen Gründen?) nicht mehr in Stand gesetzt wurde. Auch die Elektroinstallation war abenteuerlich. Da das oberste Stockwerk für Renovierungsarbeiten geschlossen war, nehme ich an, daß später auch im restlichen Haus Arbeiten durchgeführt werden.

Aufgrund der langen Anfahrt und der schon fortgeschrittenen Zeit entschloß ich mich, mein an und für sich geplantes weiteres Besichtigungsprogramm zu kürzen und nicht mehr die an der Bantry Bay gelegene Halbinsel zu umfahren, sondern direkt die südlich davon gelegene Halbinsel anzusteuern. Von Bantry ging es direkt nach Durrus und von dort aus über die R 591 immer weiter nach Südwesten Richtung Mizen Head. Die Landschaft auf der Halbinsel unterschied sich eklatant von der, die ich bislang gesehen hatte: sie war viel karger und steiniger und es gab fast keinerlei größere Bäume, ganz zu schweigen von Wäldern. Die Weiden waren selbst für Kühe zu karg, statt dessen sah ich nur Schafe, die mich auch interessiert beobachteten. Viele Touristen kamen hier wohl nicht vorbei! Versprengt lagen einige kleine Gehöfte, zu denen die Schafe wohl gehörten. Ackerbau wurde in keiner Weise betrieben. Die Landschaft erinnerte mich stark an die von Connemara.

In Toormore an der Südküste der Halbinsel stieß ich auf die Straße, über die wohl die meisten Touristen in Richtung des südwestlichen Punktes Irlands, Mizen Head, fahren. In Goleen mußte ich mich auch entscheiden, ob ich nach Mizen Head zum Leuchtturm oder zum Örtchen Crookhaven fahren sollte. Ich entschied mich (auf Empfehlung des Reiseführers) für letzteres, muß aber sagen, daß sich die lange schwierige Fahrt sicher nicht gelohnt hat. Crookhaven besteht aus schätzungsweise 5 Häusern, davon 2 Pubs und 1 Post sowie aufgrund der geschützen Lage aus einem kleinen Hafen. Hier ist wirklich der allerletzte Hund begraben und es gibt absolut nichts zu sehen. Man hat noch nicht einmal einen Blick aufs Meer. Leider war es mir zeitlich nicht mehr möglich, auch noch zu Mizen Head zu fahren, denn mir stand eine lange Heimfahrt bevor. Ärgerlicherweise war es mir auch nicht mehr möglich, im wunderschönen Ort Skull zu halten.