Die Fahrt war mehr als eindrucksvoll, wir mußten einen Fluß durch eine Furt durchqueren und hatten immer wieder phantastische Aussichtspunkte, weil sich die Straße mehr und mehr die Berge hinaufschraubte. Irgendwann standen wir mitten in den Bergen an einer Wegkreuzung - ohne Beschilderung versteht sich. Unsere beiden Begleiter diskutierten in ihrer Muttersprache lebhaft über den weiteren Verlauf und konnten sich erst nach längerer Diskussion auf eine Fahrtrichtung einigen. Eigentlich hatten wir nach Ba, an der Nordküste gelegen, fahren wollen, erreichten zu unserem Erstaunen aber in Nadi, im Westen, wieder die Küste.

Von Nadi fuhren wir über die nördliche Kings Road nach Lautoka, der zweitgrößten Stadt Fidschis mit über 2/3 indischstämmigen Einwohnern. Lautoka ist das Zentrum der fidschianischen Zuckerindustrie mit einer großen, 1903 gebauten Zuckermühle. Dort war wegen der z.Zt. stattfindenden Zuckerrohrernte gerade Hochbetrieb. Zahlreiche LKW fuhren vor, um ihre Last abzuladen. Quer durch die Stadt führten auch die Gleise der kleinen Zuckerrohrbahn, die ununterbrochen Waggons mit neuer Ladung anlieferte. Auffallend waren in Lautoka die vielen alten Baumalleen, die angenehmen Schatten vor der gleißenden Sonne spendeten.

Über die Städte Ba (wo wir eigentlich nach unserer Inlandtour hätten wieder auf die Küste stoßen sollen) und Tavua erreichten wir nach einem Abzweig nach rechts nach weiteren 9 km endlich Vatukoula mit der in australischem Besitz befindlichen Emperor Gold Mine, in der sowohl im Tagebau als auch unterirdisch Gold abgebaut wird. Da wir erst gegen 5 Uhr abends dort anlangten, war eine Besichtigung leider nicht mehr möglich. Langsam wurde es schon dämmerig und wir traten unseren Heimweg zum Hotel an, welches wir erst gegen 8 Uhr, d.h. nach über 12 Stunden, abends erreichten.

Da bei dieser Mammuttour nicht genügend Zeit zur Besichtigung von Nadi gewesen war, fuhren wir zusammen mit dem uns nun schon gut bekannten Taxifahrer Epi Volavola dorthin. Leider hatte Nadi nicht viel Sehenswertes zu bieten. Auffällig war wieder der hohe indische Bevölkerungsanteil, der das ganze Geschäftsleben dominierte. Überall drang indische Musik aus den kleinen Läden auf die Straße, auf der wir auch zahlreiche Schüler in sehr englisch anmutenden Uniformen sahen. Schön war der Besuch auf dem überdachten Gemüsemarkt, auf dem man einen guten Überblick über alle auf der Insel angebauten Früchte erhielt. In der Nähe Nadis findet sich auch der ausgesprochen sehenswerte Garden of the Sleeping Giant, ein phantastischer Orchideengarten. Auf der Rückfahrt zum Hotel machten wir dann noch einen Stop zur Besichtigung der beiden Sheraton Hotels auf der Halbinsel Denarau. Die weitere Fahrtstrecke führte uns durch eine hügelige Landschaft mit Zuckerrohrfarmen immer in Sichtweite des Meeres.

Am nächsten Tag entschlossen wir uns auf Anregung von Epi zu den Sigakoka Sand Dunes zu fahren, einer Landschaft mit bis zu 20 m hohen Wanderdünen. Dort liehen wir uns Pferde und hatten Gelegenheit, am Strand in der Brandung zu galoppieren - ein unvergeßliches Erlebnis! Den Abend entschlossen wir uns dann außerhalb des Hotels zu verbringen. Wir besuchten zusammen mit Epi eine Meke, d.h. eine traditionelle Tanz- und Gesangsveranstaltung. Unsere fidschianische Begleitung bewirkte wohl, daß wir im Anschluß an die Vorführung reichlich mit dem wunderschönen Blumenschmuck der Tänzer beschenkt wurden!

Die Abende im Hotel waren ansonsten mit ungewöhnlichem Entertainment ausgefüllt: mehrmals die Woche wurden zum enormen Amüsement der Urlauber, vorwiegend Australier und einige Japaner, Krabbenrennen veranstaltet, bei den dann auch heftig um Geld gewettet wurde. Den kleinen Tieren hatte man mit Farbe winzige Nummern auf den Panzer geschrieben. Die Nummern waren dann Namen wie "Killer" oder "Saddam Hussein" auf einer Holztafel zugeordnet. Etwa 10-15 Krabben wurden unter einem Eimer versteckt auf die Mitte der kreisrunden Tanzfläche gebracht. Ein Hotelangestellter hob dann den Eimer an und die Krabben versuchten schnellstmöglichst an den Rand der Tanzfläche (der dunkler war) zu rennen. Die Krabbe, die den Rand zuerst erreicht hatte, hatte das Rennen gewonnen. Selten haben wir uns über einen so harmlosen Spaß so köstlich amüsiert!

Unser Fazit der Reise: wer die enorm lange Anreise von fast 40 Stunden nicht scheut, wird mit einem phantastischen Urlaub entschädigt. Die Menschen auf Fidschi waren durchweg viel freundlicher als beispielsweise die Einwohner französisch Polynesiens. Auch waren die Umweltproblem auf Vitu Levu geringer als auf Moorea. Wäre man böswillig, könnte man sagen, daß auf den Inseln französisch Polynesiens das französische laissez faire etwas zu wörtlich genommen wird, auf den englisch geprägten Inseln des Fidschi-Archipels aber eher britische Ordnung herrscht. Wer allerdings von einem unbeschwerten Südseeurlaub mit blumengeschmückten Hulamädchen träumt sollte a) wissen, daß Fidschi zu Melanesien gehört und die Menschen dort nicht unserem polynesischen Schönheitsideal entsprechen und b) auf einen hohen Anteil (45%) an indischstämmigen Einwohnern gefaßt sein, die ihre kulturellen Eigenheiten beibehalten haben. Vor einer Reise sollte man auch sorgfältig die politische Lage auf Fidschi eruieren, da es seit Jahrzehnten enorme Spannungen zwischen Ureinwohnern und indischen Einwanderern gibt.


Literaturempfehlungen:

Spezielle Veröffentlichungen zu Fidschi:

- Craig, Glen: Fiji through the eyes fo the Fijian, Glen Craig Publications 1997
Ledger, Kylie: Fiji Islands. Paradise oth the South-West Pacific. Crawford House Press (Australia) 1993

Veröffentlichungen zu allen Inselgruppen der Südsee:

- Brillat, Michael: Südsee. Müchen, 2. Aufl. 2000 (Nelles Guide)
- Ehrhart, Sabine: Die Südsee. Inselwelten im Südpazifik. Köln 1993 (DuMont Kultur- und Landschaftsführer)