Restliches O'ahu

Hat man sich an den Sehenswürdigkeiten Honolulus "sattgesehen", sollte man auf keinen Fall Ausflüge in den restlichen Teil der Insel versäumen. Hierzu benötigt man sinnvollerweise ein Auto, wenngleich es auch eine Reihe von Shuttletouren gibt, die von verschiedenen Veranstaltern angeboten werden.

Außerordentlicher Beliebtheit erfreut sich Hanauma Bay, am südöstlichsten Punkt der Insel gelegen. Es handelt sich um eine palmengesäumte, halbmondförmige Bucht mit einem in geringer Tiefe liegenden Korallenriff - ein absolutes Muß für Schnorchler, die gefahrlos die Unterwasserwelt Hawaiis erkunden wollen. Leider hat der enorme Touristenandrang Folgen: zum einen gibt es nur einen relativ kleinen Parkplatz, der an Tagen schönen Wetters ruck zuck schon morgens belegt ist. Am Highway gibt in mehreren Kilometern Distanz keine, wirklich keine Parkmöglichkeit. Wir selbst mußten bei einer Gelegenheit wieder nach Waikiki zurückkehren. Will man sicher gehen, Hanauma zu erreichen, sollte man mit einem Shuttlebus fahren. Da der Strand relativ klein ist, ist er natürlich an schönen Tagen recht voll. Da es sich um einen staatlichen Unterwasserpark handelt, muß man auch noch einen happigen Eintritt bezahlen. Dadurch erwirbt man allerdings das Recht, mit einem kleinen Zug den sehr steilen Weg zum Strand runter, resp. raufgebracht zu werden. Auf der Gelände gibt es Duschen, Toiletten und eine kleine Snackbar. Vor Jahren wurde auch noch Fischfutter verkauft, was lebhaft in Anspruch genommen wurde. Noch niemals bin ich von freilebenden Fischen so drastisch angebettelt worden! Nachdem das Füttern überhand genommen hat, gibt es nunmehr keinen Futterverkauf mehr. Mit Rücksicht auf die Fische sollte man auch auf das Mitbringen von Futter verzichten. Die Unterwasserflora und -fauna ist unglaublich. In dem niedrigen Wasser bricht sich das Licht und die bunten Korallenfische schimmern in allen Regenbogenfarben. Selbst eine Schildkröte habe ich gesichtet. Wichtig vor einem Besuch Hanaumas ist ein Wettercheck. Bei bedecktem Wetter und womöglich Wind ist das Wasser zu aufgewühlt, um Fische zu sehen.

Folgt man dem Highway ab Hanauma Bay weiter nach Nordosten, genießt man wildromantische Ausblicke, die an den Highway 1 in Kalifornien erinnern. Nach Umrundung des Makapuu Point gelangt man zum Makapuu Beach Park, El Dorado der Body Boarder.

Ganz in der Nähe befindet sich auch der Sea Life Park, in dem es neben Vorführungen von Delphinen, Seelöwen etc. auch ein künstliches Riff gibt. Wer also die Meereslebeswesen nicht in freier Natur in der Hanauma Bay gesehen hat, kommt hier voll auf seine Kosten. Vor dem Haupteingang des Parks gibt es das hochinteressante Pacific Whaling Museum, eine ideale Ergänzung zu der Ausstellung im Bishop Museum.

Folgt man dem Highway 72 weiter nach Norden, kommt man zuerst an 2 großen Armeebasen vorbei, die in relativ große Städte (Kailua und Kaneohe) eingebunden sind. Beide Orte sind sozusagen auch "Schlafstädte" von Honolulu, da sie über die Pali- und Likelike-Highways, die durch die Berge führen, verkehrstechnisch gut angebunden sind. Will man nur eine Tagestour um den Südosten der Insel machen, bietet sich eine Fahrt entlang der Küste auf dem Highway 72 und dann Hin- oder Rückfahrt über die beiden Berghighways an. Am Pali-Highway, schon in der Nähe Honolulus, befinden sich zudem 2 Sehenswürdigkeiten. Vom Nuuanu Pali Lookout hat man einen phantastischen Blick auf die Ostküste O'ahus. Der Aussichtspunkt markiert zugleich den Schauplatz eines Kampfgeschehens zwischen dem hawaiianischen König Kamehameha und dem König von O'ahu Kalanikupule 1795.

Direkt am Pali Highway befindet sich der Sommerpalast der Queen Emma, Frau König Kamehameha IV. Das im viktorianischen Stil gehaltene Haus inmitten eines schönen Gartens beherbergt ein Museum mit vielen Originalmöbeln. Museumswächter sind die Daughters of Hawaii, liebenswerte ältere Damen, die dort ehrenamtlich arbeiten und gerne bereit sind, Fragen kompetent zu beantworten. Als sie hörten, daß wir aus Deutschland kamen, wiesen sie uns auf die zahlreichen deutschen Gegenstände wie das Klavier hin, die sich im Besitz der Königin befanden.

Zurück zum Highway 72 an der Ostküste. Nach der Durchquerung Kaneohes ändert sich das Landschaftsbild. Es gibt keine größeren Siedlungen mehr, vielmehr reiht sich Beachpark an Beachpark. Die Strände sind an dieser dem Wind zugewandten Seite nicht unbedingt spektakulär, dafür ist die Vegetation durch die zahlreichen Niederschläge viel üppiger als auf der trockenen Westseite.
Einige Kilometer vor dem Erreichen des nördlichsten Punktes O'ahus liegt direkt am Highway die Brigham Young University Hawaii sowie das Polynesian Cultural Center. Die Studenten dieser unter Ägide der Mormonen stehenden Universität finanzieren ihr Studium teilweise durch Auftritte im Center. Das Center besteht aus 7 polynesischen Dörfern (Samoa, Tonga, Tahiti, Marquesas, Neuseeland, Hawaii), wobei das melanesische Fidschi großzügigerweise Polynesien zugeschlagen wurde. In den Dörfern zeigen Studenten aus den jeweiligen Ländern Originalkleidung, Tänze, Kunsthandwerk etc. "Audience participation" wird ganz groß geschrieben und so kann man z.B. lernen, wie man fachgerecht eine Kokosnuß knackt. Fernerhin kann man an Fahrten in Auslegekanus teilnehmen. Besonders sehenswert sind die abendlichen Shows, in denen alle Akteure spektakuläre Vorführungen bieten. Um einen Einblick in die uns so fremde Kulturwelt Ozeaniens zu erhalten, ist ein Besuch des Centers bestens zu empfehlen. Dafür benötigt man noch nicht einmal ein Auto. Regelmäßig verkehren Shuttlebusse von Waikiki zum Center und zu den abendlichen Shows.

Ist der nördlichste Punkt O'ahus umrundet, erwartet einen auf einmal eine ganz andere Landschaft: es ist das Gebiet der besten Surfareale der Insel. Weltruhm haben Sunset und Waimea Beach, mit Wellen, die im Winter bis zu 13 Meter Höhe erreichen. Ich selbst war einmal im Dezember z.Zt. solcher Wellenberge in Waimea und konnte die unglaublichen Künste der Surfer beobachten. Selbst einige Body Boarder trauten sich in diese Fluten! Anlang der Hauptstraße finden sich natürlich viele Geschäfte, die den einschlägigen Surferbedarf verkaufen.

Ganz in der Nähe des ungeheuren Strandes von Waimea an der Flußmündung des Waimea Rivers ins Meer führt eine Straße vom Highway ab zum Waimea Falls Park. Der Park liegt in einem wunderschönen grünen Tal, in dem man nicht nur die einheimische Vegetation bewundern kann, sondern auch noch einen Einblick in alte hawaiianische Traditionen erhält. Durch den Park führt ein herrlicher Rundweg, an dem sich alle Attraktionen, u.a. auch Ruinen althawaiianischer Gebäude, befinden.

Fährt man auf dem Küstenhighway weiter nach Westen, kam man früher durch die Kleinstadt Haleiwa, die durch nett restaurierte Holzhäuser aus den 1920er Jahren gefällt. Auffällig natürlich auch hier die zahlreichen Geschäfte für Surfbedarf. Daneben gibt es eine Reihe von Galerien mit mehr oder minder kitschigen Strandszenerien. Im Jahr 2000 wurde allerdings eine Umgehungsstraße um das stetig verstopfte Haleiwa herum gebaut, welche viel Verkehr abfließen läßt. Mit Schildern am Highway versucht der Ort nun immer noch auf sich aufmerksam zu machen.

Da es keine Straßenverbindung von der Nord- zur Westküste gibt, ist man gezwungen, auf dem durch das Zentrum der Insel verlaufenden Kamehameha Highway wieder Richtung Süden nach Honolulu zu fahren.

In den ersten Jahren, in denen wir O'ahu besuchten, befanden sich rechts und links des Highways weitläufige Zuckerrohrplantagen, im Jahre 2000 hatten sich die Kulturen aber verändert, so wurde beispielsweise Kaffee angebaut. Da die Straße nach Süden hin ansteigt, gibt es von einer Stelle aus einen hervorragenden Ausblick auf die Nordküste und Haleiwa. Ein kurzer Stop ist wirklich lohnenswert, denn er ermöglicht auch das Anschauen der direkt an der Straße gelegenen Plantagen.

Fährt man weiter südlich, verändert sich das Landschaftsbild. Riesige Ananasplantagen bestimmen das Bild. Bei einem Besuch der Insel im Juli hatten wir das Glück, zur Erntezeit der Früchte anwesend zu sein. Große Maschinen fahren durch die Reihen der Pflanzen. Rechts und links auf Auslegern liegen vermummte Menschen auf dem Bauch (wegen der Insekten und der messerscharfen Ananasblätter), die mit der Hand die Früchte von den Stauden schneiden. Eine Wahnsinnsarbeit! Zudem verkündeten mit einem Totenkopf markierte Schilder von üppigem Pestizideinsatz.
Am südlichen Ende des Ananasplantagenareals kommt man an der "Dole Plantation" vorbei. Diese sehr touristisch aufgemachte Anlage gibt einen Eindruck in den Anbau und die Verwertung von Ananas - Verkostung inklusive. Früher gab es einen interessanten Garten, in dem alle auf der Welt verkommenden Ananassorten angebaut wurden. Mir war vor dem Besuch die Vielfältigkeit dieser Pflanze nicht klar. Von winzigen Pflanzen bis hin zu meterhohen Exemplaren, von speziell für die Saftgewinnung gezüchteten bis zu weniger süßen für die Verpackung in Konservendosen wird alles gezeigt. Als wir das letzte Mal dort waren, hatte man den Garten leider entfernt und arbeitete statt dessen an der Anlage eines Irrgartens. Schade...

Einige Meilen südlich der Dole Plantation führt der Highway durch die riesigen Schofield Barracks, allen Lesern des Buches oder Filmfans bekannt aus "Verdammt in alle Ewigkeit". Ein Blick auf die Landkarte O'ahus offenbart schnell die enorme strategische Bedeutung der Insel für die USA: es gibt ca. 8, z.T. sehr große Militärbasen, die Sperrgebiete für den normalen Besucher sind. Durch einen bei den Schofield Barracks liegenden Bergpaß waren 1941 übrigens die japanischen Kampfflugzeuge zu ihrem Angriff auf Pearl Harbor geflogen.

Ab den Schofield Barracks wird aus dem Kamehameha Highway der mehrspurige H2 Interstate, auf dem man schnell Honolulu erreicht.

Einen grundlegend anderen Charakter als die anderen Küsten O'ahus hat die Westküste. Da sie auf der Windschattenseite liegt, ist die ganze Gegend durch Trockenheit gekennzeichnet. Weiteres Kennzeichen ist die weitgehende Abwesenheit von Tourismus und die größten Siedlungsgebiete von einheimischen Hawaiianern. Dies war der Grund, warum wir häufig gewarnt wurden, an die Westküste zu fahren, dort gäbe es "erhebliche Kriminalität" und überhaupt sei die Gegend für Touristen ungeeignet. Dieses Urteil kann ich nur teilweise unterstützen. In der Tat fallen in vielen Bereichen des entlang der Küste verlaufenden Farrington Highways ärmliche Holzhäuser mit verkommenen Vorgärten auf, die von Hawaiianern bewohnt werden. Auch auf den Parkplätzen am Rande der - phantastischen - Strände dominieren die uralt-Autos der Einheimischen. Letzte, häufig wohl auch arbeitslos, finden sich auch auf den Picknickeinrichtungen der Beachparks. Wir selbst haben kein negatives Erlebnis mit den Leuten gehabt: zur Sicherheit sollt man aber einen Beachpark mit Lifeguard aufsuchen und die Leute nicht provozieren, dann ist man wohl auf der sicheren Seite.

Beherzigt man diese Ratschläge, hat man traumhafte Strände, die jedem Südseekatalogklischeé entsprechen, für sich (fast) alleine. Das Baden, Surfen und Bodyboarden ist allerdings an vielen Stellen nicht unproblematisch: die Strände fallen häufig steil ab ins Wasser, Wellengang und Strömung sind oft heftig. Ein Lifeguard verriet mir mit Lachen, die Einheimischen säßen oft am Strand und warteten auf einen dummen "haole" (= Weißen), dem durch die Strömung die Badehose ausgezogen würde!

Eines Tages erhielten wir von einem Kellner im Michel's den "Insidertip", daß man morgens früh an der Westküste mit wilden Delphinen schwimmen könne. Wir wollten das unbedingt auch machen und nach mehren Nachfragen kam er mit einem Zettel, auf dem der Name des Beachparks stand, an dem die Delphine vorbeikommen sollten.
Folglich quälten wir uns an einem der nächsten Tage in aller Herrgottsfrühe aus dem Bett und machten uns auf den Weg zur Westküste. Beim angegebenen Beachpark war aber nichts von Delphinen zu sehen, wir fragten Passanten und erhielten zur Antwort: ja, manchmal gäbe es Delphine, aber so genau wüßten sie es auch nicht. Wir fuhren auf dem Farrington Highway immer weiter nach Norden, fragten Fischer im Hafen, Passanten, wen immer wir sahen: 10 Leute, 10 verschiedene Antworten. Völlig verzweifelt fuhren wir bis zum Ende des Farrington Highway zum Kaena Point State Park. Der Beachpark war in der Morgenstimmung absolut traumhaft, von Delphinen aber nichts zu sehen.

Weiterfahren um die Nordwestspitze der Insel kann man nicht, uns blieb nur der Weg zurück. Gerade als wir umdrehen wollten, sahen wir zu unserem Erstaunen ein Polizeifahrzeug in den Park fahren. Was wollte der denn hier an diesem gottverlassenen Strandabschnitt um diese frühe Uhrzeit? Gleichzeitig patroullierte ein Polizeihubschrauber am Himmel. Es war schon ein komisches Gefühl. Wir hatten die Idee, den Polizeiwagen anzuhalten und nach den Delphinen zu fragen. Der Polizist war sehr freundlich und bat uns, ihm zu folgen. Gleichzeitig warnte er uns vor Autodiebstählen an der Küste. Er führe extra immer Streife, um Touristen zu schützen, die sich in diese Gegend verirrten. Ganz so harmlos ist die Westküste also doch nicht. Jedenfalls folgten wir seinem Wagen einige Meilen und erreichten eine Stelle an der Straße, wo schon mehrere Autos parkten. Der Polizist gab uns den Rat, auf das Wasser zu schauen. Wir würden die Delphine schon sehen.

Ca. 300 m vom Ufer entfernt sahen wir Leute im Wasser schwimmen und ich überlegte, auch dorthin zu schwimmen, war aber unschlüssig. Hätte ich es doch getan! Nach einer Weile sahen wir auf einmal von links die Delphine kommen. Es war eine Gruppe von vielleicht 10-15 Tieren, die zügig parallel zur Küste nach Norden schwammen, immer wieder sah man sie aus dem Wasser kommen zum Luftholen. Die Delphine schwammen direkt durch die Menschengruppe, die wir gesehen hatten. Die Leute hatten also die besseren Infos gehabt als wir und waren schneller gewesen. Allerdings konnte keine Rede davon sein "mit den Delphinen zu schwimmen". Trotzdem ärgerte ich mich darüber, das Schauspiel nur vom Strand aus verfolgen zu können.

Während eines Aufenthaltes nutzte ich die Chance zu einer Tagestour nach Big Island. Bitte hier für diesen Reisebericht klicken.

Fazit unserer bisherigen Reisen nach O'ahu: O'ahu ist von Europa aus von allen Hawaii-Inseln am besten zu erreichen, deshalb auch das Zentrum des Tourismus mit der besten Infrastruktur. Die Insel ist sehr heterogen: die Großstadt Honululu im Süden mit allen Angeboten einer amerikanischen Stadt am Festland; Waikiki als Zentrum des Tourismus mit viel Trubel, allerdings auch den besten Möglichkeiten, Surfen und Body Boarden zu lernen; die - ebenfalls gut besuchte - Nordküste mit Wellen für die Wassersportprofis; eine sehr heterogene Ostküste mit großen Städten aber auch schönen Strandabschnitten; die Westküste mit den schönsten und einsamsten Beachparks, wenn man ein evtl. vorhandenes gewisses Risiko eingeht; das Landesinnere mit sehr hohen Bergen, Plantagenwirtschaft und Militäreinrichtungen. O'ahu ist kein "Südseeparadies" wie man sich das in Deutschland vielleicht vorstellt, eher ein tropischer Abschnitt der USA mit mehrspurigen Highways usw. Die Insel ist sicher geeignet für diejenigen, die zum ersten Mal nach Polynesien kommen und einen Einblick in Kultur und Landschaft gewinnen möchten.