Honolulu

Während alle Sehenswürdigkeiten Waikikis (bis auf den Diamond Head) auch als Fußgänger erreichbar sind, trifft dieses für Honolulu nicht zu. Eine gute Möglichkeit, auch ohne Mietwagen eine Sightseeingtour zu machen, ist der Waikiki Trolley. Man ersteht einen Tagespaß und kann an allen Stationen aus- und später beliebig wieder zusteigen. Der Trolley hält an den wichtigsten Attraktionen und auch das Fahren auf den offenen Wagen macht eine Menge Spaß.

Im Herzen des historischen Zentrums von Honolulu liegt das State Capitol, der Sitz des Parlamentes und direkt daneben der 1879 von König Kalakaua erbaute Iolani Palast, der einzige Königspalast der USA. Das Gebäude war auch Schauplatz der Absetzung der letzten Königin Hawaiis, Liliuokalani, die nach Ihrer Demission 1893 dort interniert wurde. Wenig bekannt dürfte sein, daß sie die Komponistin des weithin bekannten Liedes Aloha O'e ist. Noch weniger bekannt dürfte sein, daß die ein Mal wöchentlich vor dem Palast spielende Royal Hawaiian Band eine enge Verbindung zu Deutschland hat: 1872 war der Militärmusiker und Komponist Heinrich "Henry" Berger vom Deutschen Reich an das hawaiianische Königshaus zur Gründung einer königlichen Band "ausgeliehen" worden. Berger, der eine enge Freundschaft zur Königin Liliuokalani entwickelte, quittierte bald seinen deutschen Militärdienst und siedelte ganz nach Hawaii über. Er ist auch der Komponist der noch heute gespielten hawaiianischen Nationalhymne "Hawaii Ponoi".

Ganz in der Nähe des Iolani Palastes, vor dem alten Gerichtsgebäude, befindet sich ein weiteres Wahrzeichen Honolulus: die Statue des Königs Kamehameha I., der 1810 die Hawaii-Inseln vereinte.

Nur wenige Schritte weiter erreicht man den Komplex des Mission Houses Museum mit dem ältesten Fachwerkhaus Hawaiis, dem Frame House, dessen Holz zu Beginn des 19. Jhts. mit Segelschiffen aus Boston rund um Kap Hoorn nach Honolulu gebracht worden war. Das Museum gibt einen ganz hervorragenden Eindruck des enormen Einflusses, den die Bostoner Missionare auf das hawaiianische Königshaus und Volk ausübten!

Ein absolutes "Besichtigungs-Muß" stellt das 1889 errichtete, außerhalb des Altstadtzentrums liegende, sehr große Bishop Museum dar, welches ich mehrmals besucht habe. Das Museum beherbergt eine der hervorragendsten Sammlungen mit Exponaten aus dem Pazifikraum (Schwerpunkt ist allerdings Hawaii). Atemberaubend sind die aus Tausenden winzigkleiner bunter Federn zusammengesetzten Federcapes von Angehörigen des hawaiianischen Königshauses und mit bunten Wedeln besetzte Zepter. Im einem der Museumsräume hängt u.a. ein riesiger, präparierter Pottwal unter der Decke (ein Teil der Ausstellung widmet sich dem Walfang im Pazifik). Hier erhält man einen Eindruck von der enormen Größe dieser Säugetiere! Im angegliederten Planetarium werden Einführungen in die erstaunliche Navigationskunst der Polynesier veranstaltet. Der Buchladen des Museums ist für Freunde pazifischer Kulturen bestens sortiert.

Fährt man den Highway 1 vom Bishop Museum wieder zurück in Richtung des alten Zentrums, kommt man am Foster Botanic Garden vorbei, einer grünen Oase inmitten der Großstadt. Der botanische Garten verfügt über mehr als 4000 tropische Bäume, Farne, Orchideen usw. und ist unbedingt einen Besuch wert.

Etwas weiter, allerdings auf der nördlichen Seite des Highways, liegt der National Memorial Cemetery of the Pacific. Die riesige Anlage befindet sich innerhalb des Kraters des erloschenen Punchbowl Vulkans und ist den gefallenen US-Soldaten verschiedener Kriege gewidmet. An der Nordseite der Anlage befindet sich eine Gedenkkapelle, auf deren Fassade eine Frauengestalt in Trauerkleidung dargestellt ist.

Unbedingt besuchen sollte man auch ein weiteres Wahrzeichen Honolulus, den Aloha Tower. Dieser 1926 errichtete Turm beherbergt heute im 10. Stock eine Aussichtsplattform. Der Turm ist mittlerweile Zentrum des Aloha Tower Marketplace, einem Areal mit zahlreichen Läden und Restaurants. Gleich nebenan liegt das Hawaii Maritime Center, in dem man sich von der Geschichte der Walfänger bis hin zur Ära der Vergnügungsdampfer informieren kann. Am Pier vor dem Museum liegt das historische Viermastsegelschiff "Falls of Clyde" sowie ein polynesischer Reisekatamaran namens "Hokulea".

Ausgehend von dem Pier am Aloha Tower starten auch die beliebten Whalewatching Touren, an denen wir einmal im Dezember teilnahmen. Wir hatten uns extra früh aus dem Bett gequält, um pünktlich am Schiff, genauer gesagt, einem großen Katamaran, zu sein. Bei frischer Brise aber strahlendem Sonnenschein ging es los Richtung Osten, vorbei am Strand von Waikiki, um den Diamond Head herum bis zum Koko Head. An Bord wurden auf großen Leinwänden faszinierende Unterwasseraufnahmen von den Walen und ihren Gesängen gezeigt. Oben an Deck standen 2 Biologen, ausgerüstet mit Ferngläsern, und suchten den Horizont nach der charakteristischen Blaswolke der Wale ab.

Bei den in den hawaiianischen Gewässern vorkommenden Walen handelt es sich um Buckelwale, auf englisch Humpbacks, die den Sommer in der Arktis verbringen, im Herbst nach Süden schwimmen, im Winter vor Hawaii sind, um im Frühling wieder nach Norden zu wandern. Dabei werden unvorstellbare Entfernungen zurückgelegt! Die Wale sind strengstens geschützt und an Bord wurde man nicht müde uns zu erläutern, daß man sich den Tieren nur auf eine bestimmte Distanz nähern dürfe, sie nicht stören dürfe etc. Die Biologen gaben auf alle Fragen sehr kompetent Rat und Antwort. Endlich, wir hatten schon nicht mehr damit gerechnet, sichteten sie ausgestoßene Atemluft der Wale über der Wasseroberfläche. Extrem vorsichtig näherte sich das Schiff den Tieren, die man nun - nach einiger Übung - auch mit bloßem Auge sehen konnte. Zuerst nahmen wir nur dunkle Schatten direkt unter der Wasseroberfläche wahr, dann leichte Wellen, schließlich auch den Rücken von mehreren Tieren. Mehrmals tauchten sie ab und wir konnten ihre gigantischen Schwanzflossen aus dem Wasser ragen sehen. Dann geschah aber das Unglaubliche: ein Wal näherte sich bewußt dem Schiff und unterschritt drastisch die vorgeschriebene Schutzsicherheitszone (der Kapitän sagte ganz aufgeregt durchs Mikrophon: "Sie haben doch genau gesehen, daß der Wal auf uns zugekommen ist und nicht wir auf ihn zugefahren sind"). Das riesige Tier legt sich nun so auf die Seite, daß sein sehr tief unten am Kopf angebrachtes Auge aus dem Wasser schaute und er uns auf dem Schiff ganz genau betrachten konnte. Wer beobachtete eigentlich wen? Nachdem er genug gesehen hatte, tauchte er ohne Hast wieder ab. Wir waren einfach sprachlos. Wir hatten zwar keinen sensationell hoch aus dem Wasser springenden Wal gesehen, waren aber mehr als entschädigt!
Mir schossen wieder die Bilder aus dem Bishop Museum ins Gedächtnis, in dem in drastischen Darstellungen der Walfang im 19. Jht. dargestellt war. Immerhin hatte man es zu der Zeit fast geschafft, die Wale in den Weltmeeren auszurotten. In mir entwickelte sich eine unvorstellbare Wut auf Länder wie Japan und Norwegen, die unter fadenscheinigen Begründungen diese majestätischen Säugetiere heute noch abschlachten!

Pearl Harbor! Wer kennt nicht diesen Begriff oder erinnert sich an den Film "Verdammt in alle Ewigkeit" mit Burt Lancaster und Frank Sinatra? Pearl Harbor steht für den japanischen Überfall auf die im Hafen von Honolulu liegende amerikanische Kriegsflotte und den damit provozierten Eintritt der USA in den 2. Weltkrieg 1941. Pearl Harbor ist an sich ein riesiger Naturhafen, um welchen herum die Stadt Honolulu entstand. An der östlichen Seite des Hafens befindet sich heute das Arizona Memorial Visitor Center, in dem man - sehr patriotisch eingefärbte - Informationen über den Angriff auf Pearl Harbor erhält. U.a. wird auch ein Dokumentarfilm des Angriffes gezeigt. Im Anschluß daran erreicht man mit einer Fähre das U.S.S. Arizona Memorial, eine weiße Gedenkstätte, die über dem versunkenen Schlachtschiff Arizona errichtet wurde, welches in nur geringer Tiefe im Hafenbecken liegt. Mit dem Schiff waren seinerzeit 1177 Seeleute ums Leben gekommen. Zu unserem großen Erstaunen roch nicht nur die Wasseroberfläche über dem Wrack nach Öl, man sah auch deutlich schimmernde Ölflecken auf dem Wasser. Auf meine Nachfrage hin wurde mir berichtet, daß das Öl in kleinen Mengen immer noch aus dem Wrack aufsteige, ein Abpumpen aber nicht möglich sei.