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Die Halbinsel Reykjanes

Vogelklippen am Hafnaberg An mehreren Tagen besuchten wir die Halbinsel Reykjanes, auf der auch der Flughafen Keflavik liegt. Erstes Ziel war der im Reiseführer als Attraktion beschriebene Vogelfelsen Hafnaberg an der Westküste. Er zählt zu den größten auf Island und dort wollte ich endlich einmal die vielbeschriebenen Papageientaucher beobachten. Allerdings wurde im Reiseführer schon von einer 40minütigen Wanderung zum Felsen gesprochen. Diese "Wanderung" stellte sich als Gewaltmarsch durch ein staubiges, völlig vegetationsloses Lavafeld heraus. Marsch zum HafnabergAls wir endlich völlig verschwitzt unser Ziel erreicht hatten, waren wir maßlos enttäuscht. Es gab zwar Unmengen an Möven, von Papageientauchern war aber weit und breit nichts zu sehen. Hinzu kam, daß die Klippen extrem hoch und steil ins Meer abfielen und man nur unter Lebensgefahr an den Rand gekonnt hätte. Dafür hatten wir uns abgestrampelt?
Bruecke über die KontinenteViel interessanter fand ich den Stop an der "Brücke über die Kontinente" etwas weiter südlich. Dort sieht man die amerikanische und europäische Kontinentalplatte, die auseinanderdriften und für den Vulkanismus auf Island verantwortlich sind. Nicht weit entfernt findet sich auch bei Skálafell ein Gebiet, wo geothermale Wärme genutzt wird.

Über eine Schotterpiste ging es weiter bis zum Fischerhafen Grindavík, der nicht viel Sehenswürdigkeiten zu bieten hatte. Wir entschlossen uns zur Weiterfahrt über die nun doch sehr rauhe Schotterpiste 427 entlang der Südküste. Vogelklippen von FestarfjallZu meinem großen Ärger führte die Piste bis direkt unterhalb der Vogelklippe Festarfjall, von wo aus man nicht nur einen phantastischen Blick auf das Meer und den schwarzen Lavastrand, sondern auch auf das Vogelleben hatte. Wir hätten uns den Gewaltmarsch zum Hafnaberg wirklich sparen können! Die Fahrt mit einem normalen Wagen war teilweise recht grenzwertig, trotzdem streckenweise sehenswert. Interessant war die Besichtigung des Geothermalgebietes Seltún an der Straße 42. Das kleine Areal ist mit Gehwegen erschlossen und führt durch kochende Schlammtöpfe, Solfatare und Dämpfe. Auch hier gab es eine Erklärungstafel auf Englisch.
Wir entschlossen uns, nicht der nach Norden führenden 42 zu folgen, sondern die südliche Route nach þorlákshöfn zu nehmen. Das Fahren auf dem Schotter war die ersten 24 Km hier ebenfalls ziemlich grenzwertig, weil die Bodenwelle in der Mitte des Weges recht hoch war. Man fährt durch karges Lavaland, hat hier und da rechts einen Blick auf das Meer. Weit und breit war kein Mensch zu sehen. Nach langem Kurven sichteten wir einige Ferienhäuschen an der Lagune Hlíðarvatn und dann die bekannte Strandarkirkja. Ab dort wurde die Schotterpiste erheblich besser und führte über immerhin 18 Km nach Nordosten, vorbei an Schafsweiden, wo sich die Muttertiere mit ihren neu geborenen Lämmern in der Sonne tummelten.

An einem anderen Tag fuhren wir die 39 von Reykjavik nach Süden, um uns þorlákshöfn anzuschauen, wofür auf der anderen Tour keine Zeit war. þorlákshöfn Bekannt ist der Ort dafür, daß von hier die Fähre auf die Westmännerinsel ablegt und auch für den sehr guten Hafen. Als wir dort waren, entlud gerade ein kleiner Kutter unzählige Kisten von in Eis gelegten Fisch. Auf dem Weg zum 1400 Seelen-Ort durchquert man das rauhe Lavagebiet am Fuße des Geitafell. Spannend war der Stop bei Raufarhólshellir, einer über 1 Km langen, unterirdischen Lavahöhle. Lavastrukturen Ein Stück weiter, schon in Sichtweite von þorlákshöfn finden sich interessante Lavastrukturen. Offenbar war heiße Lava unter einer abgekühlten Decke hergeflossen und hatte diese zu aufgerissenen Hügeln aufgetürmt.
EyarbakkiWir fuhren dann über die asphaltierte 34 von þorlákshöfn nach Eyarbakki. Die Straße führte über eine lange Brücke und ermöglichte eine gute Sicht über die schwarzen Lavastrände. Eyarbakki hat heute nur nur 550 Einwohner, war früher auch Fischerort, zeichnet sich heute aber in erster Linie durch historische pittoreske Holzhäuser aus. Leider war Museum im Mai noch nicht geöffnet.

Die Rückfahrt führte uns wieder in der Richtung der Ringstraße 1. Geo-Thermalnutzung Kurz vor der Einmündung der 39 auf die 1 gibt es auf der rechten Seite einen Bereich, an dem an verschiedenen Stellen geothermale Energie gewonnen wird. Kleine Bohrlöcher sind durch futuristisch aussehende Kugelbauten geschützt, aus deren Dach laut zischend der Überdruck entweicht. An anderen Stellen sind größere Gebäude errichtet. Eigentlich war das Betreten des Geländes verboten, aber an dem Sonntag wurde nicht gearbeitet, so schauten wir uns um...

Selbstverständlich besuchten wir auch die angeblich bekannteste Attraktion Islands, die Blaue Lagune (Bláa Lónið) bei Grindavík. An der 43 befindet sich ein großes Geothermalgebiet, welches durch ein großes Kraftwerk erschlossen ist. Blaue LaguneIst dem Wasser die meiste Wärme entzogen, leitet man es in das Schwimmbad der Blauen Lagune weiter. Der Name stammt von dem strahlend blauen Wasser, der durch den salzigen Untergrund noch blauer wirkt. Dem Wasser wird heilende Wirkung u.a. bei Neurodermitis zugeschrieben. Die ganze Anlage liegt inmitten eines tristen Lavafeldes und bildet einen starken Kontrast zur Umgebung. Man kann auch ohne Eintritt zu bezahlen um das Areal wandern und es sich anschauen. Die Wassertemperatur beträgt immerhin noch 37-39 Grad C und führt an kalten Tagen zu einer starken Dampfentwicklung. Angeboten werden zahlreiche Wellnessprodukte und es gibt auch noch ein Motel in der Nähe.

Viking VillageEinen Tag fuhren wir auch nach Hafnafjödur (gesprochen Hapnafjördur), südlich von Reykjavik gelegen. Dieser historische Ort wurde schon von den Hansekaufleuten genutzt und auch heute noch gibt es einen recht großen Hafen in der 20.000 Einwohner Stadt. U.a. sahen wir einige große Fischtrawler aus Rußland an der Kaimauer. Man bemüht sich deutlich um Touristen und so gibt es ein kitschiges Wikingerdorf mit Themenrestaurant und Folklore im Sommer. Interessanter fand ich den Besuch des Volkskundemuseums (Byggðasafn Hanfnarjarðar) am Hafen in den ältesten Häusern der Stadt. Hier bekommt man einen hervorragenden Einblick der rasanten Entwicklung der Stadt und Islands überhaupt. Volkskundemuseum Sehr schön ist auch ein Spaziergang durch den Park Hellisgerði, der mit Bäumen bewachsen ist - eine echte Attraktion im kargen Island. Es gibt sogar eine mit hohem Zaun und Kameras gesicherte Bonsaisammlung. Angeblich die nördlichste der Welt. Allerdings hatten einige der Bäumchen schon den Geist aufgegeben oder kränkelten...

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