Nachdenklich machte ich mich wieder auf dem Weg. Nach den schrecklichen Gedanken im Museum war mein neues Ziel nun der Krakauer Markt (Krakivs'kji rynok) an der vul. Bazarna, dem größten Markt der Stadt mit unzähligen Marktständen und unschlagbar günstigen Preisen. Auch hier gab es diverse Stände, an denen man die traditionellen bestickten Blusen kaufen konnte, die ich gestern bei den vielen Schulkindern gesehen hatte. Wie man mir sagte, trägt man am ersten Schultag Tracht. An den Markt angeschlossen ist eine Markthalle im noch typisch sowjetischen Design, in dem Fleisch verkauft wird.
Bereits vom Markt aus konnte ich die imposante Kuppel des ehemaligen jüdischen Spitals sehen, welches mein nächstes Ziel war. Das imposante Gebäude von 1901 ist ein Paradebeispiel für maurische Elemente in jüdischen Gebäuden - insbesondere die an eine Moschee erinnernde Kuppe mit verschiedenfarbigen Dachziegeln. An der Fassade kann man noch die polnische Inschrift "Szpital" erahnen. Auch heute noch befindet sich im Gebäude ein Krankenhaus.

Ich folgte der vul. Leontovycha, passierte die aus roten Ziegeln erbaut alte Mittelschule (1884) und bewegte mich damit mitten im ehemaligen jüdischen Viertel. Schnell hatte ich die vul. Horondotska erreicht. Hier zieht sich eine lange, dreistöckige Fassade des Lemberger Untersuchungsgefängisses hin. Auf dem Dach zeugen Stacheldrahtrollen und Wachtposten von der immer noch aktiven Nutzung des Gebäudes, welches unter dem Namen Brygitky einen notorischen Ruf erhielt.

Als die Nazis im Juni 1941 die Sowjetunion überfielen, transportierte der NKWD (Geheimpolizei des sowjetischen Innenministeriums) Gefängnisinsassen entweder Richtung Osten oder exekutierte sie gleich vor Ort. In Lemberg erschossen vom 22.-28. Juni 1941 die sowjetischen Wachtmannschaften sämtliche Insassen des Brygitky-Gefängnisses. Als am 30.6. deutsche Truppen in die Stadt einzogen, lebte keiner der Gefangenen mehr. Vor dem Hintergrund war es wenig verwunderlich, daß die Lemberger die Deutschen als Befreier von der sowjetischen Herrschaft feierten. Allerdings brach sich nun auch der tief sitzende Antisemitismus der ukrainischen Bevölkerung Bahn. Da bei der Sowjetisierung der neuen Gebiete ab 1939 zahlreiche Juden aktiv gewesen sein sollten, setzte man in antisemitisch eingestellten Kreisen Juden mit Kommunisten gleich. Zudem wollte man sich mit den deutschen Eroberern gut stellen in der Hoffnung auf einen ukrainischen Nationalstaat unter deutschem Schutz. Unter den Augen des SD wurden Juden innerhalb von drei Tagen (bis 3. Juli 1941) von der schnell formierten ukrainischen Miliz zusammengetrieben und gezwungen, die Massengräber im Brygitky Gefängnis freizulegen und die leichengefüllten Gefängniskeller zu räumen. Bei dieser Gelegenheit plünderte der Pöbel jüdische Häuser und Wohnungen und anschließend wurden ca. 4.000 Juden ermordet. Die deutsche Propaganda filmte mit Freude den Straßenterror, der genau in ihr Konzept paßte (die grausamen Filme sind heute auf Youtube aufrufbar).

Am nächsten Tag traf ich mich wie verabredet mit meiner neuen Bekannten aus dem Museum. Bohdana promoviert in Geschichte und war begeistert, mit mir eine Tour in die dunkle Geschichte Lembergs zu unternehmen, als sie festgestellt hatte, daß ich mich u.a. auch besonders in Hinblick auf das Janowska Lager vorbereitet hatte.
Los ging es mit der Straßenbahn vom Stadtzentrum aus. Man bezahlt 5 Griwna (15 Cent) für eine Fahrt innerhalb der Stadt und für meine Begleiterin war das teuer. In Kiew würde die Fahrt sogar 8 Griwna kosten (also 24 Cent), erzählte sie mir. Vor diesem Hintergrund verwundert es nicht, daß es in der Ukraine Geldscheine in der Höhe von 1 Griwna (= 3 Cent) gibt! Man bezahlt beim Straßenbahnfahrer oder reicht das Geld quer durch den Wagen zum Schaffner oder Fahrer nach vorne durch. Sofort danach werden Ticket und Wechselgeld wieder zurück durch den Wagen gereicht. Sehr wichtig bei den Fahrten ist, die Tickets mit einem mechanischen Lochsystem an der Wand zu entwerten.

Nach einer recht langen und holperigen Fahrt in die Vorstadt erreichten wir die Endstation, an der sich das Arbeitslager befunden hatte und wo nun nach einem sowjetischen Intermezzo ein ukrainisches Gefängnis ist.

Das Zwangsarbeiterlager Janowska

Das Zwangsarbeiterlager Janowska bestand von 1941 bis 1944 und entwickelte sich nach kurzer Zeit zum Vernichtungslager. Erstaunlicherweise ist die Existenz des Lagers einer breiteren Öffentlichkeit in Deutschland (und der Ukraine!) zumeist nicht bekannt.
Aus diesem Grunde widme ich dem Lager hier ein eigenes Kapitel.

Bohdana hatte diverse Bilder vorbereitet. Unglaublicherweise existiert bis heute am ehemaligen Eingang das alte Bürogebäude des Lagers samt Kopfsteinpflaster. Mit Hilfe des alten Photos war es ganz klar zu identifizieren und sogar noch zwei der ehedem kleinen Bäume sind heute - mit merklich dickerem Umfang - noch vorhanden.
Wir gingen weiter entlang der Mauer des heutigen Gefängnisses. Bei einem Gebäude gingen wir in den Hinterhof. War das Gebäude vorne verändert worden, war es hinten noch original. Es war eines der Wohnhäuser des SS Personals gewesen. Heute wohnen hier Tür an Tür die jetzigen Wachmannschaften des Gefängnisses und die gerade entlassenen Gefangenen.

Der Weg, den wir entlang der Gefängnismauer gingen, ist exakt der gleiche wie zu Zeiten des Arbeitslagers.
Meine Begleitung war sich nicht ganz sicher wie es weitergehen sollte und fragte einige passierende Frauen. Demnach mußten über eine Eisentreppe eine Betonmauer überwinden, uns den steilen Hügel über einen Trampelpfad hocharbeiten und erreichten dann nach geraumer Strecke einen Ausläufer des Lemberger Friedhofes. Durch tiefstes Unterholz, der Pfad führte herauf und hinunter, arbeiten wir uns immer weiter voran. Wenig vertrauenswürdig war die Aussage meiner Begleitung, daß sie erst einmal hier gewesen sei! Schließlich erreichten wir dann doch einen Aussichtspunkt hoch über dem Gefängnis und mit Blick über die Stadt. Nach einer weiteren abenteuerlichen Kletterei erreichten wir schließlich auf der dem Lager abgewandten Hügelseite Stellen, an denen zahlreiche Gruben ausgehoben worden waren. Hier hatte die sowjetische Untersuchungskommission im Juli 1944 nach der Einnahme des Lagers an unzähligen Stellen Bereiche gefunden, an denen die Asche der verbrannten Gefangenen vergraben worden war. Somit befanden wir uns mitten im sogenannten Valley of Death, Piaski ("Sand") genannt. Zur Zeit der deutschen Besetzung war die Hügellandschaft nur durch niedrige Vegetation bewachsen, es gab keinerlei Bäume. In der Nachkriegszeit hatte sich aber ein Wald ausgebreitet, der den Überblick und unsere Suche extrem erschwerte. Somt fanden wir auch erst nach einigem Suchen das Zentrum des Treibens seinerzeit: eine steile Vertiefung, mittlerweile völlig überwuchert. Hier waren die Insassen des Lagers liquidiert und auf riesigen Stapeln verbrannt worden. Hier waren auch die Leichen aus den geöffneten Massengräbern im Tal durch das aus jüdischen Häftlingen bestehenden Sonderkommando 1005 verbrannt worden.

Stumm und sprachlos machten wir uns auf uns auf dem Weg zurück. Bohdana sagte, wir würden versuchen, eine illegale Abkürzung über das Gefängnisareal nehmen. Ganz wohl war mir nicht bei dem Gedanken, über ein ukrainisches Gefängnisgelände zu laufen - vertraute aber meiner Begleiterin. Es ging durch einen tiefen Geländeeinschnitt, jetzt genutzt als wilde Müllkippe des Gefängnisses. Dies war der Weg, den die zum Tode bestimmten Menschen vom Lager zu den Piaski hatten zurücklegen mußten. Irgendwo hier mußten sie sich vor der Exekution ausgezogen haben….
… wir näherten uns dem Gefängnisgelände, genauer gesagt dem Außenbereich. Dummerweise waren hier mehrere Leute beschäftigt. Bohdana sprach den Aufseher an - der mich mißtrauisch beäugte - uns aber dann doch durchwinkte. Wir passierten eine der alten Straßenbahnen, mit denen die Gefangenen seinerzeit in die Stadt zur Arbeit gekarrt worden waren. Leider konnte ich aus verständlichen Gründen kein Photo machen. Nun standen wir auch noch vor einem verschlossenen Tor - glücklicherweise waren wir schlank genug, um darunter her zu kriechen.

Anschließend umrundeten wir das gesamte Gefängnisareal, um die kleine Gedenkstätte neben der Gefängnismauer zu besuchen. An der direkt vorbeiführenden Hauptstraße findet sich kein Hinweis darauf, wo man abbiegen muß. Die Gedenkstätte im Bereich des ehemaligen Frauentraktes des Lagers wurde auch bezeichenderweise nicht von offizieller Seite, sondern gegen große Widerstände in der Stadt 2003 vom ehemaligen Lagerinsassen Dr. Alexander (Aleksander) Schwarz (zuletzt wohnhaft in München) errichtet. Ein Schild in Ukrainisch und Englisch und ein Gedenkstein errinnern an die Opfer des Janowska-Lagers. Ganz allmählich scheint sich allerdings die Erinnerungskultur in Lemberg in Bezug auf die Jahre 1941-44 zu ändern. Ein Zeichen dafür ist die Errichtung des Ghetto-Museums sowie die Tatsache, daß wenige Tage vor meinem Besuch an eben der Janowska-Lager Gedenkstätte eine Gedenkveranstaltung stattgefunden hatte, an denen auch die Kinder von Herrn Schwarz teilgenommen hatten.

Bohdana fragte mich, ob ich Interesse an der Besichtigung ihrer Universität hätte. Selbstverständlich! Also ging es zurück in die Stadt mit der Tram, von dort aus lange zu Fuß über die Ivan Franko Straße bis in den Park der Kulturen im Süden der Stadt. In diesem befindet sich ein sowjetisches Ehrenmal - von der Stadtverwaltung Lemberg komplett umzäunt und unzugänglich. Dies ist der Ausdruck des riesigen Hasses der hiesigen Bevölkerung auf das russische Erbe, welches ich ausführlich mit meiner Begleitung diskutierte.
Nach einem weiteren langen Gang erreichten wir schließlich die Universität, genauer gesagt die Nationale Katholische Universität, gebaut auf der grünen Wiese sozusagen - nagelneu und nach dem allerneuesten Stand der Technik. Stolz führte mich Bohdana durch die Gebäude. Hier bleiben keine Wünsche offen! Unterrichtssprache ist Englisch und man versucht, wie auch schon in Polen, ausländische Studenten anzuziehen. Lerngruppen sind nur etwa sieben Personen groß und das Lernen ist mehr als intensiv. Auf so eine Uni konnte meine Begleitung wahrlich mehr als stolz sein. Und welch' einen Kontrast bildete der Komplex zu den heruntergekommenen Gebäuden in der Stadt.
Bohdana begleitete mich dann noch zum nahegelegenen Ivan Franko Museum. Franko ist der Nationaldichter der Ukraine und sein Wohnhaus wurde zu einem Museum umgestaltet. Das Museum zeigt zahlreiche seiner Werke und gibt auch einen Einblick in die multikulturelle Gesellschaft des Habsburger Reiches, wenn man sich die persönlichen Dokumenten des Schriftstellers in den verschiedenen Sprachen betrachtet (darunter zahlreiche Zeugnisse auf Deutsch).
Da Bohdana noch an einem Unikurs teilnehmen mußte, fuhr ich mit dem Bus zurück den langen Weg in die Stadt. Auch hier interessant zu sehen war, daß in der Fahrertür ein Kontrolleur sitzt und man entweder die 5 Griwna Fahrpreis in das Körbchen neben dem Fahrer wirft oder es dem Kontrolleuer gibt. Oder es wird, wie in den Trams, von ganz hinten von Person zu Person durchgereicht. Das System funktioniert erstaunlicherweise reibungslos.

Am nächsten Tag war das Wetter umgeschlagen. Statt der großen Hitze waren es nur noch 19 Grad und es nieselte leicht. Nach anfänglichem Zögern entschloß ich mich doch zu einem Besuch des etwas außerhalb gelegenen Freilichtmuseums.

Los ging es zu Fuß zum Rynok, dort in die komplett überfüllte Straßenbahn 2. Trotz des Massenandrangs funktionierte das Kaufen der Tickets und das Hin - und Herreichen von Fahrkarte und Wechselgeld von Person zu Person quer durch die ganzen Wagen.
Nun hatte ich das Problem nicht zu wissen, wo ich aussteigen mußte. Einzig klar war, daß es schon ziemlich außerhalb der Stadt sein mußte. Sehen konnte ich vor lauter Menschen nichts…. Irgendwann wurde die Bebauung etwas lockerer und auf gut Glück stieg ich an der nächsten Haltestelle aus. Nun mußte ich mich orientieren. Der Versuch, mit dem ukrainischen Stadtplan eine Passantin zu befragen "Museo??"- scheiterte. Aber die Kirche, wo der Weg zum Museum anfing, kannte sie. Also mußte ich zurückmarschieren. Die im Reiseführer eingezeichnete Straßenbahnhaltestelle direkt an der Zuwegung zum Museum gab es nämlich nicht…. Endlich hatte ich die Krupiarska Straße gefunden. Nun hieß es sicherlich noch 15 Minuten den Berg hinauf gehen, bis ich endlich beim "Museum für Volksarchitektur und Lebensweise" ankam. Das Gelände ist riesig, 60 Hektar Waldfläche, und darin verteilt stehen zahlreiche dörfliche Holzbauten und Kirchen aus der gesamten Westukraine. Das Areal ist unterteilt in geographische Bereiche der Siedlungsgebiete (z.B. Bukowina) und nach Volksgruppen (z.B. Huzulen) und vermittelt einen hervorragenden Eindruck vom damaligen Leben in der Region. In einigen Häusern wurden Handwerkskünste demonstriert. Zur Zeit meines Besuches mitten in der Woche waren nicht sehr viele Besucher anwesend, dies wird aber an Wochenenden anders sein. Das Museum ist sehr sehenswert, man sollte allerdings die Größe des Geländes nicht unterschätzen und sehr gut zu Fuß sein, denn es gibt eine extrem steile Kletterpassage durch einen Flußeinschnitt. Viele Beschriftungen sind dankenswerterweise auf Englisch und der Eintrittspreis beträgt nur 60 Griwna (1,80 €).

Zurück ging es wieder mit der Straßenbahn in die Stadt. Da die Haltestelle nicht der Rynok, sondern der Svobody Prospekt war, entschloß ich mich, zu Fuß nach Süden zu laufen. Ziel war die Kopernikussraße. In der dortigen historischen Apotheke leuchtete im Frühjahr 1853 die erste Petroleumlampe der Welt. Gegenüber beeindruckt das massive Gebäude der Ukrainischen Nationalbank von 1914. Folgt man der Straße, passiert man den ehemaligen Palast des Grafen Potocki im Stil des frühen französischen Klassizismus. Nur ein Stück weiter, an der Ecke Kopernikus/ St. Bandery Straße, steht ein großes Gebäude mit unsäglicher Geschichte: das Lonzki-Gefängnis.

Den Eingang in das heute als Gedenkstätte genutzte Haus erreicht man von einer unscheinbaren Nebenstraße aus. Das Gefängnis wurde bis 1890 unter österreichischer Herrschaft erbaut, anschließend von den Polen und schließlich vom NKWD benutzt. Wie auch im Brygitky-Gefängnis wurden mit dem Einmarsch der Deutschen in die Sowjetunion alle 1.681 Häftlinge erschossen. Während der deutschen Besatzung Lembergs wurde das Gebäude als Untersuchungsgefängnis des Sicherheitsdienstes SD genutzt und der Innenhof mit Grabplatten des jüdischen Friedhofes gepflastert (die restlichen Platten wurden zur Pflasterung einer Straße im Lager Janowska verwendet). Von 1944 bis zur ukrainischen Unabhängigkeit residierten im Gebäude wieder NKWD bzw. KGB und von 1991 bis 1996 war das Gebäude ein Gefängnis des ukrainischen Innenministeriums. Ab 2009 wurde es eine nationale Gedenkstätte.

Betritt man das Gefängnis, ist es fast unvorstellbar, daß es bis 1996 benutzt wurde: abgestoßene, grün getünchte Wände und winzige Zellen mit massiven Bettgestellen aus Eisen vermitteln ein Bild wie vor 100 Jahren. Man darf sich gar nicht vor Augen führen, was in der "Verhörzelle" vor sich gegangen ist! Allerdings ist die Gedenkstätte auch ein Teil der heutigen ukrainischen Erinnerungskultur, denn die Ausstellung hat eine ganz klar anti-russische Stoßrichtung. In einer Zelle läuft ein Video, welches das Auffinden der durch den NKWD Getöteten und deren Identifizierung durch die Lemberger Bevölkerung zeigt (sinnigerweise wurden die Aufnahmen 1941 von der deutschen Propagandakompagnie aufgenommen!). Die Zelle daneben wurde zu einem Schrein der Sowjetpropaganda umgeformt - und in der Mitte des von roten Fahnen dominierten Raumes steht ein eisernes Bettgestell.
Die "Deutsche Zeit", die nicht minder grausam war, wird eher en passant in einem Poster erwähnt. Äußerst ungern wird in der Ukraine an diesen Zeitabschnitt erinnert, denn schnell wird die unbequeme Frage der Kollaboration aufgeworfen (die übrigens von den pro-russischen Kämpfern in der Ostukraine gerne instrumentalisiert wird).

Nun suchte ich die ehemalige Zitadelle, eine Habsburger Befestigungsanlage an der Grabovskoho Straße, da es aber schon recht spät war und ich nicht fündig wurde, ging ich weiter. Bald darauf fiel mir ein exzellent renoviertes, imposantes Gebäude von der Jahrhundertwende auf der linken Straßenseite ins Auge. Verstehen konnte ich die Inschrift am Gebäude erst nach der Rückkehr in meine Wohnung: "Militärischer Medizinischer Dienst des SBU in der Region Lviv" (SBU= ukrainischer Geheimdienst).

Nur wenige Schritte weiter stand ich vor einem riesigen Gebäudekomplex aus den 1930er Jahren an der vul. Vitovskoho. Dies Gebäude ist denkwürdig, denn hier hatte der NKWD residiert. 1941 zog die Dienststelle des KdS (Kommandeur der Sicherheitspolizei und des SD [Sicherheitsdienst]), hier in die Herbststraße 55. Mithin war in dem Gebäude also auch die Gestapo untergebracht. Genauso wie im Janowska-Lager und Lonzki-Gefängnis gibt es bei dem Gebäude eine erschreckende Kontinuität. Nach dem Abzug der Deutschen übernahm wieder der NKWD / KGB das Gebäude und heute residiert hier der SBU!