Nachtrag zu einer Reise vom Dez. 2010 - Jan. 2011
Im Dezember 2010 sollte es erneut zum Urlaub nach Mauritius gehen. Zwischenzeitlich hatte nicht nur in Deutschland, sondern in ganz Europa einer der härtesten Winter seit Jahrzehnten eingesetzt. Selbst die großen, internationalen Flughäfen wie London Heathrow und Paris Charles de Gaulle hatten tagelang geschlossen und die Straßenverhältnisse waren eine Katastrophe.
Unser Flug ging wieder von Düsseldorf nach Paris und von dort sollte es weitergehen in die Tropen. Glücklicherweise erwischten wir einen der wenigen Tage, an denen die Autobahn gut geräumt war und erreichten pünktlich Düsseldorf. Auch der Air France Zubringerflug nach Paris war pünktlich. Am Flughafen Charles de Gaulle hingegen herrschte noch Chaos. Der Flughafen war einige Tage komplett bzw. zeitweise geschlossen gewesen und am Tag unserer Anreise den ersten Tag wieder geöffnet. Es wimmelte von Menschen, die "hängengeblieben" waren, die Anzeigetafeln wurden nicht aktualisiert und die Flieger hatten Verspätung - so auch unserer. Großzügig sahen aber alle Passagiere darüber hinweg, einfach glücklich darüber, überhaupt wegfliegen zu können. Sie sahen auch über das Faktum hinweg, daß die Boeing 747 der AF auf einem Außenfeld geparkt war, man uns bei Minusgraden 30 Minuten auf dem Rollfeld auf den Bus warten ließ und das Besteigen über Treppen erfolgte. Endlich konnten wir das eiskalte Europa hinter uns lassen! In gut 11 Stunden Nachtflug ging es über den afrikanischen Kontinent immer weiter nach Süden.
Mit Verspätung erreichten wir gegen 8 Uhr morgens Mauritius. Die Zollabfertig ging gewohnt zügig. Probleme gab es beim Finden des vorab bestellten Taxis, welches uns zum Hotel bringen sollte. Nach vielem Suchen fanden wir schließlich den Fahrer und wurden über die Motorway gen Norden gebracht. Dem ersten Augenschein nach hatte sich nicht viel auf der Insel in den letzten fünf Jahren geändert, nur die Autobahn wurde auf dem nördlichen Stück aufwendig erneuert.
Das Royal Palm Hotel, welches wir auch diesmal wieder gebucht hatten, präsentierte sich in gewohnt exzellenter Qualität. Einziger Wermutstropfen war, daß unsere Suite diesmal im ersten Stock lag und nicht, wie gewünscht, im Erdgeschoß.
Da mir in der ersten Woche noch kein Leihwagen zur Verfügung stand, verbrachte ich die meiste Zeit am Strand. Nach wie vor bestand das Angebot, kostenfrei die zahlreichen Wassersportangebot zu nutzen. Besonders attraktiv war dies dadurch, daß man auch Unterricht nehmen konnte. Bereits Zuhause hatte ich mir vorgenommen, diesmal Wasserski und Segeln zu lernen. Also nahm ich fortan pro Tag eine Stunde Segelunterricht auf einem recht großen Katamaran, und zweimal täglich fuhr ich Wasserski. Bei letzterer Sportart zeichneten sich schnell Erfolge ab. Nach kurzer Zeit konnte ich enge Kurven fahren und schließlich auch die Wellenkämme hinter dem Boot queren. Daneben stand natürlich auch noch ausgiebiges Schwimmen in dem 30° warmen Wasser auf dem Programm.
Abends aßen wir im Restaurant Natureaty des Hotels, welches wirklich Gourmetqualität hat.
Sehr schön war auch wieder die Silvesterfeier im Hotel. Von einem Ponton im Meer vor dem Hotel wurde ein sehr großes Feuerwerk gezündet, was im Wasser reflektierte. Erneut kam es auf der ganzen Insel auch wieder zu zahlreichen Buschbränden durch die von den Einheimischen gezündeten Feuerwerkskörper, so auch in Sichtweite des Hotels. Die Mauritianer nahmen es gelassen, das sei schließlich jedes Jahr so, sagten sie uns.
Ab der zweiten Woche war ich dann "mobil" und diverse Besuche in Grand Baie standen auf dem Programm. Wie schon vor fünf Jahren herrschte in dem Ort um diese Jahreszeit absolute Hochsaison und der Verkehr brach in schöner Regelmäßigkeit zusammen. Da ich bereits bei der vorherigen Reise die Insel intensiv erkundet hatte, blieb mir bei dem diesmaligen Aufenthalt nicht so sehr viel Neues zu entdecken. Ich befuhr erneut die sehr schöner Küstenstraße Richtung Cap Malheureux, wobei mir auffiel, daß der Staat (endlich!) Geld in eine Verbesserung der Straßenbeschilderung gesteckt hatte. Auch wurde an einer Umgehungsstraße für die vor dem chronischen Verkehrsinfarkt stehende Stadt Goodlands gebaut. Immer wieder schön anzusehen auf der Insel sind die zu britischer Kolonialzeit erbauten Kirchen. Besonders sehenswert ist die von 1847 in Poudre d'Or (Ste. Philomen) inmitten von Zuckerrohrfeldern.
Neu zu besichtigen war das vor einigen Jahren renovierte Château de Labourdonnais bei Mapou. Es war der von 1858 stammende Herrensitz der dänischen Familie Wiehe, deren Ursprünge aber in Deutschland lagen. Dem nunmehr als Museum genutzten Herrenhaus ist ein tropischer Garten angeschlossen sowie eine Rumdestillerie, denn als Hauptprodukt wurde bis 1960 Zuckerrohr auf der Domäne angebaut. Nach Stillegung der Zuckerfabrik wurden auf gut 50 Hektar tropische Früchte angebaut. Sowohl Früchte als auch die daraus gewonnenen Produkte wie Marmelade und Fruchtsaft kann man in einem dem Haus angeschlossenen Geschäft verkosten und kaufen.
Erneut befuhr ich auch die westliche Küstenstraße Richtung Trou aux Biches, wo sich ein naturbelassener Sandstrand an den anderen reiht. Hier werden wirklich Südseeträume wahr!
Einen guten Einblick in den Charakter des Inselinneren bekommt man bei einer Fahrt von Pamplemousses nach Osten. Das Château des Villebague war nach wie vor in Privatbesitz und nicht zu besichtigen. Immer wieder spektakulär ist die Fahrt durch die sich anschließende Allee von Eukalyptusbäumen. Nach längerer Fahrt erreichte ich die größere Stadt Centre de Flacq, in der am heutigen Sonntag gerade ein großer Markt stattfand, den ich besuchte. Immer wieder eindrucksvoll ist es, die Vielfalt der auf der Insel angebauten tropischen Früchte zu sehen. Die Rückfahrt führte mich über Poste de Flacq mit seinem direkt am Wasser gelegenen riesigen Hindutempel. Im Landesinneren sah ich dann auch noch eine sehr große Zuckermühle, die jetzt, außerhalb der Erntezeit, nicht in Betrieb war.
Da ich ja auf Kolonialgeschichte spezialisiert bin, besuchte ich erneut auch die südlich der Hauptstadt Port Louis gelegene Maison Eureka. Leider war die Beschilderung hier nach wie vor schlecht, so daß ich mich mehrfach verfuhr. Nichtsdestotrotz ist die Villa immer einen Besuch wert. Anschließend fuhr ich über die Autobahn weiter nach Süden in die große Stadt Curepipe. Hier wollte ich den Carson Tea Estate besuchen, verfuhr mich aber mangels Beschilderung hoffnungslos in der Stadt. Mithilfe von netten Tankstellenangestellten und Besuchern und einer fast babylonischen Sprachverwirrung mit Kreol, Französisch und Englisch wurde mir ein Weg aus der Stadt beschrieben. Entnervt begab ich mich wieder auf die lange Fahrt nach Norden.
Resümee: Mauritius ist eine phantastische Strandurlaubdestination. Es gibt hervorragende Hotels, das Wasser ist mit 30 Grad enorm warm und überall kristallklar. Durch das vorgelagerte Riff gibt es kaum Wellengang, was den Wassersport enorm erleichtert. Die Lufttemperatur schwankte während unserer Aufenthalte zwischen 28 und 32 Grad, wobei es buchstäblich aus heiterem Himmel zu 5-minütigen, extrem heftigen Tropenschauern kommen kann. Da aber immer ein angenehmer Wind weht, sind die Temperaturen gut auszuhalten. Weihnachten steht die Sonne über Mauritius im Zenit und ist von unglaublicher Intensität. 15 Minuten pralle Sonne reichen und man ist komplett verbrannt.
Die Menschen auf der Insel sind extrem freundlich und kommunikativ, ohne aufdringlich zu sein. Wir haben nicht einmal negative Erfahrungen gemacht und von Kriminalität keine Spur gesehen. Von großem Vorteil sind Französischkenntnisse, weil das von den Einheimischen besser als Englisch beherrscht wird.
Auf der Insel gibt es nicht so fürchterlich viel zu sehen. Die Orte gleichen sich ziemlich und Zuckerrohr bestimmt die Landschaft. Es gibt die eine oder andere Touristenattraktion, wobei man wirklich nicht zu viel erwarten sollte. Gefahren wird auf der linken Seite, die Straßen sind oft schlecht, wobei zahlreiche Straßen mittlerweile erneuert wurden. Auch die Beschilderung, 2005 noch abenteuerlich, war sichtbar verbessert worden. Trotzdem benötigt man eine detaillierte Straßenkarte (und möglichst einen Beifahrer, der dirigiert). Wenn man sich umschaut, kann man in einigen Geschäften gute Bekleidung erstehen, die auf der Insel hergestellt wird und für den Export vorgesehen ist. Lohnend ist auch der Kauf von Gewürzen, die viel aromatischer sind, als bei uns.
Da die Reise sehr weit ist, muß man offenbar (für die Hochsaison) sehr frühzeitig Flüge buchen, um noch direkt von Deutschland fliegen zu können. Unsere Variante war zu lang. Angenehm ist, daß man keine Malariaprophylaxe braucht, der Lebensstandard recht hoch auf der Insel ist (Mauritius ist eines der am weitesten entwickelten Länder Afrikas und steht auf der Schwelle zum Industrieland) und die Zeitverschiebung zu Europa im Winter nur drei Stunden beträgt.