Barossa Valley

Von Hahndorf aus dauerte es circa eine Stunde mit dem Auto bis zu unserem nächsten Stop, dem Ort Marananga. Marananga liegt inmitten des Barossa Valley, dem berühmtesten Weinanbaugebiet Australiens, welches auch altes deutsches Siedlungsgebiet ist. Der bis zum ersten Weltkrieg "Gnadenfrei" genannte Ort war in den 1840er Jahren von schlesischen Lutheranern gegründet worden. Wie alle deutschen Orte wurde auch dieser im Ersten Weltkrieg zwangsweise umbenannt, einzig die Gnadenfrei-Kirche und der deutsche Friedhof zeugen noch von der deutschen Historie.
Wir stiegen im wunderschönen neuen The Louise Hotel, gelegen inmitten von Weinfeldern, ab.

Am nächsten Tag in besuchten wir den Nachbarort, nach der deutschen Gründerfamilie Seppeltsfield benannt mit gleichnamigem Weingut von 1851. Zur Hauptsaison muß hier ein Massenandrang herrschen, jetzt, völlig außerhalb der Saison waren wir die einzigen Gäste und konnten in Ruhe einen hervorragenden Portwein verkosten. Interessant war die Tatsache, daß die Familie Seppelt in der Wirtschaftskrise 1930 von Weinanbau auf die Produktion von Datteln umgestiegen war. Zahlreiche Alleen mit Dattelpalmen zeugten von dieser Phase.

Einen ausgiebigen Besuch wert ist der Hauptort des Barossa Valley, Tanunda, bis 1918 "Langmeil" genannt. Sehr sehenswert ist das Barossa Museum, dessen Mitarbeiter mit enormen Aufwand und viel Liebe die Geschichte der Deutschen in der Region dokumentieren. Es entwickelte sich ein interessantes Gespräch mit einer ausgewanderten Deutschen, die uns über die Diskriminierung der deutschen Bevölkerung nach dem Ersten und Zweiten Weltkrieg berichtete. 1918 wurde die deutsche Sprache, unter anderem auch in den Schulen, komplett verboten. Gerade die auf den ländlichen Farmen aufgewachsenen Kinder sprachen aber kein Englisch und hatten nunmehr extreme Probleme. Der Aussage der Frau nach gab es noch bis vor zirka 15 Jahren virulente Ressentiments gegenüber deutschen Einwanderern - oftmals wohl auch angetrieben von Neid. Nunmehr würde die deutsche Geschichte der Orte gewinnbringend vermarktet, bemerkte sie bitter.

Wir ließen den Tag am wunderschönen Menglers Hill Lookout über das gesamte Tal bei strahlendem Sonnenschein ausklingen.

Adelaide und Umgebung

Am nächsten Tag verließen wir das Barossa Valley. Auf einem exzellent ausgebauten Highway ging es nach Süden zum Strandort Semaphore. Von dort war es nur einige Minuten Fahrt nach Port Adelaide, dem historischen Hafenbezirk der Stadt. Dieser wurde vor einigen Jahren renoviert und erstrahlt nun in neuem Glanz, ist aber insgesamt überschaubar groß. Uns lockte nunmehr das Stadtzentrum von Adelaide. Die Stadt wurde übrigens benannt nach der deutschen Ehefrau Adelheid des damaligen englischen Königs.

Von vielen Australiern als beschaulich und verschlafen tituliert, konnten wir diesen Eindruck von Adelaide ganz und gar nicht teilen. Die Universität sorgt für ein jugendliches Straßenbild und es gibt einiges zu sehen. Glanzbilder der Architektur des 19 Jahrhunderts finden sich entlang der North Terrace, so Old Parliament und Parliament House, die Universität und das South Australian Museum. Eigentlich ein Naturkundemuseum besitzt das Haus aber mit der Australian Aboriginal Cultures Gallery eine hervorragende Sammlung zur Kultur der australischen Ureinwohner. Hervorragend Einkaufen kann man in den Geschäften entlang der Rundle Mall. Auch hier gibt es eine Einkaufsarkarde aus dem 19. Jahrhundert.

Wir übernachteten im guten Majestic Roof Garden Hotel, dessen Dachgarten bei den niedrigen Temperaturen leider nicht nutzbar war. Da die Innenbar nicht besonders ansprechend war, aßen wir in einem exzellenten Restaurant auf der anderen Seite des Torrens Lake, wo wir erneut die Bekanntschaft außerordentlich netter Australier machten, mit denen wir unseren letzten Abend in "Down Under" verbrachten.

Am nächsten Tag hieß es aus dem Hotel auschecken und zum Flughafen fahren. Mittags ging unsere Maschine der Singapore Airlines Richtung Norden. Außerordentlich interessant war der Blick aus dem Flugzeugfenster. Exakt drei Stunden dauerte die Überquerung des australischen Kontinents von Süd nach Nord und die Flugroute führte ausschließlich über den roten Glutofen des Outback. Bei kristallklarer Luft konnte man die Gegebenheiten unter uns bestens sehen. Zu meiner Überraschung war das gesamte Outback von Straßenpisten durchzogen, die von irgendwo kamen und am Horizont endeten. An mehreren Stellen wurden Bodenschätze im Tagebau gewonnen. An einer anderen Stelle waren vielleicht 10 Häuser zu erkennen, ohne jegliches Grün mitten in der Wüste. War das ein Camp der Aborigines? Westlich von Darwin stieß die rote Wüste unmittelbar ans Meer, auch hier gab es keinen Baum oder Strauch, wohl aber diverse Flugzeuglandepisten. Gehörten die dem Militär?

Endlich erreichten wir am späten Nachmittag Singapur und mußten leider sieben Stunden auf den Weiterflug warten. Theoretisch hätte man noch ein Taxi in die Stadt nehmen können, allerdings wurde es auch hier um 17 Uhr dunkel und im tropischen Singapur herrschten schwüle 34 Grad. Wir hingegen waren recht warm gekleidet. Unsere Enttäuschung war groß, als wir abends endlich in die Boeing 747-400 nach Frankfurt einsteigen konnten, denn sie hatte nicht die phantastische Bestuhlung wie auf dem Hinflug. Das war nicht nur für uns mit einem bevorstehenden 12-Stunden-Flug ärgerlich, sondern auch für die Passagiere, die von Frankfurt aus mit der gleichen Maschine weiter nach New York flogen. Am nächsten Tag morgens sehr früh erreichten wir Frankfurt und waren mittags mit dem Zug wieder Zuhause. Die Rückreise hatte von Tür zu Tür sage und schreibe 38 Stunden gedauert.

Resümee: Australien ist ein wunderschönes Land mit überaus freundlichen Bewohnern. Selten machten wir auf einer Reise so häufig die Bekanntschaft mit den Einwohnern. Häufig wurden wir freundlich und hilfsbereit angesprochen. Man suchte den Kontakt mit den Touristen und war an der Meinung der Fremden interessiert. Die Freundlichkeit wirkte nicht so oberflächlich wie oft in den USA und niemand hatte es nötig, für Trinkgelder Männchen zu machen. Überraschend war auch die Weltläufigkeit vieler Australier. In den australischen Zeitungen existiert durchaus eine Welt jenseits der eigenen Küsten, ganz im Gegensatz zu den USA, wo man kaum Infos zum Geschehen im Rest der Welt erhält. Viele Australier waren auch schon in der Welt herumgekommen oder aber pflegen länderübergreifende Kontakte - das alte Commonwealth läßt grüßen!

Auf unserer Reiseroute haben wir einen guten Eindruck vom Land gewonnen. Es gibt hervorragende Hotellerie und exzellente Restaurants auf Weltniveau im Land. Die Reisezeit war nicht schlecht gewählt, da sie komplett außerhalb der Saison lag. Vielleicht hätte man vier Wochen früher fliegen sollen, dann wären die Temperaturen vor allem im zweiten Reiseteil abends etwas höher gewesen und es wäre nicht so früh dunkel geworden. Einen farmstay kann ich nur wärmstens empfehlen, wenn man Interesse an Land und Leuten hat. Allerdings ist Voraussetzung ein gutes Beherrschen der englischen Sprache. Für die Great Ocean Road hatte ich zu wenige Etappen eingeplant. Man kommt langsamer voran als gedacht und wir konnten diverse Sehenswürdigkeiten wie Museen nicht entsprechend besichtigen. Überhaupt sind die Entfernungen im Land gigantisch und man sollte die Fahrtroute sehr sorgfältig planen. Auf inneraustralische Flüge hatten wir nach der langen Anreise ganz bewußt verzichtet.

Die Preise in Australien waren etwas moderater als in Deutschland, der Austral-$ ca. 40 % weniger wert als der Euro. Australien ist nicht so ein Einkaufsparadies wie die USA und der Kleidungsgeschmack doch noch recht englisch. Viel günstiger als in Europa sind die typischen Wachsmäntel und Akubra-Hüte. Australien trotzt anscheinend weitestgehend der Wirtschaftskrise. Die Titelzeile einer überregionalen Zeitung lautete "Crisis - which crisis?" Auffallend waren die zahlreichen Straßenbauprojekte mit gigantischen Ausmaßen im Land. Unzählige Highways auf unserer Reiseroute wurden großzügigst ausgebaut.

Ist genügend Zeit vorhanden macht es Sinn, eine Zwischenübernachtung auf der An- und Abreise einzulegen. Egal wie man es dreht, die Reise von Europa aus ist extrem lang und anstrengend. Die Mindestaufenthaltsdauer in Australien sollte drei Wochen betragen, vier bis sechs Wochen sind ideal. Wer noch mehr Zeit hat, sollte überlegen, auch noch nach Neuseeland zu fliegen.


Literaturempfehlungen:

- Dusik, Roland: Australien. Der Osten und Tasmanien. Ostfildern 2007 (= DuMont Richtig reisen)
- Gilissen, Elfi H. M.: Sydney und seine Nationalparks. Bielefeld 3. Aufl. 2009 (= Reise Know-How)
- Hütt, Klaus-Peter: Australien. München, neue Aufl. 2009 (= Polyglott on tour)