Anmerkung: aus Lizenzgründen dürfen von den Streetview Bilder keine Screenshots gemacht werden, sondern sie müssen komplett als Frame eingebunden werden. Eine Betrachtung ist somit nur mit guter Onlineverbindung möglich.
Sowohl vom Zwangsarbeiterlager als auch von den D.A.W. bestehen bis heute diverse Gebäude. Das eigentliche ZAL ist, wie bereits erwähnt, heute ein ukrainisches Gefängnis. Direkt nach Rückzug der Deutschen 1944 wurde es ein sowjetisches Gefängnis. Meines Wissens ist Janowska somit das einzige ehemalige deutsche Lager, welches als Internierungsort ohne Unterbrechung von 1941 bis heute Bestand hat.
Natürlich darf das Gefängnisareal heute von Außenstehenden nicht betreten werden. Vergleicht man Luftaufnahmen von früher und heute wurden dort wohl auch alle Gebäude aus deutscher Zeit ersetzt, allerdings orientierte man sich teilweise an den alten Grundrissen.
Sehr wohl besteht heute noch die Lagerstraße, die ZAL und DAW trennte. Sie heißt heute bulitza Tatarbunarska. Das frühere Haupteingangstor wurde abgerissen und dort befindet sich heute die Wendeschleife der Straßenbahn.
Fast unverändert findet man am Anfang der ehemaligen Lagerstraße das damalige Bürogebäude des ZAL mit Kopfsteinzuwegung und alten Obstbäumen vor dem Eingang (heute Shevchenka Nr. 154).
Das nächste Gebäude an der Straße links wurde nach dem Krieg errichtet. Das darauffolgende, dreigeteilte (Tatarbunarska Nr. 9-11), stammt noch aus deutscher Zeit, es war ein Mannschaftsgebäude. Bis 2015 bestand das zweite Haus an der Straße fast unverändert, inkl. des Blech-Walmdaches und der Kamine. 2018 war die linke Hälfte aufgestockt, komplett renoviert und umgebaut.
Vor diesen Häusern wurde das Photo von Fichtner und Müller aufgenommen.
Das im Hintergrund sichtbare Gebäude für SS-Mannschaften am Ende der Lagerstraße (hinten rechts) besteht in etwas veränderter Form heute noch. Auf dem Photo von 2012 mit fast gleicher Perspektive ist auch noch das alte Kopfsteinplaster zu sehen, welches 2018 ersetzt worden war. Die Straßenbahnschienen stammen nicht aus deutscher Zeit. Das im Bild angeschnittene Gebäude ganz links (Nr. 11) besteht heute noch, wurde aber in den letzten Jahren umgebaut. Der kleine Baum an der Straße ist zu einem ausgewachsenem Expemplar herangewachsen.
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Gegenüber befindet sich heute ein dreiteteilter Gebäudekomplex (Nr. 6-10), dessen mittlerer Teil niedriger ist als die beiden Teile rechts und links. Die heutige Nr. 6 war Schneiderwerkstatt, 8 und 10 waren Mannschaftshäuser.
Etwas südlich von diesen Gebäuden finden sich ebenfalls noch zwei alte Häuser (Nr. 12 und 15).
Die nächsten zwei Gebäude auf der anderen Seite der Tatarbunarska wurden in den 1950er Jahren durch einen Plattenbau ersetzt. Allerdings findet man im Hof des Gebäudes noch alte Mauern der Gebäude. Dann folgte früher die Villa des Lagerkommandanten. Diese wurde abgerissen und dort verläuft heute die Gefängnismauer.
Am Ende der ehemaligen Lagerstraße befindet sich auch noch ein altes ehemaliges Mannschaftshaus mit nur wenigen Umbauten.
Der südlich der Lagerstraße gelegene Bereich des ZAL und der DAW ist heute noch - vor allem im westlichen Bereich - an der fast mit früher identsichen Weges- und Straßenführung abzulesen. Auch neu erbaute gewerbliche Gebäudekompexe orientieren sich ganz augenscheinlich an der alten Bebauung.
Einige alte Gebäude haben die Zeit überdauert und sind anhand der Luftbilder zu identifizieren:
Als Teil eines erweiterten und höheren Gebäudekomplexes existiert heute noch das direkt am Haupteingangstor Janowskastraße gelegene Gebäude. Dies ist heute Shevchenka St, 152 und liegt direkt an der Wendeschleife der Straßenbahn.
Am anderen Ende des neueren Gebäude liegt 148 Shevchenka St, welches zu deutscher Zeit ein alleinstehendes Gebäude, das Technische Magazin, war.
Ein Stück weiter südlich liegt Gebäude 146 Shevchenka, früher Kleidermagazin und auch alleinstehend und nun angedockt an ein mehrstöckiges Gebäude, ein typisches Chruschtschowka aus den 1950er Jahren, welches bis zur Hausnummer 144 reicht.
ür Häuserblock 144 wurde augenscheinlich das alte dort befindliche alleinstehende Gebäude, auch Kleiderkammer, abgerissen.
Nach dem Kleiderkammer begann das Betriebsgelände des DAW, durch einen Zaun abgetrennt. Heute verläuft an der Stelle des Zauns eine kleine Durchgangsstraße.
142 Shevchenka war das erste Gebäude in den DAW und auch freistehend. Auch daran hat man nach dem 2. Weltkrieg einen mehrstöckigen Häuserblock angebaut.
Der Häuserblock reicht über ehemalige Gärten bis zur heute 138 Shevchenka, von wo sich erneut ein neuerer Häuserblock anschließt.
Etwas weiter südlich zweigt die Kyrylivska von der Haupstraße ab. Sie verläuft heute exakt wie früher und stellte die äußere Grenze der DAW dar, weil sie direkt an den Friedhof grenzte.
Biegt man von dort nach den Häuserblocks nach links ab erreicht man die Yavorivka, die parallel zur Schevtschenka verläuft. Hier findet sich mit der Hausnummer 2 das alleinstehende Haus, welches nahezu unverändert die Zeiten überstanden hat. Sogar die Balkonbrüstung erinnert an die am Bürogebäude des ZAL.
Das Haus Yavirivska Nr. 4 ist renoviert, aber noch als alt erkennbar. Links daneben befindet sich eine Arbeitshalle, von außen unschwer an den alten rote Ziegeln erkennbar (Nr. 7)
Weiter links befinden noch zwei weitere unverkennbar alte Häuser aus der Zeit des DAW.
Direkt vor dieser Häuserreihe befand sich ein Weg, der die äußere Begrenzung zwischen DAW und ZAL darstellte. Durch die nördlich angrenzende Halle führte seinerzeit der Hauszugang zum ZAL.
Jenseits des Zauns auf dem Gelände des ZAL und ganz in der Nähe der Kleiderkammer (heute Nr. 146) befand sich in einem dreigeteilten Gebäude die Wäscherei. Letzeres (heute Nr. 3) besteht, offenbar inklusive Fenster und Schornstein, unverändert bis heute fort.
An der Morynetska finden sich noch diverse alte Gebäude. Im Süden die Nr. 2, auch hier noch mit typischer Balkongegrenzung und auch hier mit später angebautem Plattenbau.
Ein Stückchen weiter nördlich befinden sich noch zwei alte Häuser vis a vis: Nr. 4
und Nr 1.
Der auf der gleichen Seite anschließende Block Nr. 3 vermittelt dem Betrachter den Eindruck einer Zeitreise.
Die Nr. 5 wurde renoviert, scheint aber auch alt zu sein.
Unzweifelhaft alt ist hingegen die gegenüberliegende Nr. 7 .
Auch die Nummern 6 und 8, die nunmehr mit den Rückseiten zum neu erbauten Hochhauskomplex stehen, kann man problemlos auf der alten Luftaufnahme identifizieren. Augenscheinlich wurden die Häuser für die neu angelegte, höher gelegene Straße regelrecht halbiert.
Ähnlich erging es wohl auch dem Doppelhaus Nr. 10 und 12, welches ebenfalls an die höher gelegene, neue Straße grenzt.
Ein Stück weiter in Richtung Tatarbunarska steht das alte Haus Nr. 14, heute umgeben von zahlreichen anderen, neueren Gebäuden. Direkt nördlich von Nr. 14 befand sich der Grenzzaun zwischen DAW und ZAL
Bis zum Haus Nr. 14 reichte auf der anderen Straßenseite früher ein langgestrecktes Fabriksgebäude (heute Nr. 7a). Auch heute steht dort auf dem gleichen Grundriß eine Art Lagerhalle, allerdings in Kalksandstein. Aus gleichem Stein, aber auch auf dem alten Grundriß findet sich die gegenüberliegende Lagerhalle (Nr. 8). Mittig durch dieses Gebäude führte früher der Haupteingang zu den DAW..
Das im Hof befindliche Gebäude 5a (im Photo rechts) scheint hingegen historisch zu sein. Der Klinker wird unter der weißen Farbe wieder sichtbar.
Die Situation an der südlichen Kyrylivska hat sich in der Nachkriegszeit stark geändert. Sehr einfach zu identifizieren sind die Häuser Morynetska Nr. 2 mit Walmdach und das ebenfalls heute noch existente Haus Kyrylivska Nr. 7, auch mit Walmdach.
Früher schaute man aus dem Haus Nr. 7 nach Süden augenscheinlich über eine gepflegte Rasenanlage mit symetrischen Wegen, die gut auf den Luftaufnahmen erkennbar sind. Auf dem Areal der Rasenanlage befindet sich heute ein Parkplatz. Das den kleinen Park südlich begrenzende Haus an der heutigen Kyrylivska ist nicht mehr existent. Die östlich begrenzenden Häuser (um die Nr. 11) wurden im ehemaligen Park um neue Gebäude erweitert (um Nr. 9). Die Straßenführung entlang der Häuserreihe um die Nr. 11 entspricht dem alten Weg.
Für das neue Hochhaus wurden östlich der Nr. 11 und nördlich einige Gebäude abgerissen.
Folgt man der Kyrylivska weiter nach Osten, wird wieder alte Bausubstanz erreicht. Erweitert durch einen Anbau direkt an der Straße kann man die alten Fenster einer Fabrikanlage erkennen. Das quer angrenzende Gebäude wurde halbiert und man blicke heute auf eine rote Ziegelwand, die ursprünglich eine Zwischenwand war.
Mit Mühe erreicht man heute die Piaski. Ausgehend von einem in Sichtweite, aber außerhalb der Gefängnismauer liegenden Gebäude, sieht man den Beginn des alten Weges in die Hügel. Sehr gut erkennbar ist der verbreitete Weg (auf dem alten Luftbild hell). Diesen Bereich benutzte und benutzt offenbar das Gefängnis als wilde Müllkippe für Sperrmüll.
Der Pfad schlängelt sich entlang dieses Bereiches und führt in die Hügel. Dies war der Weg, den Tausende der Opfer zurücklegen mußten. Es führt weiter zu einem sehr prägnanten Geländeeinschnitt. Einzig ein winterliches Luftbild von 2005 zeigt diesen Geländeeinschnitt. Im Sommer ist er durch den heute vorherrschenden Baumbestand komplett überdeckt. Das Areal sieht - blickt man nach Norden - aus, wie ein auf dem Kopf stehendes Herzsymbol. Die ist der Bereich, in dem die meisten Erschießungen stattfanden, resp. die Verbrennung der exhumierten Leichen aus dem gesamten Bereich.
Als die sowjetische Untersuchungskommission im Juli 1944 das Tal photographierte, war der Boden in einem kreisrunden Bereich noch dick mit (heller) Asche bedeckt und an den Talwänden war die Vegetation durch die enorme Hitze der Scheiterhaufen weggebrannt.
Die Hügelkette hinter dem Lager, besonders die dem Lager abgewandte nördliche Seite, ist übersät mit zahlreichen größeren und kleineren Gruben und Löchern. Hier suchte die sowjetische Kommission 1944 nach Spuren der Leichenverbrennungen - und wurde fündig. Auch heute noch sieht man die damals gegrabenen Kuhlen.
Die Struktur von ZAL und D.A.W. sind heute noch erstaunlich klar erkennbar. Wurden die Baracken der Gefangenen abgerissen und nach 1944 von durch die Sowjets errichtete Gefängnisbauten ersetzt, so bestehen bis heute noch eine ganze Reihe von Wohn- und Versorgungsbebäuden. Noch mehr Bauten existieren auf dem ehemaligen Gelände der D.A.W. und geben einen guten Eindruck von der Kleinteiligkeit der Fabrikanlage.
Verblüffend für den heutigen Betrachter ist die Tatsache, daß die meisten heute noch bestehenden Gebäude sowohl von ZAL als aus D.A.W. in einem seit 1944 fast unveränderten Zustand sind. Selbst die leicht rötliche Außenfarbe besteht bis zum heutigen Tage fort. Hier bewahrheitet sich erneut der Spruch, daß Armut der beste Konservator ist.
Allerdings ist das Quartier im Umbruch. Bauten, die 2012 noch im Originalzustand waren, wurden inzwischen bis zur Unkenntlichkeit umgebaut.
Teil 1 Das Zwangsarbeiterlager Janowska
Teil 2 Karten, Skizzen, Pläne, Zeichnungen und Photographien