Die Ostküste

Das Erkunden der Ostküste der Insel ist recht schwierig. Aufgrund der geographischen Gegebenheiten gibt es aber im Gegensatz zur Westküste nur einen Abschnitt, an dem eine Straße wirklich direkt an der Küste entlang läuft. Dies ist der Bereich zwischen Bathsheba und Belleplaine, den wir erkundeten. Er ist allerdings atemberaubend schön. Tage vorher waren wir ja schon am Morgan Lewis Beach ein Stückchen weiter nördlich gewesen und hatten die rauhe Seite der Insel kennengelernt. Ähnlich stellte sich nun der Bereich nördlich von Bathsehba da: ein kilometerlanger, weißer, enorm breiter Sandstrand zog sich parallel zur Straße hin. An einer Stelle war ein öffentlicher Park eingerichtet, der allerdings mitten in der Woche verlassen aussah. Am Wochenende verbringen hier die Einheimischen ihre Zeit beim Picknick. Bis vor Jahren gab es offenbar auch noch eine Restauration, die nun aber verlassen und verfallen war. Immer wieder stoppten wir an der Straße um die Szenerie zu genießen. Gerüchten nach soll nun aber auch die Ostküste touristisch erschlossen werden. Bislang gibt es quasi noch keine Hotelbauten, weil sich die rauhe, direkt aus Afrika anrollende See überhaupt nicht zum Schwimmen eignet - und nicht jeder Tourist ist ein Profisurfer!

Der Süden

Der Süden der Insel mit der Parish Christ Church stellt sich landschaftlich ganz anders da, als der Rest der Insel: das Gelände ist viel flacher und es dominieren große Zuckerrohrfelder, die hier maschinell gut geerntet werden können. Der Weg führte uns über den H2A, den größten Highway der Insel, nach Süden. Fast auf gesamter Strecke wurde er 6-spurig ausgebaut, um dem wachsenden Verkehr Rechnung zu tragen. Dieser schob sich nun über verengte Fahrbahnen und zwischen den Baufahrzeugen durch, spätnachmittags brach regelmäßig der Verkehr zusammen. Bei den Bauarbeiten hatte man an den zahlreichen Roundabouts auch nicht bedacht, daß sich nicht nur Einheimische auf der Insel bewegen - die Beschilderung war komplett entfernt worden! Schließlich fanden wir doch unsere Abfahrt - weil auf dem betreffenden Roundabout das "Emancipation Monument", ein die Ketten zerreißender Schwarzer, steht. Über den H5 ging es nach Osten durch überwiegend landwirtschaftliches Areal. In der Nähe von Brereton sahen wir auf einmal in unmittelbarer Nähe der Straße Ölförderpumpen in Betrieb. Auf der Insel wird seit den 1970er Jahren in größerem Stil Öl gefördert und die Insel ist fast Selbstversorger.

Ein Stückchen weiter mußten wir nach Norden abbiegen und erreichten schnell unser Ziel, das Sunbury (gesprochen: Sun-berry) Plantation House, neben St. Nicholas Abbey eines der ältesten Häuser der Insel aus den 1630er Jahren. Es ist von einem tropischen Garten umgeben und offenbar auf die "Abfertigung" erheblicher Besuchermengen eingestellt, wie wir an der Anzahl der Stühle des angrenzenden Imbiß ablesen konnten. 1995 kam es zu einem riesigen Feuer, dem fast die ganzen Einrichtungsgegenstände des Hauses zum Opfer fielen. Die Eigentümer ersetzten alles originalgetreu und somit ist das Haus regelrecht vollgestopft mit Antiquitäten. Auch die obere Etage kann, im Gegensatz zu anderen Häusern, besichtigt werden. In den Kellerräumen, die einzig nicht vom Feuer in Mitleidenschaft gezogen wurden, wird u.a. eine Sattelsammlung gezeigt, außerhalb eine Kutschensammlung. Es gibt auch einen kleinen Andenkenladen neben dem Imbiß.

Nur einige Kilometer vom Plantagenhaus pries unser Reiseführer Foursquare Rum Factory and Heritage Park als "die modernste Rumdestillerie auf dem Gelände einer alten Zuckerfabrik" an. Da mußten wir hin - allerdings war es Sonntag, aber laut Führer war die Fabrik auch an Sonntagen geöffnet und es würden Touren veranstaltet. Die Fabrik war recht leicht zu finden und es gab einen großen Parkplatz, ein Tor für Fußgänger war geöffnet, wir waren aber weit und breit die einzigen Menschen. Merkwürdig. Auf alle Fälle war das angeschlossene Museum zu, ebenfalls auch der Haupteingang zur eigentlichen Fabrik. Ein Nebeneingang stand offen und wir standen mitten in der Rumfabrik. Niemand war zu sehen und so schauten wir uns um: eine Flaschenfüllanlage, Destillationstanks, eine Halle voller Eichenfässer... alles in der Tat hochmodern. Ein einziger Arbeiter lief grußlos an uns vorbei. Ob er die Tür aufgeschlossen hatte? In der Woche oder zur Hauptsaison war man augenscheinlich mehr auf Touristen eingestellt, es gab auch einen nun geschlossenen Verkaufsstand für Rum. Außerhalb der Fabrik hatte man in der Tat die alten Gebäude der Zuckerfabrik in das Gelände integriert. Außen war ein Park mit antiken Maschinen zu sehen. Als wir das Gelände verließen, kam uns ein brandneuer Mercedes mit einem Weißen am Steuer entgegen. Offenbar war es der Eigentümer der Fabrik, denn wir hatten sein Porträt auf Bildern im Gebäude gesehen. Vielleicht wollte er den Fortschritt der Bauarbeiten an dem großen Erweiterungsbau der Fabrik kontrollieren....

Als Kontrastprogramm besuchten wir das einige Kilometer weiter an der Südostküste der Insel gelegene Resort "The Crane", für welches in den Lokalzeitung enorm Reklame gemacht wurde. Es stellte sich als gigantische Anlage heraus, die noch mehr erweitert wurde. Neben einer Steilküste gab es einen kleinen Strand mit enormem Wellengang. Hier mußten wir unseren nächsten Urlaub nicht verbringen und auch keine der angepriesenen Timesharing-Anteile kaufen!

Interessant war eine Fahrt von Bridgetown über Oistins zur Südspitze der Insel. Der Bereich ist fast vollständig zugebaut, unterbrochen von einigen schönen Sandstränden, die aber nichts mit der wilden Unberührtheit der Strände des Ostens zu tun hatten. An Sonntagen herrscht hier überall Hochbetrieb von Einheimischen, die mit Kind und Kegel zum Meer fahren, um sich zu erholen und abzukühlen. St. Lawrence Gap verfügt zwar über einen schönen Strand, ist aber auch die Gegend mit massivem Massentourismus und den dazugehörigen Einrichtungen. Diese sind vornehmlich nach englischem Geschmack eingerichtet, denn die britischen Touristen dominieren den Bereich. Es gibt Pubs, Souvenirläden und zahlreiche Hotels der unteren oder untersten Preiskategorie. Das Publikum ist entsprechend.

Wenige Kilometer weiter findet sich die größte Stadt der Südküste, Oistins, mit großem Fischereihafen. Alle Einheimischen rieten uns zu einem Besuch freitags abends, dann sei da "große Party" und man hätte eine Menge Spaß. Mit dem Taxi war es uns zu weit zu fahren und in der Dunkelheit traute ich mir Fahren auf der Insel nicht zu. So haben wir den "Geheimtip" nicht ausprobiert....statt dessen fuhren wir noch ein Stück weiter zum südlichsten Punkt der Insel mit dem South Point Lighthouse. Dies ist umgeben von einem an der Steilküste gelegenen Villenviertel, wobei wir nicht feststellen konnten, ob es sich um einheimische oder ausländische Besitzer handelt. Schwimmen ist hier aber auch unmöglich.

Wir haben in den 14 Tagen auf der Insel natürlich nicht nur Inseltouren gemacht, sondern sind auch viel schwimmen gegangen. Dies allerdings immer erst nach 16 Uhr, da die Sonne fast im Zenith stand und Wasser und Strand die Strahlen extrem reflektierten. In der Nähe des Hotelstrandes gibt es einen Bereich, in dem man auch als mittelmäßiger Boogie Boarder gut wellenreiten kann. Alle Strände auf Barbados sind öffentlich und das Sandy Lane hat das Problem mit den fliegenden Händlern elegant gelöst, in dem man diesen einen Bereich eingeräumt hat, auf dem Stände aufgebaut werden konnten. So konnten Interessierte Sachen dort erwerben und man wurde nicht dauernd angesprochen. Im Hotel selbst hatten wir das Pech, während unseres Aufenthaltes einmal das Zimmer wechseln zu müssen (hatten wir aber schon bei der Buchung mitgeteilt bekommen). Sehr ärgerlich war der Fakt, daß kurz nach unserer Ankunft im gesamten Hotel die Klimaanlage ausfiel. Selbst mit Ventilatoren bekamen wir die Zimmertemperatur nicht unter 29 Grad. Dadurch lag auch das gesamte Spa brach, da die Räume enorm aufgeheizt wurden. Laut Auskunft des Managers sollte die Reparatur durch Techniker aus Florida erst eine Woche nach unserer Abreise stattfinden. Probleme hat das Hotel wohl auch mit der Rekrutierung von erstklassigem Personal auf der unteren Ebene. Dieses war für ein Hotel, welches sich selbst zu den weltbesten zählt, oft etwas zu "easy going". Das mag ja karibische Mentalität sein, aber das Royal Palm auf Mauritius hatte gezeigt, daß es auch anders geht.

Im näheren und weiteren Dunstkreis des Sandy Lane gibt es einige sehr gute Restaurants direkt am Wasser. Leider wird z.T. auch hier das amerikanische System kopiert. Negativbeispiel ist das so hochgelobte Cliff-Restaurant. Nicht nur, daß es Vorspeise und Hauptgericht nur zum festen Preis von sage und schreibe 90 US-$ (ohne Tip!!) gibt, auch fühlt man sich regelrecht abgefertigt bei der Geschwindigkeit, in der serviert wurde - echt amerikanisch eben. Viele der Gäste an den Nachbartischen waren offenbar nur gekommen, um sich gegenseitig zu photographieren.

Den Bruch, der durch die Gesellschaft geht, und den amerikanischen Einfluß konnten wir gut bei einer einheimischen Hochzeitsgesellschaft beobachten. Alle älteren Familienmitglieder waren noch nach bestem britischem Vorbild mit Hut und Handtäschen etc. gekleidet, bei der mittleren und jüngeren Generation konnte davon keine Rede sein. Viele barbadianischen Familien haben Familienmitglieder, die in den USA arbeiten oder studieren, diese importieren dann andere Wertvorstellungen.

Unsere Rückreise verlief wieder so, wie schon 2003 von St. Lucia. Die Condormaschine landete abends, lud Passagiere für Barbados aus, uns in die nach 10stündigem Flug über den Atlantik angeschmutzte Maschine ein. Nach einer Stunde war dann Isla Margarita - Polamar für einen zweistündigen Zwischenstop erreicht. Glücklicherweise war der Transitbereich mittlerweile rauchfreie Zone geworden! Nicht nachvollziehbar war, daß alle Transitgäste durch eine Sicherheitsschleuse mußten und wirklich jeder noch abgetatscht wurde - bei mir mit einem beherzten Griff zwischen die Beine. Auch das venezolanische Militär, welches massenweise im Transitbereich vorhanden war, war nicht vertrauenseinflößend. Bezeichnend waren auch die vielen Schilder, die vor Drogenschmuggel warnten. Aufgrund des starken Rückenwindes erreichten wir nach nur 9 Stunden Flug Frankfurt. Da man uns nicht in die Lounge ließ (mit der Begründung, wir seien auf der Rückreise), mußten wir fast 5 Stunden bis zu unserem Weiterflug zu unserem Heimatflughafen totschlagen, wodurch sich die Reise unnötig in die Länge streckte.

Das Fazit unserer Reise: Barbados ist ein interessantes, wenn auch teures, Reiseziel in der Karibik. Die selbständige Insel ist englisch geprägt und mittlerweile unter starkem US-amerikanischen Einfluß. Der Lebensstandard ist der höchste aller unabhängigen karibischen Staaten und somit hält sich Kriminalität in geringem Rahmen - ganz im Gegensatz zum mittlerweile verrufenen Jamaika. Die Einheimischen sind zumeist sehr freundlich und hilfsbereit, wir hatten nicht ein negatives Erlebnis und sind durchaus auch abends im Dunkeln zu Fuß spazieren gegangen. Einstellen sollte man sich auf die karibische Mentalität, die nicht die allerschnellste ist. Auf der Insel gibt es viele Sehenswürdigkeiten, von denen man sich aber nicht zu viel versprechen sollte. Die Eintrittsgelder liegen bei mindestens 12 Barbados-Dollar (fixer Wechselkurs: 1 US-$ = 2 B-$). Aufgrund der enormen schwülen Hitze von tags 33-36 Grad und auch abends noch 30 Grad sind Besichtigungstouren sehr anstrengend und wir haben noch nicht alles auf der Insel gesehen. Nicht umsonst ist die Hauptsaison auf der Insel von Dezember bis April, wenn es etwas kühler (29 Grad) und weniger schwül ist. Das Meer ist so türkisfarben wie in den Prospekten, sehr warm und ganz offenbar absolut sauber. Es herrscht Linksverkehr, wobei die Einheimischen auf die mit einem "H" gekennzeichneten Leihwagen starke Rücksicht nehmen. Die Straßen sind vor allem im nördlichen Landesinneren katastrophal, ebenso wie die Beschilderung. Selbst mit einer guten Karte und einer ebensolchen Orientierung ist ein Verfahren fast vorprogrammiert. Das ist nichts für schwache Nerven. Trotzdem ist ein Mietwagen Voraussetzung, um die Insel kennenzulernen. Alle Buslinien führen nach Bridgetown und ob es Spaß macht, bei 36 Grad in den vollgestopften, unklimatisierten Bussen zu sitzen, sei dahingestellt. Als Mitbringsel bieten sich die sehr farbenfrohen Tonwaren an, die im Landesinneren hergestellt werden. Ärgerlich ist es, daß es keine bessere Flugverbindung auf die Insel gibt.


Literaturempfehlungen:


- Cameron, Sarah: Barbados. Bath 2006 (= Footprint) [in englisch]
- Pinck, Axel: Barbados - St. Lucia - St. Vincent - Grenada. Köln, 2. akt. Aufl 2001 (= Du Mont Reisetaschenbuch)