Livorno

Nach einigen Tagen in Florenz machten wir uns - begleitet von einem Unwetter - mit dem Leihwagen auf den Weg ins 100 Kilometer entfernte, an der Küste liegende Livorno.

Livorno ist die drittgrößte Stadt der Toskana, während der Medici-Dynastie als geplante Stadt mit rechtwinkligem Straßennetz entstanden und in der Zeit des Faschismus architektonisch überformt. Die Stadt besitzt einen der wichtigsten Häfen Italiens. Im nördlichen Teil befindet sich der Handelshafen, im südlichen der Fährhafen und der Hafen für Kreuzfahrtschiffe. Die Stadt hat auch eine lange Tradition im Schiffbau, die Werft Cantiere Navale Orlando wurde 1865 gegründet. Das Unternehmen Benetti baut auf dem Gelände heute Mega-Yachten.

Nach dem Anschluß an das Königreich Italien verlor Livorno 1865 den seit 1675 bestehenden Freihafen, was eine drastische Reduzierung des Handels verursachte. Die wirtschaftliche Grundlage der Stadt wurde mit der Zeit die Industrie und der Fremdenverkehr: die Stadt wurde, nach englischem Vorbild, zum Seebad. Aus dieser Zeit, 1886, stammt auch das von uns gebuchte Grand Hotel Palazzo südlich der Altstadt. Durch ein Upgrade kamen wir in den Genuß einer riesigen Suite mit ebenso großer Balkon-Terrasse. Wegen des immer noch unbeständigen Wetters konnten wir diese leider nicht entsprechend nutzen.
Direkt gegenüber des Hotels befinden sich Meeresbadeanstalten auf betonierten Felsvorsprüngen, denn Strand sucht man in Livorno vergebens. Am Hotel beginnt auch die nett ausgestaltete Strandpromenade, die bis zur Altstadt führt.

Grand Hotel Palazzo. Vorne rechts die Felsbadeanstalten mit den Umkleidekabinen.
Terrazza Mascagni. Strandpromenade Viale Italia vom Hotel aus gesehen.
Denkmal von Luigi Orlando am südlichen Ende der Altstadt. Links davon (Baukran auf dem Bild) werden alte Schiffshallen zu einem Einkaufs- und Kulturzentrum umgebaut. In Sichtweite des Denkmals liegt auch die riesige Werft von Benetti.
Piccola Venezia. Das von Kanälen durchzogene Venezianische Viertel aus dem 17. Jahrhundert in der Altstadt. Die Kanäle verbinden die Fortezza Nuova und die Fortezza Vecchia.
Mit der Fortezza Vecchia (Alte Festung) verstärkten die Medici ab 1521 ihren Vorposten an der Küste.
Die Fortezza Nuova (Neue Festung) wurde ca. 50 Jahre später erbaut und mit ihm der Ringkanal Fosso Reale, der beide Festungen miteinander verbindet. Heute ist die Festung eine städtische Grünanlage mit wundervollen Blick über die Stadt.
Das Museo Civico Giovanni Fattori befindet sich in der wunderschönen Villa Mimbelli, die ursprünglich einem reichen Getreidehändler gehörte. In der Villa sind einige der bedeutendsten Kunstwerke der Stadt.
Belle Époque Strandvillen im südlichen Bereich von Livorno in der Nähe der Nautischen Akademie.

Viareggio

Einen extrem stürmischen Tag nutzten wir zum Ausflug zum knapp 50 Km nördlich von Livorno gelegenen Viareggio. Das aus einem 1172 errichteten Kastell entstandene Städtchen erlangte große Bekanntheit im 19. Jahrhundert als Seebad. 1822 ließ Napoleons Schwester Paolina Borghese eine Villa errichten, in der sie ihren Lebensabend verbrachte. Nach und nach entstanden ab 1828 diverse Badeanstalten am Meer, denn Viareggio verfügt über einen weitläufigen, goldgelben Sandstrand. Zahlreiche Sommervillen folgten denen der von Paolina. Viareggio war eine Perle des Tyrrhenischen Meeres und ein international bekannter Badeort geworden. Nach dem Zweiten Weltkrieg verlor die Stadt – wie viele Orte an der Italienischen Riviera – weitgehend ihre Exklusivität.

Leider wurde dieser Eindruck durch das ungemütliche Wetter während unseres Besuches noch verstärkt: Die wunderschönen Jugendstilgebäude am Stand waren teilweise nur notdürftig in Schuß gehalten und auf Massentourismus eingestellt. Die einzigen Besucher im Ort waren deutsche Rentner-Busreisegruppen. Völlig befremdlich für den unbedarften Italientouristen sind aber die unsäglichen Strandbäder in der Stadt. Ich hatte nicht erwartet, diese Relikte aus den 1970er Jahren hier noch anzutreffen. Weit gefehlt! Bereits auf dem Weg nach Viareggio entlang der Küste sind die einzig vorhandenen Strandabschnitte nicht "einfach so" betretbar. In Viareggio waren die Strände sogar mit Zäumen verbarrikadiert - ohne Eintritt zu errichten, kommt man nicht an den Strand. Dafür wird dem Besucher ein Sonnenschirmchen und in geringstem Abstand vom Nachbarn ein Holzklappsessel à la 1950 zugeteilt - für Preise von 20 € und mehr pro Tag. Wer tut sich das freiwillig an?

Gran Caffè Margherita von 1902 mit glasierten Dachziegeln.
Kostenpflichtiges Strandbad mit einer Bestuhlung wie in einer Konservendose.

Lucca

Nach der enttäuschende Besichtigung Viareggios entschlossen wir uns an einem anderen Tag zu einem Besuch von Lucca.
Im 13. und 14. Jahrhundert zählte Lucca zu den einflußreichsten europäischen Städten. Große Bedeutung hatte insbesondere die Textilindustrie, hier vor allem Seidenverarbeitung. Die großen Plätze, die romanischen Kirchen und die mittelalterlichen Türme zeugen auch heute noch von der einstigen Bedeutung dieser Stadt. Ihre von vier Toren durchbrochenen Befestigungsanlagen wurden 1504 begonnen und 1645 fertiggestellt und sind heute noch gut erhaltenen. Darauf angelegt wurde eine von Bäumen gesäumte Promenade.

Wegen des noch nicht übermäßigen Touristenandrangs mitten in der Woche hatten wir das Glück, sogar innerhalb der Wallanlagen einen Parkplatz für unser Auto zu finden. Von dort aus ist die gesamte Innenstadt problemlos fußläufig zu erkunden. Fazit: Lucca ist wirklich ein Highlight und unbedingt einen Besuch wert.

Die Kathedrale San Martino ist die Kathedrale des Erzbistums Lucca. Das Kirchengebäude stammt aus dem ausgehenden 12. Jahrhundert (1196-1204).
Sarkophag der Ilaria del Carretto (1374–1438) in der Kathedrale.
Piazza dell’anfiteatro. Die Piazza ist der Innenraum eines ehemaligen römischen Amphitheaters.
In den Stadtwall integrierte Zitadelle von Lucca.


Literaturempfehlungen:


- Büld Campetti, Christiane: Toskana. Ostfildern, 19. Aufl. 2016 (= Marco Polo)
- Nenzel, Nana Claudia: Toscana. Ostfildern 4. Aufl. 2014 (= DuMont Reisetaschenbuch)