Ein religiöses Zentrum ist der Duomo San Gennaro aus dem 13. Jahrhundert. In seiner Capella del Tesoro di San Gennaro werden die Reliquien und das Blut des Stadtheiligen San Gennaro aufbewahrt, das wegen des so genannten Blutwunders zu Bekanntheit gelangte. Wenn das Blut während der Zeremonie am 1. Mai jedes Jahres nicht flüssig wird, so heißt es, hat die Stadt Neapel ein Jahr lang Pech. Unter dem Dom kann man heute noch das Baptisterium einer älteren Kirche aus dem 5. Jahrhundert besichtigen.
Das Castel Nuovo befindet sich am Hafen, vor dem Rathausplatz. Es wurde im 13. Jahrhundert unter den Anjou erbaut und hatte die Funktion einer Stadtburg, in der seitdem die Armeen der fremden Herrscher Neapels (u.a. Franzosen und Spanier) untergebracht waren. Im 15. Jahrhundert wurde es komplett umgestaltet und ausgebaut. In der Sala dei Baroni (Saal der Barone) trat bis ins Jahr 2006 der Stadtrat Neapels zusammen, im Westflügel der Burg ist heute das Museo Civico (Museum zur Stadtgeschichte Neapels) untergebracht.
Der Palazzo Reale ist vermutlich der erste Palastbau des Absolutismus in Neapel und wurde aufgrund des angekündigten Neapelbesuches des spanischen Königs Phillipp um 1600 beauftragt. Der Besuch fand allerdings nie statt. Heute befindet sich im Palast ein überaus sehenswertes Museum. Z.Zt unseres Besuches liefen auf dem angrenzenden Piazza del Plebiscito die Vorbereitungen zur Silvesterfeier auf (lautstarken) Hochtouren.
Im Gebiet von San Carlo all'Arena liegt auf dem Hügel Capodimonte einer der größten Parks von Neapel, der Parco di Capodimonte. Zu diesem gehört auch der ehemalige herrschaftliche Palast (Reggia di Capodimonte), in dem sich das Museo di Capodimonte mit Bildern u.a. von Botticelli, Raffael, Tizian und Caravaggio befindet. Erbaut wurde der Palast von Karl dem III. ab 1738, Architekt war Antonio Canevari.
Das Castel Sant’Elmo wurde im 14. Jahrhundert auf dem Stadthügel Vomero gebaut. Auf den Mauern der Festung befindet sich ein Rundweg, von dem sich eine unvergleichliche Aussicht über die gesamte Stadt und den Golf von Neapel bietet. Heute beherbergt das Castel verschiedene Kultur- und Wissenschaftseinrichtungen, unter anderem die Biblioteca di Storia dell’Arte (Kunsthistorische Bibliothek).
Mergellina ist ein teurerer Stadtteil Neapels. Am Wasser befindet sich ein kleiner Hafen und Fischerhütten. Mit Blick auf das Wasser und den Vesuv gibt es eine Reihe von schönen Lokalen.
Bagnoli ist ein Stadtteil Neapels direkt am Meer und zählte zu den wichtigsten Industriezonen Süditaliens. Seit 1990 die Fabrik Italsider mit Stahl- und Chemiewerk geschlossen wurde, erfolgte Stück für Stück der Rückbau und die Eröffnung eines Bildungs- und Gründerzentrums. Nur noch riesige Stahlgerippe erinnern an die Geschichte der heutigen Industriebrache in first-class-Lage am Meer.
Zur Zeit unseres Besuches war es durch einen Kälteeinbruch in Südeuropa so kalt wie seit 30 Jahren nicht mehr. Dadurch hatten wir auch das (zweifelhafte) Vergnügen, den Vesuv schneebedeckt zu erleben. Der 1281 m hohe Vulkan ist das Wahrzeichen Neapels und durchaus aktiv. Von dem ursprünglichen Schichtvulkan ist nach einem Ausbruch im Jahre 1906 nur noch eine Caldera (eingestürzter Kegel) übriggeblieben. Der letzte Ausbruch erfolgte 1944, der Vulkan ist aber längst nicht erloschen - was trotzdem viele Menschen nicht davon abhält, in gefährdeten Bereichen in Vulkannähe (illegal) zu bauen und zu leben.

Herculaneum / Ercolano

Zwischen dem Meer und dem Vesuv lag das antike Städtchen Herculaneum (heute: Ercolano). Es erlangte Berühmtheit durch den Ausbruch des Vulkans im August 79 n. Chr., an jenem Tag, als auch Pompeji und Stabiae ausgelöscht wurden. Die Stadt war im Vergleich zu Pompeji ein bescheidener Ort, ein Fischerdorf mit unbedeutendem Hafen, in dem ein wenig Handel betrieben wurde. Das Bombardement mit Bimssteinen und Lavabrocken, das Pompeji in den ersten Stunden der Katastrophe heimsuchte, erreichte Herculaneum nicht, obwohl es näher am Vesuv liegt als Pompeji. Herculaneum wurde statt dessen schlagartig durch einen pyroklastischen Strom vernichtet, wodurch der Erhaltungszustand vieler Details in Herculaneum besser ist als in Pompeji. Es wurden viele Mauern eingedrückt, doch Möbel, Kleidung und sogar Papyri blieben in den Häusern erhalten. Holzteile der Häuser wurden zwar verkohlt, zerfielen aber nicht zu Staub wie in Pompeji.

Herculaneum ist im Gegensatz zu Pompeji kleiner, überschaubarer und nicht so touristisch überlaufen wie die bekanntere Stadt.

Erschütternd zu sehen ist, daß die Ausgrabungen in vielen Teilen ungenügend geschützt gegen das Wetter und die Touristen sind. Dieser einmalige Ort hat Jahrtausende überstanden, um nun dem Verfall preisgegeben zu werden.

Brunnen von Neptun und Amphitrite, Wandmosaik im Haus Nr. 22 (Casa di Nettuno e Amphitrite)


Literaturempfehlungen:


- Helbert, Frank, Vitiello, Gabriella; Neapel und Pompeji. Ostfildern 2. Aufl. 2013 (= DuMont direkt)
- Krasa, Daniel: City Trip Neapel. Bielefeld 2. Aufl. 2014 (= Reise Know How)
- Naples & the Amalfi Coast, London 2011 (= DK Eywitness Travel)
- Vitiello, Gabriella, Helbert, Frank: Neapel, Amalfiküste, Cilento. Ostfildern 3. Aufl. 2013 (= DuMont Reisetaschenbuch)