Eine Reise in die Toskana nach Florenz, Livorno, Viareggio und Lucca im Mai 2016

Für den Urlaub im Mai hatten wir uns für eine Reise in die Toskana entschieden. Auf dem Programm standen einige Tage Aufenthalt in Florenz und eine anschließende Weiterfahrt mit dem Leihwagen an die Küste nach Livorno.

Die Anreise erfolgte via Zubringerflug nach München und von dort weiter mit Air Dolomiti nach Florenz. Bei schönem Wetter ging es zügig mit dem Taxi zum gebuchten Hotel Kraft am Rande der unmittelbaren Altstadt. Das Hotel war schön, das Zimmer allerdings recht klein. Dafür verfügt das Hotel über eine attraktive Dachterrasse, von der aus man einen herrlichen Blick über die Altstadt vom Arno bis zum Dom hat. Leider ließ uns das Wetter während unseres gesamten Aufenthaltes im Stich: es wechselte beständig zwischen massiven Gewittern mit eiskaltem Regen, Sonnenschein mit entsprechender Wärme sowie starkem Wind. Dies waren keine idealen Bedingungen, da man bei den Stadttouren ständig unterschiedliche Bekleidung und Regenutensilien mitnehmen mußte.

Trotzdem nutzen wir die Zeit zur Besichtigung diverser Attraktionen der Stadt. Diese war, trotz der Vorsaison und des mäßigen Wetters, schon extrem gut von Touristen besucht. Nicht nur die unvermeidlichen Reisegruppen schoben sich durch die Gassen, auch waren unzählige Individualreisende unterwegs. Wie wir später erfuhren, wird der Touristenstrom auch durch unzählige Kreuzfahrttouristen von Livorno aus befeuert, die entweder in organisierten Gruppen oder individuell nach Florenz kommen. Mir ging durch den Kopf, wie denn wohl die Situation in der Hauptreisezeit sein mußte.

Kulminationspunkt der Touristenströme waren natürlich die Uffizien. Angesichts der ellenlangen Warteschlange vor dem Eingang versuchten uns windige Verkäufer, Eintrittskarten für den zigfachen normalen Eintrittspreis zu verkaufen. Als wir nicht "anbissen" kehrten sie fünf Minuten später zurück und priesen die Karten für "nur" noch den doppelten Preis an. Damit käme man "sofort und ohne Wartezeit" ins Museum. In Anbetracht der Menschenmassen, die aber ohnehin schon im Gebäude waren und der unzähligen großen Museen, die wir weltweit schon besucht hatten, nahmen wir von einem Besuch Abstand. Es ist auch fraglich, ob es Spaß macht, sich vor den Kunstwerken innerhalb von Menschtrauben zu befinden.
Entschädigt für den Nicht-Besuch der Uffizien wurden wir durch die Besichtigung des Palazzo Pitti auf der gegenüberliegenden Arnoseite mit einer ebenfalls phantastischen Gemäldesammlung.

Neben den dubiosen Eintrittskartenverkäufern vor den Uffizien machten wir Bekanntschaft mit einer weiteren Touristenabzockermethode: dem Verkauf von Briefmarken. In allen Andenkenläden / Kiosken etc. die Postkarten verkaufen (gesehen in Florenz, Livorno, Viareggio, Lucca), werden dem ahnungslosen Touristen keine Briefmarken der offiziellen italienischen Post verkauft, sondern Briefmarken-Aufkleber privater Postunternehmer. Angetroffen haben wir GPS Post, Italy Post und Friend Post. Dies natürlich zu völlig überhöhten Preisen und ohne Hinweis auf die Besonderheit der Marken. Aufmerksam wurde ich nur, als mir der Kioskbesitzer sagte, ich dürfe meine Postkarten nur in den Metallkasten an seiner Bude werfen. Da war es leider schon zu spät.
Im Netz fand ich dann die Erklärung für das merkwürdige Treiben: die offizielle italienische Post hat Kiosken, Tabakläden und anderen Postkartenverkäufern die Lizenz zum Briefmarkenverkauf entzogen. Deshalb sind neue Kurierdienste entstanden mit eigenen Briefmarken und eigenen Briefkästen. Die Privatdienste zahlen offenbar bis zu 30 Cent Provision pro verkaufter Briefmarke an den Händler. Kein Wunder also, daß die Postkartenverkäufer kein Interesse am Hinweis auf diese "Sonderbriefmarken" haben. Besonders ärgerlich ist aber, daß sowohl meine eigenen Karten als auch die zahlreicher anderer Italienreisender augenscheinlich nie ihren Bestimmungsort erreichen!

Aufpassen als Tourist sollte man auch vor den an Touristenattraktionen auftauchenden fliegenden Händlern. Diese zumeist aus Schwarzafrika kommenden Männer versuchen, Touristen gefälschte Markenartikel oder die unvermeidlichen "Handy-Sticks" anzudrehen. Vor der Markthalle wurden wir Zeuge einer Kontrollaktion durch italienische Offizielle. In Windeseile packten die illegalen Händler ihre eigens dafür konstruierten Papptische zusammen. Mit einem Handgriff verwandeln sich die "Tische" in flache Tragetaschen - und der Kontrolleur schaute in die Röhre. Ein Katz und Maus Spiel bei welchem es unter Garantie gut verdienende Hintermänner gibt, die die Händler auf die Straße schicken. Der Kauf von Falsifikaten wird übrigens rigeros geahndet - also Finger weg davon!

Florenz

Santa Maria Novella. Baubeginn Mitte des 13. Jahrhunderts im gotischen Stil und spätere Hinzufügung der weißen Renaissancefassade aus Marmor von Alberti mit schönen olivgrünen Streifen.
Mercato Centrale, die größte Markthalle von Florenz auf zwei Etagen.
Die Kathedrale Santa Maria del Fiore wird auch als Florentiner Dom bezeichnet und ist die viertgrößte Kirche in Europa. Erst 1296 entschloß man sich zum Bau eines Doms nach Plänen von Arnolfo di Cambio. Der Entschluß kam jedoch nicht aus einem religiösen Impuls, sondern vielmehr aus dem Wunsch nach einem weithin sichtbaren Monument, nicht zuletzt in Konkurrenz zu Venedig und Pisa sowie dem 1229 begonnenen Dombau in Siena.
1417 legte Brunelleschi sein erstes Kuppelmodell vor, nachdem vorher beschlossen worden war, eine noch prächtigere und größere Kuppel zu erstellen, als das erste Modell vorgesehen hatte. Der Bau der 107 Meter hohen Kuppel mit einem Durchmesser von 45 Metern dauerte 16 Jahre (1418 bis 1434). Aufgrund ihrer Einzigartigkeit wird sie noch heute als Höhepunkt der Renaissance gesehen. Der Dom wurde nach der Fertigstellung der Kuppel am 25. März 1436 in Anwesenheit von Donatello, Brunelleschi, Ghiberti, Michelozzo und Alberti durch Papst Eugen IV. geweiht.

Loggia del Bigallo von 1352-58. Die Bruderschaft del Bigallo kümmerte sich um alte Leute und Findelkinder.
Die Medici-Kapellen (Cappelle Medicee) sind die Grabkapellen des Fürstengeschlechtes der Medici an der Kirche San Lorenzo. Der Medici-Papst Leo X. wollte seinen verstorbenen Verwandten ein Denkmal setzen, als er 1520 den Bau der Neuen Sakristei beauftragte. Sie gilt als eines der bedeutendsten Werke Michelangelos, der Skulptur und Architektur gestaltete.
Cappelle Medicee, Innenansicht.
Der Palazzo Vecchio (Baubeginn 1299) stellte als Sitz des Stadtparlaments den Mittelpunkt der weltlichen Macht im Florenz des 14. Jahrhunderts dar. Er hieß ursprünglich Palazzo della Signoria (die Signoria war die Regierung der Republik), bis die Verwaltung unter Herzog Cosimo I. aus dem Haus Medici in die Uffizien umzog. Heute dient der Palazzo Vecchio als Rathaus.
Der Ponte Vecchio (Alte Brücke) ist die älteste Brücke über den Arno in Florenz. Nachdem 1333 ein Hochwasser eine an derselben Stelle stehende Holzbrücke zerstört hatte, wurde in zwölfjähriger Bauzeit die heutige Brücke aus Stein errichtet. Seitlich entlang der Brücke befinden sich seit 1345 lückenlos aneinandergereiht kleine Läden mit zur Brücke hin gerichtetem Eingang, deren rückwärtiger Teil jeweils einem Balkon ähnlich die eigentliche Brücke überragt. Auf der Brücke reiht sich ein exklusiver Juwelier an den nächsten.
Der Palazzo Pitti ist ein Renaissance-Palast im Stadtteil Oltrarno auf der der Altstadt gegenüberliegenden Seite. Das in seinem Grundbestand Filippo Brunelleschi zugeschriebene Gebäude wurde ab 1458 für den Kaufmann Luca Pitti erbaut.
Palazzo Pitti: Galleria Palatina, die Gemäldesammlung der Medici.
Der Boboli-Garten (Giardino di Boboli) ist ein Park, der hinter dem Palazzo Pitti liegt, dem Hauptsitz der Medici als Großherzöge der Toskana, und ist einer der bekanntesten italienischen Gärten des 16. Jahrhunderts. Der Boboli-Garten wurde von Eleonora von Toledo angelegt, der Ehefrau von Großherzog Cosimo I.