3.3 Die Veterinäranstalten und Veterinärtruppen im Ersatzheer

3.3.1 Die Heeresveterinärakademie

Sie wurde 1935 in Hannover eröffnet und diente als Ausbildungsstätte für den aktiven Veterinäroffiziersnachwuchs.

3.3.2 Das Heeresveterinäruntersuchungsamt

Das Amt war die für alle Gebiete des Veterinärdienstes zuständige Forschungsanstalt in Krankheitserforschung, -vorbeugung und -bekämpfung usw. Es bestand in Berlin.

3.3.3 Die Heereslehrschmieden

In den Heereslehrschmieden wurden Beschlagschmiede für das Heer herangebildet.

3.3.4 Der Heereshauptveterinärpark

Diese waren die zentrale Beschaffungsstelle für das veterinärärztliche Gerät. Sie hatten die Heimatpferdeveterinärparke mit diesem Gerät zu beliefern sowie selbst Arzneimittel herzustellen.

3.3.5 Die Lehr- und Versuchsveterinärkompanie

Sie entsprach in Stärke etc. einer Veterinärkompanie der Infanteriedivision und diente zur Aus- und Fortbildung von Veterinäroffizieren und Veterinäroffiziernachwuchs.

3.3.6 Das Lehr- und Versuchspferdelazarett

Es diente der Fortbildung von Veterinäroffizieren und Veterinäroffizieranwärtnern und hatte wissenschaftliche Versuche nach Weisungen durchzuführen.

3.3.7 Die Heimatpferdelazarette

Hierhin wurden die aus den Armeepferdelazaretten antransportierten kranken Pferde gebracht. 1940 betrug die Aufnahmefähigkeit 1000 kranke Pferde.

3.3.8 Die Wehrkreisveterinäruntersuchungsstellen

Sie hatten sinngemäß die Aufgaben der Verterinäruntersuchungsstellen des Feldheeres. Hier wurden in Laboratorien Untersuchungen durchgeführt.

3.3.9 Die Heimatveterinärparke

Sie wurden im Krieg zu Nachschubstellen für die Veterinärparke des Feldheeres und die Einheiten des Ersatzheeres für das gesamte Veterinärgerät.

3.3.10 Die Veterinärersatz- und Ausbildungs-Abteilungen

Bei Beginn des Krieges wurde das Ersatzpersonal für die Veterinärdienste bei den Fahrersatzabteilungen ausgebildet. Da dies nicht praktikabel war, wurde seit 1941 Ausbildung in den Veterinärersatz- und Ausbildungs-Abteilungen betrieben.

3.3.11 Die Heimatpferdeparke

Diese gehörten allerdings nicht zu den Veterinärtruppen. Hier wurden Reservepferde für die Truppen aufgenommen.

2. Das Personal des Veterinärdienstes

2.1 Die Veterinäroffiziere

Bei Kriegsbeginn gab es rund 700 aktive Veterinäroffiziere und ca. 800 im Beurlaubtenstatus. Um den Bedarf zu decken, wurde die Gesamtzahl der Offiziere im Krieg auf 5.500 erhöht. Sie waren Fachoffiziere einer Sonderlaufbahn. Ihre Dienstgrade hießen Veterinär, Oberveterinär, Stabsveterinär, Oberstabsveterinär, Oberfeldveterinär, Oberstveterinär, Generalveterinär, Generalstabsveterinär, Generaloberstveterinär. Zur karmesinroten Waffenfarbe trugen die Veterinäroffiziere auf den Schulterstücken neben den Rangabzeichen eine Schlange - ohne Äskulapstab -, die Veterinäroffiziere im Generalsrang das Generalsrot an Aufschlägen und Besatzstreifen. Auch im Kriege stand jedem Veterinäroffizier der berittenen und bespannten Truppe ein Reitpferd zu.

Während des Krieges ergaben sich für die Veterinäroffiziere etwa folgende Laufzeiten in den einzelnen Dienstgraden:

  • Unterveterinär neun Monate
  • Veterinär neun Monate
  • Oberveterinär zwei Jahre
  • Stabveterinär drei bis fünf Jahre
  • Oberstabsveterinär acht bis zehn Jahre
  • Oberfeldveterinär drei bis vier Jahre
  • Oberstveterinär drei bis vier Jahre.

Die Verluste der Tierärzte betrugen fast 16 % und waren damit enorm hoch, da sie ja nicht zur kämpfende Truppe gehörten. Sie liegen nur wenig unter denen der Ärzte. Ende November 1943 waren 156 Veterinäroffiziere gefallen, 62 gestorben in folge von Krankheit, 38 tödlich verunfallt und 32 durch Suizid gestorben. Am 1.12.1944 sahen die Verluste folgendermaßen aus (in Klammern die Zahlen für den Osten): 268 (243) Gefallene, 30 (24) Verstorbene, 632 (608) Vermißte und 531 (478) Verwundete. Zum Kriegsende waren 1.486 verstorben, davon 565 gefallen, 331 gestorben, 539 vermißt und 51 Suizide.

2.2 Die Sonderführer im Veterinärwesen

Der Mangel an Offizier- und Unteroffizierdienstgraden bei Kriegsbeginn zwang dazu, Führer- und Unterführerstellen mit Personen zu besetzen, die kaum eine militärische Ausbildung hatten wie Ingenieure. Sie wurden als Sonderführer in das Kriegsheer eingereiht.

2.3 Das sonstige Veterinärpersonal

Hierzu zählten die Unteroffiziere und Mannschaften der Veterinäreinheiten des Feld- und Ersatzheeres, mit Ausnahme der Spezialisten wie Hufbeschlagpersonal. Die Zahl der in den Veterinärtruppen eingesetzten Unteroffiziere und Mannschaften betrug ca. 81.000 Mann. Die Waffenfarbe war auch hier Karmesinrot und das Abzeichen der Einheit. Die Mannschaften im niedrigsten Mannschaftsdienstgrad in den Veterinäreinheiten führte die Bezeichnung "Reiter", mit Ausnahme der motorisierten Pferdetransporteinheiten, in denen diese Mannschaften "Kraftfahrer" hießen. Ausbildung und Ersatzgestellung erfolgte bis Frühjahr 1941 durch die Fahrerersatzeinheiten, danach durch die neuaufgestellten Veterinärersatz- und Ausbildungsabteilungen. Ausgenommen waren die Spezialisten für die motorisierten Pferdetransporteinheiten. Somit ist es sehr wahrscheinlich, daß mein Großvater, der 1942 in der Kraftfahr-Ersatz-Abteilung 16 ausgebildet wurde, später als Kraftfahrer in solch einer motorisierten Pferdetransporteinheit eingesetzt wurde. Bild 19 zeigt ein in diesen Einheiten verwendetes Pferdetransportfahrzeug. Neben dem Geburtsjahrgang war der Tauglichkeitsgrad ausschlaggebend für den Einsatz. 1941 wurden alle Angehörige der Geburtsjahrgänge 1908 und jünger, die "k.v." waren, zur fechtenden Truppe geschickt. 1943 wurden den Veterinärtruppen des Feldheeres nur noch Angehörige der Jahrgänge 1907 und älter zugewiesen, 1944 nur noch Angehörige der Jahrgänge 1901 und älter.

2.4 Das Hufbeschlagspersonal

Dieses gehörte nicht zum Veterinärpersonal, unterstand aber den zuständigen Veterinäroffizieren.

3. Besondere Aufgaben des Veterinärdienstes

  • Hufbeschlag,
  • veterinäre Lebensmittelüberwachung und die Fleischuntersuchung in der Truppe,
  • Feldschlächtereien,
  • Gasschutz der Heerestiere,
  • Tierkörperverwertung.

4. Das Heerespferd

Die Verwendung des Pferdes in der deutschen Wehrmacht war zwangsläufig durch die Kapazität der deutschen Industrie und ihre begrenzten Möglichkeiten, Kraftfahrzeuge, Betriebsstoff und Bereifung zu liefern, bedingt. Hauptsächlich wurden die Pferde an der Ostfront eingesetzt, fast 3/4 aller Pferde fanden hier Verwendung. Bedeutend war ihr Einsatz vor allem in der Schlammperiode und im Winter, wo Motore einfroren. Pferde vor bespannten Fuhrwerken, Fahrzeugkolonnen und Schlitten bildeten of das letzte Verbindungsglied zwischen der Front und der Nachschubbasis.

Das deutsche Friedensheer verfügte bei Kriegsbeginn über 573.000 Einhufer. Die Zahl der im Heer verwendeten Pferde und Tragtiere erreichte 1943 eine Höhe von 1.380.000 Tieren. Insgesamt haben ca. 2.750.000 Tiere im Krieg im Dienst der Wehrmacht gestanden. Nach Untersuchungen sind ca. 60-63 % der Pferde des Heeres gestorben. Die Lebenserwartung eines Pferdes im Krieg betrug ca. 4 Jahre, während Kraftfahrzeuge schon nach einem Jahr ausfielen.

Bei Kriegsbeginn lag die Pferdesollstärke einer Infanteriedivison zwischen 4077 und 6033 Pferden, beim Ostfeldzug hatten die Divisionen zeitweise rund 2.000 Panjepferde im Dienst. Die Pferdesollzahlen der genormten Infanteriedivision 44 wurde auf 3.979 Pferde und die der Infanteriedivision 45 auf 3.608 Pferde herabgesetzt, um den Nachschubbedarf zu verringern.

Die Beanspruchung der Pferde war unglaublich, Fahrzeuge sanken bis zu den Achsen ein, eine richtige Fürsorge nicht mehr möglich und die Fütterung auf Grünfutter und Ersatzfuttermittel umgestellt.

Zeitzeugenberichte

Bislang habe ich zwei Zeitzeugenberichte über Veterinärkompanien an der Ostfront gefunden. Besonders ausführlich sind die Erinnerungen von Oswald Döpke "Ich war Kamerad Pferd". Dieser befand sich mit seiner Kompanie in Frankreich und Rußland und Teile seines Buches sind auch im Internet nachlesbar. Identischer mit den Erfahrungen, die mein Großvater vermutlich gemacht hat, sind die Erinnerungen von Oswald Maier, der der Veterinärkompanie der 305. Infanterie-Divsion angehörte. Die Division wurde in Stalingrad eingeschlossen, die Veterinärkompanie aber frühzeitig evakuiert.

Unterveterinär Maier beschreibt nicht nur die Uniform (dunkelrote Schulterstücke wie der Generalstab, was zu Amüsement führte), die Versorgung der Pferde und sein Verhältnis zu anderen Truppenteilen, sondern auch das Leiden der Pferde an der Ostfront. Demnach wurden mehr Pferde wegen Lungenentzündung und Erfrierungen behandelt als wegen Kampfverletzungen. Angst hatten die Veterinäre vor der ansteckenden Rotz-Krankheit, die unter russischen Pferden sehr verbreitet war und weswegen man bei Benutzung die russischen Ställe erst desinfizieren mußte. Er berichtet auch von der weitverbreiteten Nutzung der russischen Panje-Pferde zum Ziehen von Schlitten etc. Zum Bedauern der deutschen Militärs waren diese kleinen Tiere nicht zum Ziehen von schweren Artilleriegeschützen fähig. Die Teilnahme an Kämpfen war für Angehörige der Veterinärkompanien offensichtlich recht selten, da sie sich in den rückwärtigen Räumen aufhielten. Dies dürfte auch der Grund sein, warum mein Großvater überhaupt den gesamten Rückzug der 306. Infanterie-Divsion vom Don bis nach Rumänien überlebt hat.

Quellen:

Zieger, Wilhelm: Das deutsche Heeresveterinärwesen im Zweiten Weltkrieg. Freiburg 1973; Lexikon der Wehrmacht; U.S. War Department Technical Manual, TM-E 30-451: Handbook on German Military Forces, March 1945 Stefanie Albrecht, Prof. Dr. Hans Jöchle (1892 – 1968) Ein Leben für den Hufbeschlag; Veterinärische Versorgung Januar 1943; Pferde im Einsatz bei Wehrmacht und Waffen-SS ; Office of Medical History: United States Army Veterinary Service in World War II; Oswald Döpke: Ich war Kamerad Pferd. Meine grotesken Kriegserlebnisse 1942-1945. Berlin 2004 ; Erinnerungen von Oswald Maier

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Das deutsche Heeresveterinärwesen im Zweiten Weltkrieg, Teil 3
Die 306. Infanterie-Divsision, Aufstellung bis nach Rußland, 1940 - Januar 1943
Rußland - Vom Tschir zum Dnjepr, Januar - November 1943
Rußland und Rumänien - Vom Dnjepr zum Dnjestr, Oktober 1943 - Mai 1944
Rumänien, August - Oktober 1944
Kriegsgefangenschaft Oktober 1944 - April 1945: das Spezialhospital 6031 Roja