Die Geschichte der Stadt Liebau (Kreis Landeshut i. Schles.), heute Lubawka (Polen)

Liebau liegt an einem der flachsten Gebirgspässe von Schlesien nach Böhmen. Der den nördlichen und südlichen Teil Europas verbindende Handelsweg hatte einen großen Einfluß auf das Schicksal der Stadt. Es ist nicht bekannt, wann die ersten Menschen diese Gegend besiedelten. Die ältesten Besiedlungsspuren reichen bis in das Neolithikum zurück. Vermutlich siedelte der Volksstamm der Boboranen, was aber nicht exakt nachgewiesen werden konnte. Die früheste schriftliche Erwähnung des Namens Liebau stammt aus dem Jahr 1284, Stadtrechte erhielt der Ort 1292, als das umliegende Gelände vom Herzog Bolko (Herzogtum Schweidnitz-Jauer) dem Orden des Zisterzienserklosters Grüssau übereignet wurde. Der Orden besaß die Stadt bis zur Säkularisierung 1810.

Zusammen mit dem Herzogtum Schweidnitz-Jauer wurde Liebau nach dem Tod des Herzogs Bolko II. 1388 als Erblehen der Krone Böhmen inkorporiert. In den Hussitenkriegen wurde die keine Stadtmauern besitzende Stadt 1425 und 1431 zerstört und verwüstet. Im 15. Jahrhundert wurde keine Stadt von Kriegen, Epidemien und Naturkatastrophen verschont. 1526 kam Schlesien und damit auch Liebau in den Herrschaftsbereich der Habsburger.

Das 16. Jahrhundert verlief für Liebau sehr gut, denn Dank der Leinenweberei entwickelte sich die Stadt. Durch den Dreißigjährigen Krieg und die damit verbundene Wirtschaftskrise wurde die Entwicklung unterbrochen. 1646 wählte das schwedische Militär Liebau als Lagerort. Die Stadt wurde ausgeplündert und von den Einwohnern verlassen.

Nach dem Krieg versuchte die Stadt einen Neuanfang. Man reaktivierte die Leinenherstellung und den Leinenhandel. Zum erneuten wirtschaftlichen Aufschwung kam es im 18. Jahrhundert. Mit der Eröffnung des Freihafens Triest wurde Liebau Durchgangsstadt der Händler aus Schlesien, die in das Donaugebiet reisten. Durch die Zunahme der Handwerksbetriebe, sowie der Tuch- und Strumpfmanufakturen florierte der Handel. Eine Information über den hohen Entwicklungsstand der Stadt liefert die Statistik des Jahres 1784. Demnach existierten 269 Häuser in Liebau, davon waren 8 öffentliche Gebäude, eine Wassermühle, eine Mühle zum Mahlen von Eichenrinde, 4 Bleichen und Walkmühlen und die Leinenmangel. Unter den 406 Bürgern waren 100 Handwerker (mit dem Webhandwerk verbunden und Leinweber). 101 Weber besaßen 149 Webstühle. Je nach Schätzung arbeiteten in anderen Branchen ca. 51 - 100 Personen.

Das 18. Jahrhundert brachte der Stadt eine Reihe von Naturkatastrophen. Am 11. Oktober 1734 vernichtete ein Feuer die gesamte Stadt samt Rathaus, Schule und Pfarrhaus. Auch die aus den Jahren 1609-1615 stammende Kirche brannte ab. Erst 1709 war ein neues Gewölbe errichtet worden. Nunmehr wurden Dach, Gewölbe, Glocken und Turmhaube zerstört. Die Bevölkerung brachte sich bei den Zisterziensern des Klosters Grüssau und in Schömberg in Sicherheit. Das Kloster gab der Stadt ein Darlehen sowie Material zum Wiederaufbau. So wurde 1735 die Kirche in Anlehnung an den Grüssauer Klosterbau von Anton Josef Jentsch wiedererrichtet. Das Kircheninnere ist im Barockstil, der Turm aus der Renaissance.

An Wasser wurde in Liebau nicht gespart. 1736-1737 kam es zu einer schweren Überschwemmung. Das Ereignis ist auf dem Stadtwappen festgehalten worden. In den überfluteten Straßen schwammen Forellen. Nach dem Ersten Schlesischen Krieg 1742 übernahmen die Preußen die Herrschaft über das Land.

Das Jahr 1810 war für Liebau insofern wichtig, da der Zisterzienserorden enteignet und damit Liebau und Schömberg selbständig wurden. Zusammen zählten die beiden Städten anfangs 1500 Einwohner - halb soviel wie die Nachbarstadt Landeshut. Während des Vorfrühlings erwähnen Chroniken Reden von Liebauer Bürgern, Arbeitern und Bauern. Am 17. September 1848 brach wieder ein Feuer in der Stadt aus und zerstörte rund 150 Häuser und Wirtschaftsgebäude.

1857 und 1865 wurden die ersten mechanischen Spinnereien in Betrieb genommen. Einen großen Einfluß auf die Entwicklung der Stadt hatte 1865 der Anschluß an das Eisenbahnetz nach Seidlitzau und die spätere Verlängerung nach Tschechien. Seit 1862 gab es in der Umgebung Steinkohlebergbau, welcher im Ertrag (ca. 20.000 t jährlich) nicht mit den anderen niederschlesischen oder böhmischen Kohlerevieren mithalten konnte. 1873 wurde eine Glashütte errichtet. 1890 gab es eine große Weberei, einen Produktionsbetrieb für Zellulose und Zelluloseerzeugnisse, die Glashütte sowie zahlreiche andere Industriebetriebe. In der Stadt befanden sich alle wichtigen Institutionen und Ämter. 1864 wurde ein Krankenhaus eröffnet.

Durch die grenznahe Lage in malerischer Umgebung weckte Liebau das Interesse der Touristen. Besucht wurden das Tal der Liebe, der Rabenstein, die evangelische Kirche sowie die Kalvariendarstellung auf dem Heiligen Berg. In den 1890er Jahren war Liebau schon ein bekannter Touristen- und Sommerferienort in dem zehn Hotels, Wirtshäuser und Jugendherbergen betrieben wurden.

Die Zwischenkriegszeit brachte der Stadt eine Reihe von Sportanlagen. 1924 wurde die Sprungschanze auf dem nördlichen Abhang des Rabensteins gebaut, etwas später ein Sportkomplex mit Gebäuden und Sportplätzen. Hier trainierten die Athleten für die Olympiade von 1936, später dienten die Anlagen den nationalsozialistischen Jugendorganisationen als Schulungs- und Erholungszentrum. Während des Zweiten Weltkrieges wurde ein Lager für Zwangsarbeiter, 1944 eine Außenstelle des KZ Groß-Rosen errichtet, in der 500 jüdische Frauen gefangen gehalten wurden, die aus Auschwitz kamen.

Liebau wurde nicht durch Kriegshandlungen zerstört. Am 7. Mai 1945 besetzte das sowjetische Militär die Stadt, in der sich zu der Zeit etwa 6300 Einwohner sowie ca. 1000 vor der Front fliehende Personen befanden. In den Jahren 1945-47 wurde die deutsche Bevölkerung vertrieben. Ihren Platz nahmen Polen ein, die aus den von der Sowjetunion besetzten Gebieten, aus Zentralpolen und in großer Zahl aus der Gegend von Neu Sandez / Nowego Sącza stammten.