Die Geschichte des Kloster Grüssau (Kreis Landeshut i. Schles.), heute Opactwo Cysterskie w Krzeszowie (Polen)
Die Stiftung des Klosters erfolgte am 8. Mai 1242 durch Herzogin Anna von Böhmen, Witwe des Herzogs Heinrich II. des Frommen. Das Kloster wurde mit Benediktinermönchen des böhmischen Klosters Opatovice besiedelt, die das Tal des Zieder urbar machen sollten. 1289 übergab Herzog Bolko I. von Schweidnitz-Jauer das Kloster Grüssau an die Zisterzienser aus dem Kloster Heinrichau. Die Klosterkirche wurde 1292 geweiht, die Klostergebäude einige Jahre später errichtet. In der Folgezeit wurde der Grundbesitz mehrfach erweitert: 1340 um Schömberg mit sechs Dörfern, danach um Warmbrunn, das von dem Ritter Schaffgotsch gestiftet wurde, und 1403 um die Herrschaft Würben bei Schweidnitz. Im 14. Jahrhundert gehörten zum Stiftsland fast 40 Dörfer und die beiden Klosterstädte Liebau und Schömberg. Während der Hussitenkriege wurde Kloster Grüssau und das dazugehörige Stiftsland 1426/27 schwer verwüstet und mehrere Mönche getötet. Kirche und Kloster waren erst 1454 wieder aufgebaut. Während der Reformation ging die Zahl der Mönche stark zurück. Auch im Dreißigjährigen Krieg wurde Grüssau schwer heimgesucht. Bald erlangte es jedoch seine wirtschaftliche Kraft und seine religiöse Bedeutung zurück und wurde ein Zentrum der Gegenreformation in Schlesien. Zudem war es ein kultureller Mittelpunkt des Riesengebirges und der böhmischen Nachbargebiete. Große Verdienste um die kulturelle und religiöse Entwicklung Grüssaus erwarb sich Abt Bernhard Rosa. Viele Bauten und Kunstwerke, an denen er bedeutende Künstler beschäftigte, gehen auf seine Zeit zurück. Durch das 1669 eingerichtete Stiftsgymnasium, an dem zahlreiche Freiplätze für begabte Schüler vergeben wurden, stieg die Bildung der Umgebung. Der Arzt und Mystiker Angelus Silesius wurde vom Kloster großzügig bei der Drucklegung seiner Werke unterstützt. Zu den Hauptaufgaben der Mönche gehörte die Seelsorge in den zwölf Stiftspfarreien und die Betreuung der Wallfahrer zum Gnadenbild Unserer Lieben Frau. Äbte und Mönche haben einen großen Beitrag zur geistigen und kulturellen, aber auch zur wirtschaftlichen Entwicklung des Stiftslandes geleistet. Nach den Schlesischen Kriegen fiel Schlesien, das bis dahin ein Nebenland der Krone Böhmens war, an Preußen. Wegen der nachfolgenden Kriegslasten, mit denen auch das Kloster Grüssau belegt wurde, konnte der geplante Neubau des Klosters erst unter Abt Placidus Mundfering (1768-87) begonnen werden. Er blieb jedoch in Teilen unvollendet, da die Abtei im Zuge der Säkularisierung durch den preußischen Staat 1810 aufgelöst wurde. Das in hoher religiöser und kultureller Blüte stehende Kloster wurde dadurch bedeutungslos. Große Teile der Bibliothek und der künstlerischen Ausstattung gelangten nach Breslau. Die Klosterkirche wurde zur Pfarrkirche umgewidmet, die Klosteranlage wurde teilweise Staatseigentum. In den Profeßbüchern des Klosters Grüssau sind aus der Zisterzienserzeit die Lebensdaten von rund 50 Äbten und 400 Mönchen aus fünf Jahrhunderten verzeichnet. Danach kam der Großteil der Mönche aus Niederschlesien, vor allem aus den zwölf Stiftspfarreien, sowie aus Böhmen. Nur wenige Mönche kamen aus Oberschlesien, da dort die Zisterzienser-Abteien Rauden und Himmelwitz bestanden. 1919 konnte das Kloster Grüssau durch die aus Prag ausgewiesenen deutschen Benediktiner des Emausklosters wieder besiedelt werden. Der Konvent wurde 1924 durch Papst Pius XI. zur Abtei erhoben, die unter Abt Albert Schmitt erneut ein religiös-kultureller Mittelpunkt der Region wurde. 1940 erfolgte durch das NS-Regime die Beschlagnahme der Klostergebäude. Sie wurden als Umsiedlungslager für Volksdeutsche und Verschleppte genutzt. Zudem wurden Kulturgüter der Preußischen Staatsbibliothek zu Berlin ausgelagert, die bei Kriegsende in polnische Hände fielen und seither als umstrittene Berlinka dort zurückgehalten werden. Nach Kriegsende kehrten die Benediktinermönche zurück, wurden jedoch am 12. Mai 1946 zusammen mit den deutschen Ortsbewohnern vertrieben. 1947 wurde das Kloster Grüssau durch polnische Benediktinerinnen, die Lemberg, im sowjetisch gewordenen Ostpolen verlassen mussten, besiedelt. Im selben Jahr gründeten ehemalige Benediktiner-Mönche des Klosters Grüssau eine neue Abtei Grüssau in Bad Wimpfen am Neckar. Während der Zeit des Kommunismus ging die Bedeutung Grüssaus als Wallfahrtsort zurück. 1953 wurden die kostbaren Barockparamente entfernt; die rd. 500.000 Bände umfassende Bibliothek und das Klosterarchiv wurden nach Breslau transportiert. Nach der politischen Wende von 1989 nahm die religiöse Bedeutung als Wallfahrtsort wieder zu. Am 2. Juni 1997 wurde das Grüssauer Gnadenbild durch Papst Johannes Paul II. gekrönt und am 11. August 1997 in Anwesenheit hoher geistlicher Würdenträger abermals inthronisiert. Die Klosterkirche wurde bereits 1292 durch den Breslauer Bischof Johannes Romka eingeweiht. An ihrer Stelle wurde unter Abt Innozenz Fritsch in den Jahren 1728-35 eine barocke Klosterkirche errichtet, deren Entwurf aus dem Kreis um Kilian Ignaz Dientzenhofer beeinflußt wurde. Die Bauleitung lag in den Händen des Stiftsbaumeisters A. J. Jentsch aus Hirschberg. Die Entwürfe für die bildhauerisch gestaltete Fassade, die in drei Geschosse gegliedert ist, schuf Ferdinand Maximilian Brokoff. Nach seinem Tod übernahm sein Schüler Anton Dorazil mit einer Bildhauerwerkstatt aus Prag die Leitung der Arbeiten. An der Westwand befinden sich zwei gotische Sarkophage für Bolko I. ( 1301) und Bolko II. ( 1368). An der Südwand eine Renaissance -Tumba für W. von Zedlitz. Die Loretokapelle wurde 1728 durch Martin Schuppert errichtet. Die Skulpturen des Altars stammen aus der Werkstatt von A. Dorazil. Die Statue der Madonna von Loreto schuf 1676 Georg Schrötter für die Vorgängerkapelle. Die Maria-Magdalene-Kapelle wurde an der Ostseite der Fürstenkapelle 1738 errichtet und mit Fresken von G. W. Neunhertz ausgeschmückt. Der Altar mit Figuren Maria von Ägypten und Heilige Pelagia trägt das Altargemälde Maria Magdalena in religiöser Verzückung von F. A. Scheffler. Die lebensgroße Figur Christi in der Grabkammer fertigte Georg Schrötter 1678 aus Metall. Das Kloster schließt im Süden an die Stiftskirche an. 1662 wurde es durch Stiftsbaumeister Martin Schuppert umgebaut und aufgestockt. Der Klosterneubau nach Plänen von Johann Gottlieb Feller konnte 1774-82 nur teilweise realisiert werden. Im Erdgeschoß des älteren Teils befindet sich ein gotischer Kapitelsaal aus der Mitte des 15. Jahrhunderts. Die zweigeschossige Bibliothek mit klassizistischer Ausstattung befindet sich im Ost-Risalit. Der Kalvarienberg (Kalwaria) wurde in den Jahren 1675-78 durch Abt Bernhard Rosa angelegt. Er umfaßt 32 Stationen, mit denen dargestellt werden. Für die Andachten an den einzelnen Stationen wurde 1682 das Grüssauer Passionsbuch gedruckt.
Das Kloster Grüssau (polnisch: Opactwo Cysterskie w Krzeszowie; tschechisch: Klater Kresobor) ist eine ehemalige Zisterzienserabtei im gleichnamigen Ortsteil Krzeszów der Landgemeinde Kamienna Góra (Landeshut) im Tal des Zieder (Zadrna) im Powiat Kamiennogórski in der Wojewodschaft Niederschlesien.Geschichte des Klosters
Gründung als Benediktinerkloster 1242
Zisterzienserkloster 1289-1810
Neubesiedlung durch deutsche Benediktiner 1919
Neubesiedlung durch polnische Benediktinerinnen 1947
Äbte von Grüssau
Bauwerke
Klosterkirche Mariä Himmelfahrt
Innenausstattung
Seitenaltäre
Kapellen im Chor
Kapellen südliche Seitenschiffwand
Kapellen nördliche Seitenschiffwand
Fürstenkapelle
Die Fürstenkapelle, deren Kuppel einen Durchmesser von 9,4 m hat, wurde 1735-47 errichtet. Sie gehört zu den schönsten Barockmausoleen. Die Fresken von G. W. Neunhertz illustrieren die Geschichte der Abtei. Das bildhauerische Dekor und die Stukkaturen stammen von A. Dorazil. Die Gemälde der Altäre Allerheiligen, Heiliger Wenzel und Heilige Hedwig schuf F. A. Scheffler.Loretokapelle
Maria-Magdalena-Kapelle
St.-Josephs-Kirche
Die Kirche St. Joseph (Kosciół bracki Św. Józefa) liegt nordwestlich der Klosterkirche. Sie wurde durch Abt Bernhard Rosa gestiftet und 1692-95 an der Stelle der mittelalterlichen Pfarrkirche für die 1669 geschaffene Bruderschaft St. Joseph erbaut. Die zweigeschossige Fassade wird von kupferbeschlagenen Holzfiguren der Heiligen Sippe bekrönt.Inneres
Klostergebäude
Kalvarienberg
Literatur
Weblinks