Eine Kurzreise ins Elsaß / Frankreich im Juli 2016

Aus der Schweiz kommend fuhren wir über die linksrheinische Autobahn nach Norden. Grund der Reise war die Verabredung zu einem genealogischen Treffen in Straßburg. Eingeladen hatte uns ein 91jähriger Elsässer. Dieser war Angehöriger der "Malgré-Nous" (d.h. der in die deutsche Wehrmacht zwangsrekrutieren Elsässer) und in der Nachbardivision meines Großvaters im August 1944 in Rumänien eingesetzt. Zusätzlich war er im gleichen Ort wie mein Großvater in sowjetischer Kriegsgefangenschaft. Ebenfalls zum Treffen geladen war ein Herr aus Paris, dessen Vater auch zwangsrekrutiert und in der gleichen Infanteriedivsion wie mein Großvater war. Meine Forschungsergebnisse dazu sind hier nachlesbar.

Da unser Treffen in Straßburg sehr kurzfristig anberaumt worden war, waren alle Hotels in der Stadt ausgebucht oder überpreist. So hatte ich mich nach einer Unterkunft in der näheren Umgebung umgeschaut. Meine Wahl fiel auf das Dörfchen Osthoffen, 17 Kilometer westlich Straßburgs gelegen, da in dem dortigen Schloß Zimmer vermietet werden. Eine exzellente Wahl, wie sich herausstellte.

Das Château d'Osthoffen stellt eine historische Besonderheit dar, denn es ist sehr selten, daß sich eine römische Anlage zu einer mittelalterlichen Burg entwickelte.

50 v. Chr. zu römischer Zeit stand an der Stelle des heutigen Schlosses ein Wach- und Alarmturm als Teil des Verteidigungssystems entlang des Rheins und der Donau. Der Turm gehörte zum Römerlager beim heutigen Ort Scharrachbergheim 5 km westlich von Osthoffen. Das Lager lag auf einer Anhöhe am Fuße der Vogesen zum Schutz einer wichtigen Durchgangsstraße (der heutigen Weinstraße). Neben dem Alarmposten Osthoffen gehörte auch ein Alarmposten in Westhoffen zum Römerlager. Sowohl Ost- als auch Westhoffen lagen in Sicht- und Hörweite (Hornsignal) des Hauptlagers und konnten dieses im Falle eines feindlichen Angriffs warnen. Die römischen Alarmposten in flachem Gelände waren in der Regel durch mehrere Mauern gesichert und eine dieser Mauern wurde in die Burganlage Osthoffen inkorporiert und ist heute deren ältester Teil.

Nach einer wechselhaften Geschichte wurde das Schloß 1817 an den General und Vicomte François Grouvel weiterverkauft, der eine Elsässerin, Marie Nebel, Tochter des Bürgermeisters von Hagenau, geheiratet hatte. Der Urenkel des Generals, Baron Grouvel und seine schottische Frau gestalteten einige Räume des Schlosses ab den 1960er Jahren liebevoll um und vermieten sie seitdem an Gäste. Weiterhin wird das Schloß gerne für große Veranstaltungen gebucht. Der umtriebige, außerordentlich freundliche Schloßherr kümmert sich dabei höchstpersönlich um das Wohlergehen seiner Gäste.

Blick auf Château du Haut-Kœnigsbourg auf dem Weg nach Norden

Darstellung einer römischen Befestigung, wie sie in Osthoffen bestand (Trajansäule in Rom)

Ansicht von Schloß Osthoffen




Barocker Brunnen vor dem Schloß und Kirchturm vom Dorf Osthoffen im Hintergrund

Blick aus dem Schloßfenster

Elsässisches Restaurant in Handschuheim

Handschuheim