Ein Ausflug nach Warnemünde und Rostock September 2007

Ende September 2007 entschlossen wir uns zu einem Kurztrip nach Warnemünde und Rostock. Über die A 1 ging ist Richtung Hamburg und von dort über die ehemalige Zonengrenze Richtung Wismar. Nach etwa 470 km hatten wir unser Ziel Warnemünde erreicht. Dort bezogen wir unser Zimmer im 1971 errichteten Hotel Neptun. Dieser 19stöckige Betonklotz direkt am Strand war zu DDR-Zeiten von schwedischen Arbeitern errichtet worden. Schon von weitem war das Hochhaus gut zu erkennen. Das Hotel war offenbar einer grundlegenden Renovierung unterzogen worden, trotzdem konnte es seine DDR-Vergangenheit nicht verleugnen. Unser Zimmer im achten Stock bot einen wunderschönen Ausblick auf den Strand von Warnemünde und den Ort an sich. Leider war das Zimmer für ein 5-Sterne-Hotel relativ klein bemessen. Daran konnte auch die Renovierung nichts ändern.

Bedauerlicherweise war das Wetter für unsere Reise nicht sehr gut gewählt. Die Lufttemperatur betrug nur 11 Grad und es wehte ein heftiger Wind. Dadurch kam es an der gesamten Ostseeküste zu zum Teil heftigen Sturmfluten. Auch in Warnemünde wurde ein Großteil des Strandes überflutet. Einsatzkräfte bemühten sich, die am Strand befindlichen Strandkörbe in Sicherheit zu bringen. Diese wurden übrigens in Warnemünde erfunden.

Der Ort Warnemünde wurde bereits 1195 urkundlich erwähnt. Um das Jahr 1800 wurde der Ort auch vom Badetourismus entdeckt, und im Jahre 1900 besuchten bereits 14.000 Badegäste das Seebad. Heute präsentiert sich Warnemünde als prächtig herausgeputzte Ortschaft am Ostseestrand. Welche Menschenmassen sich Sommertags durch den Ort wälzen müssen, läßt sich an den zahlreichen Gaststätten, Restaurants und Souvenirläden ablesen.

Beeindruckend ist die riesige Strandpromenade, in deren Zentrum das Hotel Neptun steht. Direkt daneben steht das zwischen 1914 und 1928 im Bauhausstil errichtete Kurhaus, das heute ein Spielcasino beherbergt. Hinter dem Kurhaus befindet sich ein nach historischem Vorbild angelegter Kurhausgarten. Über die Strandpromenade erreicht man das als "Tee Pott" bekannte Café. Das Gebäude wurde 1968 in einem damals futuristisch anmutenden Stil erbaut. Unmittelbar daneben steht der 32 m hohe hundertjährige Leuchtturm. Geht man einige Schritte weiter, erreicht man den Alten Strom, heute eine maritime Flaniermeile. An den Kaimauern liegt Boot hinter Boot und Ausflugsdampfer hinter Ausflugsdampfer. In den ehemaligen Fischerhäusern finden sich vielerlei Geschäfte und Restaurants. Da ist es leicht vorzustellen, daß sich in der wärmeren Jahreszeit freie Plätze an den Tischen vor den Lokalen nur schwer finden lassen. Die Häuser am Strom sind die allerersten in Warnemünde errichteten Gebäude. Früher lebten hier Fischer, Seeleute und Lotsen in den kleinen Giebelhäusern, die meist aus einfachem Fachwerk bestanden und nur mit Schilf oder Stroh gedeckt waren. Da die Häuserreihe bald komplett war, wurde eine dahinterliegende Zeile errichtet. Geht man die Straße vom Meer aus entlang, sticht bald die gelb gestrichene Vogtei ins Auge. Teile der Vogtei wurden ab 1250 errichtet.

Hier befindet sich auch ein Übergang über den alten Strom. Über die alte Drehbrücke erreicht man den Fischmarkt und den Bahnhof von Warnemünde. In Sichtweite der Vogtei wurde in einem wunderschön restaurierten Fachwerkhaus das sehr sehenswerte Heimatmuseum errichtet. Von hier aus sind es nur wenige Schritte bis zur neogotischen Kirche. Nicht weit entfernt an der Mühlenstraße findet man eine alte Windmühle, die heute ein Lokal beherbergt. Gegenüber der Mühlenstraße wurde auf einem alten Friedhof eine Parkanlage angekündigt, über die man schnell wieder den Strand erreicht.

Sehr empfehlenswert sind die zahlreich angebotenen, einstündigen Hafenrundfahrten. Da Rostock über keinen eigenen Hafen mehr verfügt, legen die zahlreichen, mit Skandinavien verkehrenden Fährschiffe in Warnemünde an. In den Sommermonaten wird Warnemünde auch von zahlreichen Kreuzfahrtschiffen angesteuert. Neben dem Tourismus ist die Aker Warnow Werft ein Hauptarbeitgeber der Stadt. Hier werden Teile von Schiffen vorgefertigt, so unter anderem für die Meyer-Werft in Papenburg.

Gegenüber von Warnemünde liegt der Ortsteil Hohe Düne. Dieser wurde in denen 1920er und 30er Jahren bekannt durch seine Flugzeugproduktion, unter anderem der Arado Werke. Heute findet sich hier der Yachthafen Hohe Düne und eine Yachthafenresidenz gleichen Namens.

Mit der in kurzen Abständen pendelnden S-Bahn erreicht man in knapp 30 Minuten sehr einfach den Hauptbahnhof von Rostock. Diese 1160 gegründete Siedlung erreichte ihren Bekanntheitsgrad z.Zt. der Hanse. Bereits im Jahre 1419 wurde die Rostocker Universität gegründet und gilt damit als die älteste in Nordeuropa. Vom Bahnhof aus erreicht man über die Rosa-Luxemburg-Straße nach circa 1 km das Tor zur Altstadt. Neben dem mittelalterlichen Steintor sticht sofort das neugotische Ständehaus ins Auge.

Schnell erreicht man das Rathaus und den Neuen Markt. Das Rathaus ist insofern eigentümlich, weil vor die gotische Fassade ein Barockvorbau mit Laubengang gesetzt wurde. Zudem tauchte man das Rathaus in einen rosa Farbton. Sehr sehenswert sind auch die dem Rathaus gegenüberliegenden Giebelhäuser. Nur wenige Schritte weiter findet sich die Marienkirche als Hauptkirche der Stadt. Sie ist im Stile der Region aus Backsteinen errichtet. Zurzeit unseres Besuches fanden zahlreiche Renovierungsarbeiten statt. Besonders interessant ist die Besichtigung der astronomischen Uhr aus dem 14. Jahrhundert. Diese Uhren waren zu jener Zeit in Mode, und auch im Dom meiner Heimatstadt findet sich ein Exemplar. Der Zugang zur Marienkirche erfolgt über den Ziegenmarkt, an dem sich das Renaissanceportal der alten Münze findet, in dem auch heute eine Bank angesiedelt ist. Von hier aus geht es schnell auf die Kröpeliner Straße, der Einkaufszone Rostocks. Hier finden sich wie überall in Deutschland die bekannten Filialisten.

Schnell hat man den Universitätsplatz erreicht, an welchen das Hauptgebäude der Universität angrenzt. Auf dem Platz findet sich auch ein Denkmal für General Blücher. Ein wenig weiter steht ein weiteres Rostocker Stadttor, das Kröpeliner Tor, an dem sich auch Überreste der alten Wallanlagen befinden.

Wendet man sich nach rechts, erreicht man die Lange Straße. Diese ist heute eine der wichtigsten Verkehrsadern der Innenstadt. Sie entstand nach Bombenangriffen im Jahre 1942 und wurde in der DDR-Zeit als eine breite Aufmarschstraße angelegt. Von der Langen Straße führen einige schmalere Sträßchen in Richtung des Stadthafens. Empfehlenswert ist ein Gang über die Wokrenter Straße, an der sich ein wunderschön restauriertes Hausbaumhaus befindet. Hier läßt sich gut der Aufbau eines hanseatischen Kaufmannshauses erkennen.

Geht man etwas weiter, erreicht man die Schnellstraße Am Strande, an dessen nördlichem Ufer sich der Hafen befindet. Noch zu DDR-Zeiten war der Stadthafen ein wichtiger Umschlagplatz für Küstenmotorschiffe. Seit 1990 vollzog sich ein radikaler Umbruch. Das Hafengelände wurde als touristische Attraktion erschlossen und dort Dienstleistungszentren und maritime Einrichtungen angesiedelt. Vom Stadthafen aus hat man einen wunderschönen Blick auf die Marienkirche.

Interessant ist auch ein Besuch in der östlichen Altstadt. Weithin sichtbar ist die Nikolaikirche. Sehr sehenswert ist auch das sogenannte Kuhtor, das älteste Tor Mecklenburgs. Einst war es das Haupttor der Stadt nach Süden, wurde aber nach Fertigstellung des Steintors nur noch zum Viehaustreiben benutzt und erhielt daher seinen Namen. Am Kuhtor beginnt wieder ein Teil der Stadtmauer. Der hier entlang führende Weg wurde z.Zt. unseres Besuches gerade wiederhergestellt. Er führt nach einem kurzen Stück zu dem sogenannten Lagebuschturm , einem achteckigen Turm im Stil der niederländischen Renaissance.

Wegen des immer noch anhaltenden schlechten Wetters setzten wir unsere Stadtbesichtigung nicht weiter fort, sondern gingen über die Rosa-Luxemburg-Straße zurück zum Bahnhof. Entlang der Straße finden sich zahlreiche hervorragend renovierte gründerzeitliche Stadtvillen.

Fazit: Warnemünde und Rostock sind unbedingt eine Reise wert! Die beiden Orte sind hervorragend restauriert und bieten vielfältige Freizeitmöglichkeiten. Selbst zurzeit unseres Besuches und das nicht sehr schönen Wetters waren sehr viele Touristen Vorort. Bei schönerem Wetter hätte man sich sicherlich mehr von Rostock angeschaut. Das Preisniveau liegt um einiges unter dem von Westdeutschland und auch die Bevölkerung war außerordentlich freundlich.


Literaturempfehlungen:


- Ingrid Ehlers et al.: Rostock und Warnemünde. Ein illustriertes Reisehandbuch. Bremen, 6. Aufl. 2006