Eine Kurzreise nach Quedlinburg im Dezember 2013

Kurz vor Heiligabend 2013 waren wir für ein Wochenende in Quedlinburg im Harz. Meine ukrainischen Freunde urlaubten dort und ich hatte sie lange nicht gesehen. Somit nahmen wir kurzentschlossen die dreieinhalbstündige Fahrt auf uns, um zu sie treffen. Es war ein bewegtes Wiedersehen!
Die uns verbleibende Zeit nutzten wir zu einer Besichtigung des pittoresken Städtchens Quedlinburg, welches nicht umsonst auf der UNESCO-Liste des Weltkulturerbes steht. Die Altstadt imponiert mit rund 1200 Fachwerkhäusern aus sechs Jahrhunderten und auf dem Schloßberg befindet sich u.a. die romanische Stiftskirche mit dem Domschatz als Zeugnis des Quedlinburger Damenstifts.
Einen Eindruck vom Inneren der Fachwerkhäuser bekamen wir im sehr guten historischen Hotel Theophano (Mitte des 17. Jahrhunderts) am Markt, in welchem wir wohnten.

994 verlieh Otto III. seiner Tante Mathilde, Äbtissin des Frauenstifts auf dem Schloßberg, das Markt-, Münz- und Zollrecht. Es wurde zur Geburtsurkunde der Stadt Quedlinburg. Im Bereich um die heutige Marktkirche entstand ein ottonischer Markt, der schon bald die ihn umgebende Mauer sprengte und eine Erweiterung in Richtung des heutigen Marktplatzes nötig machte. Den neuen Mittelpunkt der rasch wachsenden Marktsiedlung bildete das heute noch stehende, 1310 erstmalig erwähnte Rathaus. Nach und nach wurden auch die bäuerlichen Ansiedlungen um die Blasii- und Ägidiikirche sowie das Word- und das Pöllenviertel von einer Stadtmauer umgeben. 1426 trat die aufstrebende Stadt der Hanse bei und versuchte im gleichen Jahrhundert sich aus der Abhängigkeit vom Stift zu lösen. Nach dem Scheitern dieser Bemühungen blieb Quedlinburg bis 1802 dem Frauenstift unterstellt. Ackerbau, Viehzucht und Handwerk ernährten die Bürgerschaft. Im 19. Jahrhundert brachte die Saatzucht der Stadt einen enormen wirtschaftlichen Aufschwung und machte Quedlinburg über die Landesgrenzen hinaus bekannt.

Rathaus mit Rolandstatue. Der Beleg seiner Existenz datiert aus dem Jahr 1310 und dokumentiert darin, daß bereits 1298 Zimmerleute das mächtige Dach des Hauses - der Dachstuhl ist noch im Originalzustand - errichtet wurde. Damit erhielt der romanische Sandsteinbau seinen schützenden Abschluß. In den folgenden Jahrhunderten wurden an dem Haus nur moderate bauliche Veränderungen vorgenommen, welche die ursprüngliche Bausubstanz kaum veränderten. So stammt das Renaissanceportal und die Schreittreppe aus dem Umbau von 1613 - 1615.

Rolandstatue

Marktplatz mit Weihnachtsmarkt.

Fachwerkmuseum Ständerbau. Nach dendrochronologischen Untersuchungen ergibt sich eine Datierung von 1346/47. Als alleinstehendes Gebäude ist es in Quedlinburg eines der ältesten und zur Verdeutlichung des Ständerbauprinzip das markanteste. Das Gebäude ist zweigeschossig. Es besitzt sechs Meter hohe, durch beide Geschosse führende Ständer.

Auf einem Sandsteinfelsen ragt die mehr als tausendjährige romanische Stiftskirche St. Servatii wie ein Wahrzeichen über der Stadt. Die im Jahr 1129 geweihte flachgedeckte Basilika besaß bereits drei Vorgängerbauten. Die gotischen Formen des um 1320 über der Krypta errichteten hohen Chores sind nur von außen sichtbar. Im Inneren wurde 1938 durch eine Apsiswand versucht, den romanischen Gesamteindruck wieder herzustellen. In der Kirche befinden sich die Schatzkammern, die seit 1993 wieder den berühmten Quedlinburger Domschatz beherbergen. In der Krypta unter dem Hohen Chor finden sich die Königsgräber des ersten deutschen Königs, Heinrich I. und seiner Gemahlin Mathilde.

Schloßberg

Im 1570 erbauten Klopstockhaus wurde 1724 der Dichter Friedrich Gottlieb Klopstock geboren. Klopstock wurde durch sein Wirken zu einem Begründer der klassischen deutschen Literatur und war weit über die Grenzen Deutschlands hinaus berühmt.

Schloßberg

Das zweigeschossige Fachwerkhaus (Word 3) entstand in der Zeit um 1560. Auffallend ist das steile Krüppelwalmdach des Gebäudes. Das Ober- und das Dachgeschoß des Hauses kragen vor. Die Hausfassade des alten Kaufmannshofes ist zu drei Seiten reich mit Fachwerkverzierungen im niedersächsischen Stil versehen. So finden sich Wellenband, Fächerrosette und Schiffskehlen mit Taustab. An den vorkragenden Deckenbalken befinden sich Walzenmotive. Unterhalb der Balken sind Knaggen gesetzt.

Finkenherd: An dieser Stelle soll der Sage nach der sächsische König Heinrich 919 von fränkischen Edelleuten die Insignien der Königswürde beim Vogelstellen erhalten haben. Urkundlich ist dieser Ort nicht belegt. Auch später geschriebene Geschichtsschreibung weiß nicht zu berichten, daß die Übergabe der Insignien in Quedlinburg stattfand. Wie es zu dieser Sage kam, ist auch nicht belegt und wird wohl auch im Dunkeln bleiben. Der Finkenherd wird 1678 zum ersten Mal urkundlich erwähnt.

Finkenherd

Finkenherd

Finkenherd

Breite Straße 53. Das dreistöckige, weit zur Straße vorkragende Fachwerkhaus entstand im Jahr 1560 im Stil der Frührenaissance.

Breite Straße 1. Das Erdgeschoß und das erste Obergeschoß stammen aus der Zeit um 1600. Der Ladeneinbau im Erdgeschoß erfolgte später im Stil des Historismus.

Marktstraße. Haus von 1528