Ein Kurzaufenthalt in Karlsruhe im Oktober 2018

Auf dem Rückweg von einem Aufenthalt in Süddeutschland und der Schweiz machten wir einen Zwischenstop in Karlsruhe.
Karlsruhe wurde erst 1715 als sogenannte Planstadt gegründet. Sie ist eine der letzten großen europäischen Stadtgründungen auf dem Reißbrett und zugleich Ergebnis einer weitreichenden Idee: Karl Wilhelm, Markgraf von Baden-Durlach, entschloß sich, die mittelalterliche Enge seiner damaligen Residenz Durlach gegen den Bau einer neuen, in Anlage und Geist offenen Stadt einzutauschen. Karl Wilhelm ließ sich seine Traumstadt entwerfen und gründete die nach ihm („Carols Ruhe“) benannte Residenz am 17. Juni 1715 mit der Grundsteinlegung des Karlsruher Schloßturmes.
Die strahlenförmige Anlage, die auch als städtebauliche Verkörperung des Absolutismus gesehen wird, entspricht der Typologie eines Jagdsterns und erschloß den Hardtwald als Jagdrevier. Der Turm diente zunächst als Jagd- und Lustschloß. Erst 1718 wurde Karlsruhe Residenz der Markgrafschaft Baden-Durlach.
Das Schloß liegt im Zentrum eines Kreises, von dem aus strahlenförmig Straßen in die Stadt nach Süden und Alleen durch den Hardtwald nach Norden verlaufen. Vom Schloßturm im Zentrum hat man Einblick in alle Strahlen. Es sind insgesamt 32 Straßen und Alleen und diese Anzahl entspricht exakt der Einteilung der Kompaßrose. Der Grundriß erinnert an einen Fächer, weswegen Karlsruhe den Beinamen „Fächerstadt“ führt.
Karlsruhe wurde im Zweiten Weltkrieg bei schweren Bombenangriffen zu etwa 30 % zerstört.
In der Bundesrepublik Deutschland wurde Karlsruhe zur „Residenz des Rechts“: 1950 nahm der Bundesgerichtshof dort seine Arbeit auf und am 28. September 1951 folgte das Bundesverfassungsgericht. Das zu der Zeit moderne Gebäude wurde - ebenfalls wie die Universität - in direkte Nähe des Schlosses gebaut. Diese damaligen Entscheidungen sind sicherlich diskussionswürdig.



Schloß Karlsruhe von 1715

Bundesverfassungsgericht im Schloßgarten. Eröffnung 1969
Hauptbahnhof von 1913