Eine Kurzreise nach Hannover im Mai 2013

Im Mai hatte ich Gelegenheit zu einem Kurzaufenthalt in und um Hannover, den ich zu einer Stadtbesichtigung nutzte.

Der rund 0,8 Quadratkilometer große Maschsee wurde zwischen 1934 und 1936 in der Leinemasch angelegt.

Das ehemalige Maschpark- Milchhäuschen "Loretta's" besitzt noch viel vom nostalgischen Charme aus seiner Gründungszeit in den 1930er Jahren und ist heute ein vielbesuchter Biergarten.

Das Neue Rathaus ist ein wilhelminischer Prachtbau von 1913. Über zehn Millionen Reichsmark hatte sich die Stadt damals ihr repräsentatives, auf 6.026 Buchenpfählen errichtetes Rathaus kosten lassen. Noch heute ist das Neue Rathaus Sitz des Oberbürgermeisters.

Das Leineschloss, heute Sitz des Niedersächsischen Landtags und früher königliche Residenz, geht auf ein im 12. Jahrhundert gegründetes Franziskanerkloster zurück, das 1533 aufgehoben wurde. Nachdem der Calenberger Herzog Hannover 1636 zur Residenz gewählt hatte, wurde der nordwestliche Flügel des Schlosses 1742 erneuert. Die übrigen Teile gehen auf Entwürfe des in Hannover sehr aktiven Baumeisters Georg Friedrich Laves zurück, der das Haus zwischen 1816 und 1844 völlig umbaute. Dazu gehört auch der repräsentative klassizistische Portikus an der Leinstraße mit sechs korinthischen Säulen und einem flachen Dreiecksgiebel, der das Wappen des Landes Niedersachsen trägt. Die Leineseite des Schlosses wirkt mit ihren drei Geschossen und dem Mansardendach eher barock. Nach Zerstörung im Zweiten Weltkrieg wurde das Leineschloss 1956 bis 1962 wieder aufgebaut und der Südflügel durch einen modernen Plenarsaal-Anbau ersetzt.



Schon der Ort, an dem das Historische Museum Hannover steht, ist eng mit der Historie der Stadt verbunden: Hier vom hohen Ufer der Leine, das dem jungen "honovere" wohl auch den Namen gab, ging um 1100 die Gründung der Stadt aus. Steinerne Zeugen des späten Mittelalters sind der halbrunde Beginenturm und ein Rest der Stadtmauer aus Bruchstein – beide wurden in den Museumsbau integriert.

Kramerstraße.
Einst hatte Hannover einen großen Altstadtkern mit Fachwerkhäusern und engen Gassen, die zum Teil noch aus dem Mittelalter stammten. Die Feuerstürme des Zweiten Weltkriegs ließen jedoch von der historischen Altstadt nicht mehr als vierzig Häuser übrig. Davon befanden sich allein zwölf im Bereich Knochenhauer-, Kramer- und Burgstraße. Ende der fünfziger Jahre entschied man sich, die restlichen über das Stadtgebiet verteilten Fachwerkhäuser abzutragen und dorthin zu versetzen. So entstand ein Altstadtviertel rund um Marktkirche und Altes Rathaus, das als historische Insel einen guten Eindruck davon vermittelt, wie Hannovers Altstadt einmal ausgesehen hat. Die Kramerstraße ist zudem eine der beliebtesten Einkaufs- und Flanierstraßen der Stadt.
Im Hintergrund des Bildes zu sehen ist die Marktkirche. Von hier aus, wo Kaufleute und Handwerker wohnten, dehnte sich Hannover einst aus. Als der Turm beim Bau erst die Hälfte der vorgesehenen Höhe erreicht hatte, setze die leere Stadtkasse dem geplanten Höhenflug ein Ende: „Die Bauleut seynd müd und im Seckel krank geworden“, schreibt dazu die Chronik. Kurzerhand wurde aus finanziellen Gründen eine verkürzte Turmspitze aufgesetzt - was so gut gefiel, dass es etliche Nachahmer fand. Nach ihrer Zerstörung im Zweiten Weltkrieg wurde die Marktkirche 1952 im historischen Stil wieder aufgebaut.
Was selbst gut informierte Hannoveraner nicht wissen: In der Marktkirche ist der Deutsche Michel begraben. Ihn hat es tatsächlich gegeben. Johann Michael von Obentraut kämpfte im Dreißigjährigen Krieg an der Spitze eines deutsch-dänischen Heeres gegen den Feldherrn Tilly und wurde am 25. Oktober 1625 tödlich verwundet. Ritter Obentraut trug den Beinamen „der deutsche Michel“.

Knochenhauerstraße

Knochenhauerstraße

Holzmarkt

Burgstraße.
In der hinteren Burgstraße findet man das schönste und älteste hannoversche Bürgerhaus aus dem Jahr 1566 - mit einer aufwendig verzierten Renaissancefassade und einem sogar noch zwei Jahre älteren Hinterhaus. Ganz in der Nähe liegt die Kreuzkirche. Erbaut im Jahr 1333 ist sie Hannovers älteste Kirche. Der Altar im Inneren des gotischen Gotteshauses wurde von Lucas Cranach dem Älteren 1537 gestaltet. Die angebaute Duvekapelle ließ sich die hannoversche Kaufmannsfamilie Duve 1655 errichten, nachdem sie für den Wiederaufbau der Turmspitze gespendet hatte. Der Goldene Winkel an der Kreuzkirche gilt mit seiner einheitlichen Bebauung als eines der idyllischsten Wohnviertel der Stadt.

Leibniz-Haus (rechts)
Am Holzmarkt, ganz in der Nähe des Historischen Museums, steht der detailgetreue Nachbau des im Krieg zerstörten Leibniz-Hauses. Das Original-Gebäude war 1499 erbaut und 1652 erneuert worden. Der wohl berühmteste Sohn der Stadt, Gottfried Wilhelm Leibniz, hat es viele Jahre bewohnt.

Gegenüber der Marktkirche ein wilhelminisches Geschäftshaus

Gebäude am Hanns-Lilje-Platz neben der Marktkirche

Das Alte Rathaus ist ein architektonisches Glanzlicht der hannoverschen Altstadt – zusammen mit der gleich nebenan liegenden Marktkirche gilt es als südlichstes Renommierstück norddeutscher Backstein-Gotik.
Fast einhundert lange Jahre wurde am Alten Rathaus gebaut. Der älteste Teil an der Schmiedestraße stammt aus dem Jahr 1420, etwas später wurde auf den Grundmauern einer Kaufhalle aus dem 13. Jahrhundert der Marktflügel gebaut. An diesen schloß sich an der Köbelinger Straße der sogenannte Apothekenflügel an, in dem die Ratsapotheke untergebracht war. Dieser Flügel wurde durch einen im Stil der italienischen Romanik gehaltenen Bau ersetzt.
Fast wäre das Schmuckstück der Altstadt für immer verloren gegangen, denn 1844 sollte das gesamte Rathaus abgerissen werden. Dank der energischen Proteste einer Bürgerinitiative unter der Führung des renommierten Architekten Conrad Wilhelm Hase wurde diese Katastrophe jedoch verhindert. Der Neugotiker Hase durfte schließlich die beiden verbliebenen Flügel sanieren und stellte den stilreinen Zustand aus der Zeit um 1500 wieder her.
Besondere Kostbarkeiten sind die prachtvollen gotischen Fialengiebel und der Tonfries über dem äußeren rechten Bogenfenster an der Schmiedestraße. Er zeigt neben Fürstenbildnissen und Wappen auch eine Darstellung des „Luderziehens“ – ein mittelalterliches Volksspiels, vergleichbar mit dem in Süddeutschland üblichen Fingerhakeln.


Das Opernhaus wurde als Königliches Hoftheater in den Jahren 1845–52 im spätklassizistischen Stil am östlichen Rand der Altstadt auf dem ehemaligen Windmühlenberg aus Wealdensandstein errichtet. Dabei handelte es sich um eine der heutigen Georgstraße vorgeschobene Bastion, die Teil der hannoverschen Stadtbefestigung war. Architekt des Opernhauses war der Hofbaumeister Georg Ludwig Friedrich Laves. Während des Zweiten Weltkriegs wurde das Opernhaus am 26. Juli 1943 bei einem der alliierten Luftangriffe auf Hannover von Brandbomben getroffen und brannte bis auf die Grundmauern aus. Der Wiederaufbau erfolgte im historischen Stil.


Ein bemerkenswertes Beispiel europäischer Gartenkunst ist das Ensemble der Herrenhäuser Garten. Der Große Garten gehört zu den besterhaltenen und bedeutendsten Barockgärten in Europa.
Die Gründung des Großen Gartens im Jahre 1666 geht auf den Calenberger Herzog Johann Friedrich zurück. Seinen weiteren Ausbau verdankt er jedoch einer bemerkenswerten Frau: Sophie von der Pfalz, Kurfürstin von Hannover. Sie ließ den Garten Ende des 17. Jahrhunderts nach französischem Vorbild anlegen und machte ihn zu ihrem Lebenswerk. So entstand ein Meisterwerk barocker Gartenkunst mit vielen Sonder- und Mustergärten, großer Fontäne, Wasserspielen, Irrgarten, Freilufttheater, unterschiedlichen Figurengruppen, Kaskade, Schloss, Galeriegebäude und Orangerie.
Zum Großen Garten gehört auch die im 18. Jahrhundert erbaute Grotte, die mit Muscheln, Kristallen, Glas und Mineralien verziert im Sommer einen kühlen Rückzugsort bieten sollte. Diese Verzierungen gingen verloren, bis die Künstlerin Niki de Saint Phalle die Grotte im Jahr 2002 mit Kiesel-, Glas- und Spiegelstücken ausschmückte und so in ein magisches Kunstwerk voller Farbe, Licht und Sinnlichkeit verwandelte.
Anfang 2013 wurde das Schloß Herrenhausen unter internationaler Medienbeobachtung eröffnet. Es war im zweiten Weltkrieg zerstört worden und wurde nun rund 70 Jahre nach seiner Zerstörung an seinem einstigen Ort neu errichtet. Der Wiederaufbau der ehemaligen Sommerresidenz der Welfen ist ein gemeinsames Projekt der Landeshauptstadt Hannover und der VolkswagenStiftung – und gibt den Herrenhäuser Gärten ihren architektonischen Bezugspunkt zurück.