Reisebericht von Trips nach Fürth im September-Oktober 2014

Anläßlich eines erneuten Aufenthaltes in Nürnberg nutzte ich die Gelegenheit, die nahegelegene Stadt Fürth zu besuchen. Da die Unterkunft, das exzellente Sheraton Carlton Hotel, fußläufig vom Bahnhof liegt, benutzte ich die Bahn, die nur acht Minuten für die knapp 10 Kilometer Entfernung benötigt.

Fürth stand ganz im Zeichen der Vorbereitungen zur Michaelis-Kirchweih, dem größtes Straßenfest dieser Art in Bayern. Ganze Straßenzüge werden für dieses Volksfest gesperrt und ein Durchkommen gelingt am besten zu Fuß

Im Gegensatz zu vielen anderen Städten in Deutschland wurde Fürth im Zweiten Weltkrieg durch Bombenangriffe vergleichsweise wenig (ca. 12 %) zerstört. Dadurch ist das historische Stadtbild weitgehend erhalten geblieben. Gemessen an der Einwohnerzahl besitzt Fürth die vierthöchste Dichte an Baudenkmälern unter den deutschen Großstädten.

Diverse Straßenzüge mit geschlossener Bebauung des Klassizismus und Historismus des 19. und beginnenden 20. Jahrhunderts prägen das Bild der Innenstadt. Hervorzuheben ist die Hornschuchpromenade und die Königswarterstraße mit vielfältig gestalteten villenartigen Wohnmietshäusern der Gründerzeit und des Jugendstils.

In den nördlich davon gelegenen Bereichen (z.B. Theresienstraße) finden sich ehemalige Mietshäuser für Arbeiter, was sich in einer weniger prächtigen Fassadengestaltung niederschlägt.

Auch der 1923 in Fürth geborene Henry Kissinger, ursprünglich Heinz Alfred, wurde in einem typischen gründerzeitlichen Mietshaus geboren (Mathildenstraße 23) und lebte nach dem Umzug seiner Eltern in die Marienstraße 5 bis zur Emigration der Familie 1938 in einem ähnlichen Gebäude.
Die Familie Kissinger war Teil einer großen jüdischen Gemeinde in Fürth. Zu Beginn des 19. Jahrhunderts war fast jeder vierte Bürger jüdischen Glaubens. Historisch gesehen ging es ihnen materiell, aber auch in rechtlicher Hinsicht auf Grund der Rivalität der drei Herren der Stadt besser als in den meisten anderen Städten. Nach 1499 (Vertreibung der Juden aus Nürnberg) erlaubte gegen die Zahlung eines hohen Schutzgeldes der Markgraf von Ansbach und der Dompropst von Bamberg die Ansiedlung in Fürth.
Über die jüdische Geschichte der Region informiert ausgezeichnet das Jüdische Museum Franken an der Königstraße.

In der Altstadt im Bereich des Marktes und der Stadtkirche St. Michael befinden sich Ensembles aus dem 17. und 18. Jahrhundert mit imposanten Fachwerkbauten oder verschieferten Fassaden. Da Fürth 1634 im Dreißigjährigen Krieg fast vollständig zerstört wurde, stammen die ältesten Häuser erst aus dieser Zeit.

Die Pfarrkirche Unsere Liebe Frau ist die älteste nachreformatorische katholische Kirche der Stadt. Seit den 1520er Jahren war Fürth lutherisch. Erst im 18. Jahrhundert zogen wieder Katholiken ins Stadtgebiet, für die der Pfarrzwang der lutherischen Stadtpfarrkirche St. Michael galt. Nachdem Fürth 1806 zum Königreich Bayern gekommen war, benötigte die Gemeinde eine eigene Kirche. 1824 wurde der Grundstein der neuen Kirche am Ostrand der Altstadt gelegt und am 6. Oktober 1829 erfolgte die Weihe der klassizistischen Saalkirche.

Das neobarocke Stadttheater von 1902.

Geschlossene klassizistische Bebauung an der Theresienstraße



Leider haben viele alteingesessene Geschäfte ihren Betrieb aufgegeben oder geben ihn z.Zt. auf. Schilder wie "Räumungsverkauf" und leergeräumte Schaufenster in direkter Innenstadtlage sprechen eine beredte Sprache. Wenn überhaupt sind sie oft ersetzt worden durch Unternehmen wie auf dem Photo zu sehen.

Der Marktplatz (umgangssprachlich auch Grüner Markt) liegt im Norden der Altstadt. Im Bild ein Wohnhaus von 1695 (links) und die ehemalige Apotheke von 1661 (rechts).

Haus Gustavstraße 48 / Ecke Kirchenplatz mit verschieferten Fachwerkobergeschossen, erbaut ab 1700. Blick auf die protestantische Michaeliskirche.

Haus Gustavstraße 33 aus dem 18. Jahrhundert.

Blick von der Gustavstraße in die Waagstraße.

Die Schindelgasse, Nebengasse zur Gustavstraße.

Gasthaus Zum Tannenbaum, Helmstraße 10, erbaut ab 1700.