Reisen nach Bangkok 1995 bis 2010

Bislang war ich drei Mal in Bangkok. Der unten stehende Text deckt die Reise vom Juli 1995 ab. Im Zuge einer Reise zu den Metropolen Asiens war ich von Dezember 2008 bis Januar 2009 in Hongkong, Macau, Singapur sowie in Bangkok. Den Reisebericht zu Bangkok findet man hier. Von Dezember 2009 bis Januar 2010 war ich dann erneut in Bangkok, wie bereits 1995 für volle 14 Tage. Hier findet sich der Bericht zu der Reise.


Meine erste Reise nach Asien überhaupt führte mich im Juli 1995 nach Bangkok, der Hauptstadt der thailändischen Königreiches.
Gebucht hatten wir Philippine Airlines, die ganz gute Flugzeiten bot und von Bangkok dann weiter nach Manila flog. Beim Check-in am Flughafen von Frankfurt bekamen wir schon einen kleinen Vorgeschmack auf das, was uns später dann auch in Thailand erwarten sollte. Wir waren eines der wenigen rein europäischen Paare an Bord. Die anderen Gäste setzten sich fast ausschließlich aus deutschen Männern mit ihren philippinischen Frauen oder Freundinnen und deren Kindern zusammen. Das Gepäck, welches diese Familien eincheckten, war abenteuerlich. Augenscheinlich handelte es sich Geschenke für die gesamte philippinische Großfamilie.

Bangkok

Nach elendig langen 13 Stunden Flug in der Business Class der wirklich nur mittelmäßigen Philippine Airlines landeten wir endlich auf dem chaotischen Flughafen von Bangkok. Mir verschlug es den Atem. Was war denn hier los? Unmengen von Personen wuselten durch den Flughafen, die Beschilderung war miserabel, es dauerte ewig, bis uns der Chauffeur des Oriental Hotels, wo wir uns eingebucht hatten, fand. Kaum hatten wir das Flughafenterminal verlassen, schlug uns feucht-heiße Tropenluft, durchsetzt mit Abgasen, entgegen.

Los ging es über eine der auf Stelzen gelegenen Stadtautobahnen Bangkoks zum Hotel. Der Fahrer berichtete, wir könnten froh sein, heute, an einem Sonntag angekommen zu sein. Normalerweise sei der Verkehr völlig chaotisch und die Fahrt dauere Stunden.... Vom Auto aus erhielten wir schon einen guten Ausblick auf die Stadt, die einen völlig zersiedelten Eindruck machte.

Endlich kamen wir im Oriental an, "dem" Hotel Thailands und einem der besten und bekanntesten der Welt, direkt am Chao Praya Fluß gelegen. Wir bezogen unsere Junior Suite in einem höher gelegenen Stockwerk des neueren River Wing, mit einem Traumblick über den Fluß und dem jenseits des Flusses gelegenen Stadtviertel Thonburi.

Das Hotel wurde seinem Ruf voll gerecht. Auf jedem Flur gab es einen Schreibtisch mit einem Hotelangestellten, der sich fürsorglich um die Gäste kümmerte. Sofort am ersten Tag wunderten wir uns über kleine, ca. 5 cm lange Holzstäbchen, die vor unserer Tür lagen bis wir den Sinn verstanden. Die Stäbchen wurden von dem Angestellten an die Tür gelehnt. Betrat man das Zimmer, fielen die Stäbchen auf den Teppichboden, ein sicheres Zeichen für die Angestellten, daß die Gäste im Zimmer anwesend waren. Was für ein System!

Am nächsten Morgen frühstückten wir das erste Mal auf der direkt am Fluß gelegenen Hotelterrasse, wobei das Klima erst einmal ganz schön gewöhnungsbedürftig war!

Anschließend furhen wir mit einem der hübschen Shuttleboot auf die andere Seite des Flusses, wo sich das Spa des Hotels befand. Ich selbst hatte mir vorgenommen, in den 14 Tagen die Stadt zu erkunden. Unmittelbar neben dem Oriental befand sich ein Anlegesteg für die Rivertaxis sowie ein Shuttleboot zum nahegelegenen River City Shopping Complex, den ich mir anschaute, wegen der hohen Preise aber nichts kaufte.

Als ich außerhalb des Einkaufszentrums in meinem Reiseführer ein nächstes Besichtigungsziel suchte, sprach mich eine sehr gepflegte Thailänderin in exzellentem Englisch an, ob sie mir helfen könne. Als ich sagte, ich suche eine Sehenswürdigkeit, überzeugte sich mich, ich müsse mir unbedingt Schmuck anschauen. Bevor ich etwas sagen konnte, hatte sie ein Tuk Tuk, ein dreiräderiges Motorvehikel angehalten, mich dort hinein verfrachtet und dem Fahrer eine Adresse gesagt. Los ging es in atemberaubendem Tempo durch die völlig verstopfen Straßen, wobei der Fahrer jeden Millimeter Raum zum Fahren nutzte. Nach ca. 10 Min waren wir in einer Seitenstraße angekommen und er hielt vor einem riesigen Juweliergeschäft, wo ich schon von augenscheinlich chinesisch-stämmigen Besitzern erwartet wurde. Ich erinnerte mich an die Ratschläge in meinem Reiseführer und sagte dem Besitzer vor Betreten des Geschäftes mehrmals, ich habe keine Kaufabsichten und wolle mich nur umschauen, worauf er beteuerte, dies sei "kein Problem". Kaum im Geschäft, wurde ich gegen meinen Willen von ihm und diversen Angestellten mit Schmuck behängt und bedrängt. Völlig genervt wollte ich das Geschäft verlassen, worauf der Besitzer verbal extrem aggressiv reagierte.
Nach diesem sehr unschönen Erlebnis war mir klar, daß es sich bei der ach so netten Thailänderin um eine Schlepperin gehandelt hatte, vor denen immer wieder gewarnt wird. Es ist offenbar in Bangkok Usus, daß jeder Einwohner mit einem oder mehreren Geschäften verbandelt ist, denen er Kunden auf Provisionsbasis zuführt. Ich habe irgendwann aufgehört zu zählen, wie oft man mich in den 14 Tagen auf diese Tour versucht hat, in Geschäfte zu lotsen...

Da der Juwelier in der Nähe des bekannten Hauses von Jim Thompson lag, beschloß ich, dieses zu besuchen. Thompson war ein Amerikaner, der sich in den 1950er Jahren im Seidenhandel betätigte. 1959 errichtete er in der Nähe der Rama 1 Road ein traditionelles thailändisches Holzhaus, im welchem sich nun eine hervorragende Sammlung thailändischer Kunst befindet. Alleine das Haus ist aber schon ein Besuch wert, eine ruhige Oase im Großstadtdschungel Bangkoks...

Kaum war ich mit der Besichtigung des Anwesens fertig, fing es an zu regnen. Kein gewöhnlicher Regen, sondern ein tropischer Regenguß, den man aus Europa nicht kennt. In letzter Minute erwischte ich noch ein Tuk Tuk, welches mich zurück zum Hotel brachte. Abends aßen wir am gegenüberliegenden Flußufer im zum Oriental gehörenden Thai-Restaurant, wo wir auch Zeuge einer exzellenten Tanzvorführung wurden.

Am nächsten Tag fuhr ich dann mit dem Rivertaxi zum Grand Palace. Die Rivertaxis sind eine Spezialität Bangkoks. Es handelt sich um Fährboote, die auf dem Chao Praya verkehren und an bestimmten Anlegestellen anhalten. Anhalten, aber nicht anlegen. In abenteuerlicher Manier fahren die Kapitäne in die Nähe der stark schwankenden Anlegestege, worauf die Passiere vom ebenfalls schwankenden Boot hinunter oder auf das Boot heraufspringen. Eine akrobatische Leistung, bei der man immer Gefahr lief, zwischen Boot und Steg zu geraten. Bei den ersten Malen traute ich mich kaum zu springen. Die Thailänder hingegen gingen die Sache viel souveräner an, selbst in hochhackigen Schuhen und Businesskostüm hüpften sie auf die Boote!
Die Boote sind ein Bangkok die einzige Alternative zum völlig chaotischen Verkehr, in dem es kein Durchkommen gibt. Sie verkehren in kurzen Abständen, sind konkurrenzlos günstig und enorm schnell. Problematisch war allerdings teilweise die Beschilderung der Haltestellen. Bei Sehenswürdigkeiten hingen auch Schilder mit lateinischen Buchstaben, andere waren oft nur auf Thai beschildert, so daß man gut daran tat, die Haltestellen mitzuzählen, um dann auch die richtige zu erwischen.

Der Grand Palace ist ein riesiger Gebäudekomplex nördlich vom Oriental direkt am Chao Praya gelegen. Es handelt sich um Gebäude, die zumeist in einem gemischten europäischen und thai Baustil Ende des 19. Jahrhunderts errichtet worden waren und heute noch vom König zu besonderen Anlässen benutzt werden.

Direkt neben dem Grand Palace liegt Wat Phra Kaew (Wat = Tempel) oder Temple of the Emerald Buddah. Der Tempel wurde 1782 erbaut und beherbergt in seinem Inneren eine erheblich ältere aus Jade gefertigte Buddahstatue. In der Umgebung um den Tempel befinden sich über 100 weitere zu ihm gehörige Gebäude.

Unmittelbar neben dem Komplex des Grand Palace befindet sich die ebenfalls großzügige Anlage von Wat Pho. Es ist der größte und älteste Wat Bangkoks und die größte Darstellung eines liegenden Buddahs in Thailand.

Nach der Besichtigung dieses Buddahs saß ich außerhalb des Tempels auf einem Mäuerchen und las in meinem Reiseführer, als mich ein thailändischer Schuljunge, angezogen in einer der typischen Schuluniformen, ansprach. Im Hintergrund standen seine feixenden Mitschüler. Bewaffnet war er mit einem Kassettenrecorder und einem Zettel, von dem er angestrengt auf Englisch seine Bitte vorlas. Sie würden von der Schule eine Umfrage bei Touristen machen und ob er mich interviewen dürfe, verstand ich wegen seinen Akzentes so gerade. Ich bejahte und er machte einen glücklichen Eindruck. Er spulte mit erheblicher Mühe seine Fragen herunter die ich artig in sein Mikro beantwortete. Allerdings hatte ich nicht den Eindruck, als ob er eine Antwort verstünde. Als ich mich mit ihm im Anschluß an das "Interview", das sich um meine Eindrücke von Bangkok drehte, versuchte zu unterhalten, mußte er leider passen, ebenso seine Mitschüler, die mich nun ebenfalls umringten. Entlocken konnte ich ihnen nur, von welcher Schule sie kamen.

Zum Abschuß meiner Besichtigungstour fuhr ich noch nach Chinatown, welches eine Steigerung des ohnehin schon chaotischen Bangkok darstellte. Enge Gassen mit unzähligen kleinen Buden und Geschäften, ein Gewusel an Personen, Gerüche wie aus 1001 Nacht von den zahlreichen offenen Garküchen... Mehr als erholsam war danach unserer Restaurantbesuch im Shangri La Hotel, in Sichtweite des Orientals ebenfalls am Fluß gelegen.

Nach diesen anstrengenden Touren schaute ich mir am nächsten Tag die nahegelegene Silom Road an, "die" Einkaufsstraße Bangkoks mit einigen Kaufhäusern wie z.B. dem bekannten Central. Zwischen Silom und der parallel verlaufenden Surawong Rd. verlaufen auch die berühmt berüchtigten Patpong Gassen, die sich allerdings tagsüber als wenig "spektakulär" herausstellten. Einige GoGo-Bars und offene Neppbuden, sonst nichts. Wie wir auch bei einem abendlichen Besuch feststellen, war die "Glanzzeit" dieses Rotlichtbezirkes wohl vorbei. Auf Soi Patpong 1 (Soi = Gasse) fand abends sogar ein großer Nachtmarkt mit völlig seriösen Besuchern statt. An der gleichen Stelle fand ich auch eines der besten Buchgeschäfte Bangkoks.
Ich war gerade am Ende der Silom Rd. angekommen, als der Himmel seine Schleusen öffnete, und ein Monsunregen sondergleichen herunterging. Die Thailänder hatten das wohl kommen sehen, kurz, es war kein fahrbarer Untersatz mehr zu bekommen und ich mußte zu Fuß zum Hotel zurück - ein Gang von etwa 30 Minuten. Nach nur 1 Minute war ich, angetan mit T-Shirt und Rock, durchgeweicht bis auf die Haut. Der Regen war sicherlich 30° warm, es war ein Gefühl, als stünde man mit Kleidung unter der Dusche. Genau in dem Zustand kam ich im Oriental an, dessen Angestellten sonst nie das Gesicht verzogen, als sie mich aber ankommen sahen, konnten sie sich kein Grinsen verkneifen. Diese dumme "farang" (gesprochen "Falang" = Weiße).